
Der Staat muss seine Anteile an dem Gasimporteur bald verkaufen. Jetzt soll es tiefergehende Informationen für Interessenten geben.
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Der Bund hatte den Gasimporteur Uniper im Zuge der Gaskrise nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine verstaatlicht, um die Energieversorgung zu sichern.
Der Staat muss seine Anteile an dem Gasimporteur bald verkaufen. Jetzt soll es tiefergehende Informationen für Interessenten geben.
Uniper plant für den 16. November einen Kapitalmarkttag in London, um Investoren und Analysten detailliert über das Unternehmen zu informieren.
Die Bundesregierung bereitet zwei Optionen zur Reprivatisierung von Uniper vor: einen Direktverkauf großer Anteile oder einen Börsengang.
Interessenten haben bereits erste nicht-bindende Gebote für Uniper abgegeben, darunter kanadische Investoren und europäische Energiekonzerne.
Auch der zweite staatliche Gasimporteur Sefe startet eine Reprivatisierung mit einer Kapitalerhöhung und sucht strategische Investoren unter Aufsicht des Bundeswirtschaftsministeriums.
Frankfurt, Düsseldorf, Berlin. Deutschlands verstaatlichter Gasimporteur Uniper will bald einen Kapitalmarkttag ausrichten. Das sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen dem Handelsblatt. Uniper bestätigte die Informationen auf Anfrage. Der Tag solle am 16. November in London stattfinden. Man habe am Mittwochmittag eine Einladung an die Investoren versandt.
Mit dem Kapitalmarkttag geht Uniper einen nächsten Schritt in Richtung Reprivatisierung. Der Bund hatte den Gasimporteur im Zuge der Ukraine-Krise verstaatlicht. Bis 2022 hatte Uniper große Teile seines Gases über Pipelines aus Russland bezogen und an hunderte Stadtwerke und Unternehmen in Deutschland geliefert. Als Russland die Belieferung im Herbst 2022 einstellte, geriet der Konzern in Schieflage. Der Staat rettete das Unternehmen, um die Gasversorgung in Deutschland sicherzustellen.
Jetzt muss die Bundesregierung ihren größten Energiekonzern wieder reprivatisieren. Die EU schreibt vor, dass bis 2028 rund 75 Prozent der Anteile wieder in privates Eigentum übergehen müssen. Nach langem politischen Ringen kommt der Reprivatisierungsprozess jetzt in Fahrt. Beobachter gehen davon aus, dass wichtige Schritte bereits bis Weihnachten erfolgen könnten.
Finanzministerium arbeitet mit zwei Optionen
Uniper gehört formal dem Bundesfinanzministerium. Die Entscheidung über Anteilsverkäufe liegt deshalb bei Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD). Da das Unternehmen für die deutsche Energieversorgung verantwortlich ist, spricht dem Vernehmen nach aber auch das Bundeswirtschaftsministerium unter Ministerin Katherina Reiche (CDU) immer wieder mit.
Zuletzt sollen die Abstimmungen, etwa rund um den Kapitalmarkttag, Insidern zufolge kompliziert gewesen sein. Unter anderem soll es schwierig gewesen sein, sich auf einen genauen Termin zu einigen.
Das Finanzministerium arbeitet mithilfe von Banken, Anwälten und Unternehmensberatern parallel an zwei Optionen für die Reprivatisierung: an einem möglichen Direktverkauf großer Anteile an einzelne Investoren oder Konsortien und an einem möglichen neuen Börsengang. Uniper ist zwar auch aktuell an der Börse notiert, allerdings ist weniger als ein Prozent der Aktien im freien Umlauf, da der Staat mehr als 99 Prozent an dem Unternehmen hält.
Der nun anstehende Kapitalmarkttag richtet sich vor allem an Interessenten, die bei einem Börsengang Anteile an Uniper kaufen würden. Sie sollen auf einen einheitlichen Wissensstand gebracht werden. Im Anschluss kann das Uniper-Management eine sogenannte Roadshow starten und mit einzelnen Interessenten Gespräche führen.
Im Zuge des Direktverkaufs-Pfads, des sogenannten M&A-Tracks, hat die Bundesregierung bereits erste, nicht-bindende Gebote von Interessenten eingeholt. Geboten haben nach Handelsblatt-Informationen unter anderem ein Konsortium der kanadischen Investoren Brookfield und CPP Investments, der norwegische Energiekonzern Equinor, der Energiekonzern RWE im Konsortium mit dem Investor KKR und der tschechische Investor Daniel Kretinsky mit seinem Unternehmen EPH.
In einem Gespräch mit Journalisten sagte EPH-Chef Jan Springl jüngst, Energie bleibe für das Unternehmen eine Top-Priorität. EPH is unter anderem der größte Anteilseigner am französischen Energiekonzern Total. In Deutschland gehört dem Konglomerat unter anderem der Lausitzer Energiekonzern LEAG. Die Gruppe nutze Gewinne stets für Reinvestitionen, statt sie auszuschütten, und halte die Unternehmen, die es zukaufe, langfristig, betonte Springl.
Staat muss Großteil seiner Anteile verkaufen
Auch bei Sefe, einem zweiten Gasimporteur, den der Bund im Zuge des Ukraine-Kriegs verstaatlicht hat, läuft jetzt ein Reprivatisierungsprozess an. Aktuell arbeitet das Unternehmen bereits daran, im Zuge einer Kapitalerhöhung möglichst bis Jahresende einen Investor ins Unternehmen zu holen. Ein solcher Investor könne dann in einem weiteren Schritt auch größere Anteile übernehmen, wie es aus Unternehmenskreisen heißt.
Ebenso wie bei Uniper muss der Staat bei Sefe bis 2028 rund 75 Prozent seiner Anteile verkaufen. Er kann auch 100 Prozent verkaufen. Im Falle von Sefe liegt die Entscheidung beim Bundeswirtschaftsministerium.
Zu den Plänen des Ministeriums für Sefe sagte Bernhard Kluttig, Leiter der Abteilung für Gas und Wasserstoff im Wirtschaftsministerium, kürzlich bei einer Handelsblatt-Veranstaltung: „Wir betrachten die Privatisierung von Sefe nicht nur unter rein fiskalischen Aspekten. Man könnte ja auch sagen, die Privatisierung muss so erfolgen, dass am Ende der Kaufpreis für das Unternehmen oder für Einzelteile des Unternehmens maximal ist. Wir betrachten das eher aus Energieversorgungssicherheitspunkten.“
Das Ministerium sehe sich nach strategischen Investoren um, die das Unternehmen und die Energieversorgung für Deutschland und Europa voranbringen könnten. Und es sei „sehr wohl möglich“, dass der Staat am Ende einen Anteil am Unternehmen „mit entsprechenden Rechten“ behalte.
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Kapitalmarkttag von Uniper in London am 16. November
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