
Mit einem Festakt ist in Münster die erste Islamisch-Theologische Fakultät an einer deutschen Universität eröffnet worden, hervorgegangen aus dem bisherigen Zentrum für Islamische Theologie.
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Das Zentrum für Islamische Theologie in Münster wurde 2012 gegründet und nun zu einer vollwertigen Fakultät aufgewertet.
In Münster ist mit einem Festakt die erste Islamisch-Theologische Fakultät an einer deutschen Universität eröffnet worden. Gründungsdekan Mouhanad Khorchide verfolgt das Ziel, eine Islamische Theologie „in und für Europa“ zu gestalten. „Wir dürfen die Verkündigung absoluter Wahrheiten nicht mit der rationalen Reflexion des Glaubens verwechseln“, sagte der Religionspädagoge beim Festakt am Donnerstagabend in Münster. Eine Fakultät sei keine Kanzel.
„Diese Fakultät braucht die volle Freiheit der Wissenschaft, frei von jeder Bevormundung durch den Staat, durch Verbände oder durch den Erwartungsdruck der eigenen Gemeinschaft“, sagte Khorchide. Diese Freiheit sei zutiefst islamisch. Er forderte dazu auf, sich von Apologetik und Opferdiskursen zu verabschieden. Der Islam habe viel zu geben, sagte er und verwies auf die „reiche Ethik der Barmherzigkeit“.
Als 2012 sein Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ erschien, wurde Khorchide für seinen reformtheologischen Ansatz von Islamverbänden teilweise heftig kritisiert. Das von ihm geleitete Zentrum für Islamische Theologie in Münster, aus dem nun eine Fakultät geworden ist, war da gerade erst gegründet. Die Kontroverse hatte viel mit der Frage zu tun, wer die Deutungshoheit über den Islam in Deutschland hat.
Seit 2016 gibt es einen Beirat mit Vertretern von Islamverbänden in Münster, aber in Verbänden ist Skepsis gegenüber der dortigen Lehre oft noch verbreitet. Khorchide richtete bei der Eröffnungsfeier denn auch ein „offenes Wort“ an die muslimischen Verbände: Es schmerze ihn, dass die Verbände Münster bis heute kaum an ihren eigenen Ausbildungs- und Weiterbildungsprogrammen beteiligten. Er vermisse vielerorts den Willen, „endlich einen Islam aufzubauen, der aus Deutschland kommt und für Deutschland da ist“.
Die nordrhein-westfälische Wissenschaftsstaatssekretärin Gonca Türkeli-Dehnert hob hervor, dass das Land die Gründung der Fakultät von Beginn an unterstützt habe. „Islamische Theologie soll einen festen Platz in unserer Hochschul- und Wissenschaftslandschaft haben.“ Die Islamische Theologie sei von Beginn an in einem gesellschaftspolitischen Kontext eingebunden gewesen, sagte sie und nannte Diskussionen über die Zusammensetzung der Beiräte und auch „die großen integrationspolitischen Erwartungen der Politik und der Gesellschaft“.
Im Beirat der Münsteraner Fakultät sitzen je zwei Vertreter des türkischen Moscheeverbands DITIB, des Islamrats und des Zentralrats der Muslime. Beiräte sind ein Behelfskonstrukt, weil der Islam in Deutschland nicht so organisiert ist wie die christlichen Kirchen. Es gibt nicht den einen Verband, der alle Muslime vertreten kann, sondern viele verschiedene. Aus verfassungsrechtlicher Sicht muss aber eine Religionsgemeinschaft eingebunden sein, wenn Theologie als bekenntnisgebundene Wissenschaft an einer staatlichen Universität gelehrt wird.
Der Münsteraner Beiratsvorsitzende Kemalettin Oruç von der DITIB sagte beim Festakt, die Fakultät solle wissenschaftliche Qualität, religiöse Glaubwürdigkeit und gesellschaftliche Verantwortung verbinden. Unverzichtbar seien dafür Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit, methodische Sorgfalt und Offenheit für unterschiedliche begründete Positionen. Er verwies aber auch auf die Erfahrungen der Gläubigen und warnte davor, „die vermeintlich liberale Universität“ den „vermeintlich konservativen Gemeinden“ gegenüberzustellen. Das würde weder der Vielfalt theologischen Denkens noch den Gläubigen oder der Wissenschaft gerecht. Der Auftrag des Beirats ist aus Oruçs Sicht, Brücken zu den Religionsgemeinschaften zu bauen. „Wir brauchen eine Islamische Theologie, die in Deutschland beheimatet ist“, sagte Oruç. „Beheimatung bedeutet jedoch nicht Entwurzelung.“
Universitätsrektor Johannes Wessels sprach von der „Vollendung eines sehr langen Weges“ und dankte insbesondere dem Beirat, der das Vorhaben sehr lange inhaltlich begleitet habe. Es seien komplizierte Gespräche gewesen, die aber am Ende dazu geführt hätten, dass alle vom Ergebnis überzeugt seien. Wessels betonte die Eigenständigkeit des neuen Fachbereichs, an dem acht Professoren vom Wintersemester 2026/27 an Islamische Theologie und Religionspädagogik lehren. Die Islamische Theologie könne nun ihr Forschungsprofil und Lehrangebot weiterentwickeln, Studiengänge und Prüfungen verantworten und selbst Promotionen und Habilitationen durchführen.
Der Soziologe und Sozialphilosoph Hans Joas bezeichnete die Fakultätsgründung in seinem Festvortrag als historisches Ereignis für die Wahrnehmung des Islams in der deutschen Gesellschaft und Kultur, für den interreligiösen Dialog und für „die Sache des moralischen Universalismus“. Der Münsteraner Bischof Heiner Wilmer, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, betonte, dass Islamische Theologie in die wissenschaftliche Debatte gehöre. Wohl ganz im Sinne Khorchides bekräftigte er, dass ernst gemeinte Theologie sich nicht in einem „religiösen Binnendiskurs“ erschöpfen dürfe. Und Adelheid Ruck-Schröder, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, erinnerte daran, dass auch die Evangelisch-Theologische Fakultät erst lange nach der Universitätsgründung geschaffen worden sei, nämlich 1914 – und sie begrüßte, dass man nun auch dem Islam eine eigene akademische Stimme verleihe.
Die Fakultät wird laut Universitätsrektor Wessels an einem neuen Campus der Theologien und religionsbezogenen Studien angesiedelt. „Hier wird ein Hotspot für den interreligiösen Diskurs entstehen“, sagte Wessels. Dazu passten die Worte des Hamburger Rabbiners Gábor Lengyel, der seine persönliche Verbundenheit zu Khorchide hervorhob. „Brüderlichkeit bedeutet nicht, dass wir unsere Unterschiede aufgeben“, sagte er. Vielleicht liege gerade darin eine der wichtigsten Aufgaben von Theologie heute: die Fähigkeit zur Unterscheidung mit der Fähigkeit zur Verbundenheit zusammenzubringen.
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Acht Professoren lehren ab Wintersemester 2026/27 Islamische Theologie.
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