
Steigende Kosten und Verschuldung setzen den Netzbetreiber unter Druck. Das Management will mit McKinsey die Verwaltung verschlanken.
AI-generated summary
Eon plant bis 2030 massive Investitionen in den Netzausbau und arbeitet mit McKinsey am Sparprogramm Polaris.
Düsseldorf. Komplizierte Strukturen sind Eon-Chef Leo Birnbaum ein Graus. „Deutschland leidet an einer Bürokratie-Kultur, die Komplexität belohnt und Verantwortung delegiert“, schrieb der Manager vor wenigen Tagen auf LinkedIn. „Diese Kultur produziert im Ergebnis längere Verfahren und höhere Kosten.“
Jetzt will Birnbaum auch im eigenen Unternehmen die Organisation verschlanken: In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass Eon gemeinsam mit der Unternehmensberatung McKinsey an einem Sparprogramm namens „Polaris“ arbeitet.
Seither fragen sich Finanzmarktakteure und Branchenmitglieder: Was steckt dahinter? Thomas Deser, Portfolio-Manager bei Union Investment, sagt: „Das Eon-Sparprogramm hat mich überrascht. Das wirft die Frage auf, ob es Eon bisher zu gut ging oder ob das Unternehmen aus irgendeinem Grund nicht um ein solches Programm herumkommt.“
Von Eon heißt es, das Sparprogramm sei nichts Besonderes und man überprüfe den Konzern regelmäßig auf mögliche Verbesserungen. Aber ganz zufällig ist der Zeitpunkt wohl nicht ausgewählt. Gespräche des Handelsblatts mit Insidern und Beobachtern des Unternehmens geben Einblicke, warum das Sparprogramm gerade jetzt kommt – und was es bezwecken soll.
Verschuldung wird zunehmend kritisch bewertet
Der Energiekonzern hat sich viel vorgenommen und muss gleichzeitig mit immer schwierigeren Bedingungen umgehen. Bis 2030 will das Unternehmen 48 Milliarden Euro investieren. Ein Großteil fließt dabei in den Ausbau der Stromnetze – Eons wichtigsten Geschäftsbereich.
In den vergangenen vier Jahren hat der Konzern seine Investitionspläne fast jedes Jahr um fünf bis zehn Milliarden Euro erweitert. Doch die riesigen Summen bringen zunehmende Herausforderungen mit sich.
So finanziert sich Eon im großen Stil über Anleihen. Jedes Jahr muss das Unternehmen Milliardenbeträge an die Anleihebesitzer zurückzahlen und neues Geld aufnehmen. Das dürfte künftig teurer werden. Denn seit Jahresbeginn sind die Renditen auf Eon-Anleihen teilweise um fast einen Prozentpunkt gestiegen.
Portfolio-Manager Deser sagt, dass die steigende Verschuldung von Anlegern zunehmend kritisch gesehen werde. „Schließlich will Eon weiterhin eine Dividende ausschütten und investieren. Diese Situation dürfte sich früher oder später auf das Ergebnis auswirken“, sagt er.
Die Aktie hat bereits an Beliebtheit eingebüßt. Nach einem kräftigen Aufwärtstrend im vergangenen Jahr ist der Kurs seit März dieses Jahres leicht gesunken. Erkan Aycicek, Analyst bei der LBBW, äußert sich zur Entwicklung: „Im Vergleich mit anderen Energiekonzernen ist das Wachstumspotenzial bei Eon begrenzt.“ Und fügt hinzu: „Bei RWE kann man dank der Kraftwerke von den hohen Strompreisen und dem Ausbau erneuerbarer Energien profitieren. Aber im Netzgeschäft sind die Vorgaben eng.“
„Wir müssen massiv investieren“
Wie viel Netzbetreiber wie Eon mit ihren Stromnetzen verdienen dürfen, legt in Deutschland die Bundesnetzagentur fest. Damit will der Staat Stromkunden wie Haushalte und Industrie vor zu hohen Netzgebühren schützen.
Weil sich die Kosten für Ausbau und Betrieb der Stromnetze verändern, werden auch die Renditen, die den Netzbetreibern zustehen, alle fünf Jahre neu angepasst. Jetzt steht die nächste Anpassung kurz bevor: Die Bundesnetzagentur arbeitet daran, die Regeln für die kommende Regulierungsperiode festzulegen, die für die Stromnetzbetreiber im Jahr 2029 startet.
Der Stromnetzausbau wird immer teurer. Denn überall auf der Welt sind Stromnetzanschlüsse von neuen Kraftwerken, Rechenzentren und Industriekunden gefragt. In der Folge konkurrieren die Netzbetreiber um wichtige Komponenten und treiben die Preise nach oben.
Für Investoren bleibt Eon nur dann attraktiv, wenn der Konzern künftig auch mehr Geld verdienen darf. Das Management bangt deshalb, wie die Entscheidung der Bundesnetzagentur ausfallen wird. Bei der Präsentation der Eon-Zahlen fürs erste Halbjahr hatte Eon-Chef Birnbaum schon klargestellt: „Wir müssen massiv investieren, und wir können dieses Kapital nur anziehen, wenn wir auf den Kapitalmärkten Renditen zeigen können, die im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig sind – und dafür muss es eine Nachbesserung geben.“
Einsparungen zu strategisch günstigem Zeitpunkt
Keine dieser Herausforderungen hat das neue Sparprogramm akut ausgelöst. Das Programm sei bereits seit Jahresbeginn in Vorbereitung, wie mehrere Personen dem Handelsblatt sagten. Der Konzern betont, das Programm betreffe vor allem die Eon-Zentrale mit ihren Verwaltungsfunktionen und nicht die operativen Einheiten des Konzerns. Das Ziel ist offenbar nicht, den Netzausbau in den zahlreichen Tochtergesellschaften von Eon unmittelbar effizienter zu machen.
Und doch schwingen die aktuellen Entwicklungen mit. Sowohl Mitarbeiter als auch Beobachter sagten dem Handelsblatt, es sei üblich, dass Netzbetreiber kurz nach dem sogenannten „Fotojahr“ Sparmaßnahmen umsetzten. Das Fotojahr ist das Jahr, für das die Bundesnetzagentur die Kosten der Netzbetreiber beobachtet. Diese Kosten werden dann in der anstehenden Regulierungsperiode als Standard angenommen. Wer es schafft, danach die eigenen Kosten zu senken, kann mehr Rendite erwirtschaften.
2026 ist ein Fotojahr für die Netzgebühren in der nächsten Regulierungsperiode. Deshalb lohnt es sich, nach dem Fotojahr an einer Kostenreduktion zu arbeiten. Dass Eon die geplanten Sparmaßnahmen ab 2027 umsetzen will, passt daher ins Bild.
Kostenthema schon länger allgegenwärtig
Zwar kann das Fotojahr nicht unmittelbar Auslöser für die Sparmaßnahmen sein – schließlich betrifft das Sparprogramm „Polaris“ nur die Zentrale. Allerdings sind Insidern zufolge auch die Eon-Töchter angehalten zu sparen. Ein Sprecher bestätigte, dass „regelmäßig und in unterschiedlichen Einheiten Optimierungsaktivitäten laufen“.
Insidern zufolge ist das Polaris-Programm auf Konzernebene auch deshalb wichtig, weil das Management den Mitarbeitenden in den operativen Einheiten nur schwer vermitteln könne, dass sie effizienter werden müssten, während in Essen zunehmend mehr Kosten anfielen.
Einerseits sei das Kostenthema schon länger allgegenwärtig, sagt ein Mitarbeiter: „Wir haben bei Meetings längst keine Kekse mehr und auch keine festen Arbeitsplätze.“ Andererseits sei die Zahl der Mitarbeitenden in der Zentrale in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Und das, während die Mitarbeitenden in den operativen Einheiten von Kunden immer wieder zu hören bekämen, dass bei Eon alles zu teuer sei.
Vom Konzern heißt es, Eon entwickle jetzt „ein einfacheres Steuerungsmodell zum Zusammenspiel zwischen Headquarter und operativen Einheiten“. Aus der Belegschaft ist zu hören, dass in der Vergangenheit ein Mitarbeiter in einer operativen Einheit teils versehentlich zwei oder drei Anfragen zum selben Thema von verschiedenen Personen aus der Zentrale erhielt.
Eon plant, in den Verwaltungsfunktionen Stellen abzubauen. Das aber soll so einvernehmlich wie möglich geschehen. Laut Unternehmensangaben ist das Management bereits mit dem Betriebsrat im Gespräch – und dieser ist dem Programm wohl gar nicht so abgeneigt, wie es aus Belegschaftskreisen heißt.
Bei dem Programm, das in der Verwaltung bis zu 25 Prozent an Einsparungen erzielen dürfte, geht es wohl nicht nur ums Kostensenken – sondern ein Stück weit auch darum, den Konzernfrieden zu erhalten.
AI outlook — possibilities, not facts
Umsetzung des Sparprogramms Polaris ab 2027
Likely · Within months

A study by Agora Energiewende, FfE and Consentec shows that around 66 billion euros in network expansion costs could be saved by 2045 through more efficient network planning, overbuilding and load control. However, current incentive systems hinder implementation.

European oil companies such as Shell, TotalEnergies and OMV made billions in profits in the third quarter. This is driving the political debate about the introduction of an EU-wide excess profits tax, while corporations announce share buybacks.

Data from DIW and Ifo show that the federal government's latest fuel discount is being received unevenly. Fuel type, gas station location and weekends influence the price reduction for drivers.

Federal Minister of Economics Katherina Reiche is planning to reorganize the expansion of offshore wind energy in Germany. In view of increased costs and delays, area cuts should be optimized, payment modalities adjusted and returns for areas that were not previously examined should be made possible within a limited range.
The Federal Agency for the Search for Final Repositories (BGE) has narrowed down the search for a nuclear waste repository. Rhineland-Palatinate, Hesse, Berlin, Saxony and Saarland have withdrawn from the process. The focus is now on regions with the best suitability.

The Federal Agency for Final Storage (BGE) has narrowed down the search for a nuclear waste repository to less than five percent of the German state area. Federal states such as Saxony, Berlin and Hesse have been eliminated from the selection process.