US-Forscher haben erstmals die genaue Struktur und Faserverteilung des Vagusnervs kartiert, was neue Ansätze in der medizinischen Nervenstimulation eröffnen könnte.
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Der Vagusnerv steuert lebenswichtige Funktionen wie Herz-Lungen-Aktivität, Verdauung und Immunreaktionen. Bisher war seine genaue anatomische Struktur nur unzureichend bekannt.
Der Vagusnerv durchzieht den gesamten Körper. Das feine Nervengeflecht dient der Kommunikation zwischen den Organen. Trotz seiner entscheidenden Rolle bei Körperfunktionen war Wissenschaftlern bisher lediglich die ungefähre Anatomie des Vagusnervs bekannt.
Nun haben US-Forscher des Northwell Health Feinstein Institutes for Medical Research in New York die bislang erste umfassende Karte über die genaue Anatomie des Vagusnervs im menschlichen Körper veröffentlicht. Sie veranschaulicht detailliert, wie die Nervenfasern organisiert und verteilt sind.
Der Vagusnerv entspringt dem Hirnstamm, verläuft auf beiden Körperseiten und zieht sich durch Hals, Brustkorb hinein in den Bauchraum. Das Nervengeflecht steuert die Herz-Lungen-Funktion und ist an der Verdauung und Immunreaktion beteiligt.
Diese neue Kartierung könnte Wissenschaftlern und Ärzten helfen, den Nerv gezielter zu stimulieren und so möglicherweise Erkrankungen wie Epilepsie, Schlaganfall und entzündliche Leiden zu behandeln.
Über einen Zeitraum von drei Jahren entnahmen die Forscher Vagusnerven von rund 30 Körperspendern. Mithilfe von Ultraschall und Mikro-Computertomografen erstellten sie Bilder der Nervenstränge.
Eine künstliche Intelligenz analysierte daraufhin die Bilder und ordnete die einzelnen Fasern verschiedenen funktionellen Klassen zu: sensorischen Fasern, die Signale von den Organen zum Gehirn senden, und motorischen Fasern, die Muskelanspannungen steuern.
Die Größe und hohe Auflösung der Vagusnervenkarte bergen großes Potenzial, sagt Ju Young Lee gegenüber der Fachzeitschrift „Science“. Sie ist Neurowissenschaftlerin am University Medical Center in Amsterdam.
Nervenkarten wie diese ermöglichen eine umfassendere Betrachtung von Struktur und Funktion der Nerven, erklärt sie und merkt an, dass die jüngste Kartierung der sensorischen Nerven der Klitoris durch ihr eigenes Team ein weitaus umfangreicheres Verzweigungssystem aufgedeckt habe als bisher bekannt.
Auch wenn die neue Kartierung das bisher umfassendste Bild des Nervengeflechts zeigt, weisen die Autoren der Studie darauf hin, dass es sich um einen „umfassenden Atlas“ handelt, jedoch nicht um eine „definitive Karte“.

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