Exoskelett-Start-up Ease aus München testet Produkt im Lager von Spitzhüttl – KI treibt Gründungsboom 2026 an
Quick Look
- Im Lager des Möbelhauses Spitzhüttl in Unterfranken testet Lagerarbeiter Peter Kiesel ein Exoskelett des Münchner Start-ups Ease, das das Heben um bis zu 20 Kilogramm erleichtert.
- Gründerin Christina Harbauer betont die doppelte Entlastung von Rücken und Armen.
- Der Artikel beschreibt zugleich den aktuellen Gründungsboom in Deutschland, getrieben von KI, besseren Förderbedingungen und Venture Capital, wobei die USA in Investitionen pro Kopf weit vorne liegen.
AI-generated summary
Why It Matters
Das Start-up Ease wurde 2025 gegründet und entwickelt Exoskelette für Lagerarbeiter. Der deutsche Gründungsmarkt erlebt 2026 einen Boom, getrieben von KI und verbesserten Finanzierungsbedingungen.
Es fiept und blinkt an diesem Morgen im Lager des Möbelhauses Spitzhüttl in Unterfranken in der Nähe von Würzburg. Lagerarbeiter Peter Kiesel probiert das neu entwickelte Exoskelett des Start-ups Ease aus. Der Hightech-Rucksack auf seinem Rücken reduziert das Gewicht beim Heben um bis zu 20 Kilogramm.
Bei Peter Kiesel kommt das neue Gerät auf Anhieb an. Denn in der Vergangenheit hatte er sich beim Anheben eines Tischs eine Bizeps-Sehne gerissen. "Mit der neuen Hilfe wäre mir das nicht passiert", meint der Lagerist.
Mit Unterstützung von der Idee zur Umsetzung
Besser hätte die Pilotphase für das junge Unternehmen um Gründerin Christina Harbauer nicht starten können. Wenn die Resonanz so positiv bleibt, könnte das Möbelhaus nach dem vierwöchigen Praxis-Test zu einem der ersten zahlenden Kunden werden.
"Wir bieten die ersten Exoskelette, die nicht nur den Rücken, sondern auch die Arme entlasten", nennt Harbauer den zentralen Vorteil gegenüber Konkurrenzprodukten.
Nach der Gründung 2025 im Umfeld der Technischen Universität München hat das junge Unternehmen aktuell fünf Mitarbeiter. Harbauer ist sehr dankbar für die Unterstützung mit Know-how und Fördergeld. "Wir hatten eine Idee, aber am Anfang keine Ahnung, wie beispielsweise ein Business-Plan aussehen muss", erinnert sie sich an die ersten Schritte.
"Bessere Voraussetzungen als früher"
In den vergangenen Jahren ist die Förderung von Start-ups viel besser geworden, beobachtet Oliver Falck vom Münchner ifo-Institut. "Da sind echte Ökosysteme entstanden, die die Gründung erleichtern."
Das bestätigt auch Miriam Wohlfarth, die inzwischen sogar schon ihr drittes Start-up in der Finanzbranche gegründet hat. 2009 legte sie mit dem Fintech Ratepay einen erfolgreichen Start hin. Es wurde zum Unicorn, also mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet. "Wenn man jetzt starten will, hat man bessere Voraussetzungen als früher", so die erfahrene Gründerin.
Ihr neuestes Baby heißt Banxware und vermittelt mit KI-Unterstützung Kredite an kleinere und mittlere Unternehmen. Seit der Gründung 2020 ist die Zahl der Beschäftigten auf 60 angestiegen. "KI ist bei uns wie zusätzliche Mitarbeiter, die im Team mitentscheiden", beschreibt sie die neuen Möglichkeiten.
Rekord bei Gründungen in 2025
KI ist zum Gamechanger geworden und inzwischen der wichtigste Antreiber in der Start-up-Szene geworden. Ingesamt erlebt die Szene gerade einen bislang einmaligen Boom. Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut Start-up-Verband 3.053 neue Firmen gegründet, ein Plus von 52 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und mehr als im gesamten Jahr 2024.
Ein Grund dafür sei aber auch die schwierige wirtschaftliche Lage in der deutschen Wirtschaft, sagt ifo-Experte Falck. "Wenn in etablierten Unternehmen auch für Hochqualifizierte die Beschäftigungschancen sinken, sehen viele die Selbständigkeit als eine Chance."
Ein Haupthindernis bei der Unternehmensgründung ist fehlendes Kapital. Doch auch hier haben sich die Voraussetzungen inzwischen deutlich gebessert, sagt Mathias Ockenfels, der als Partner bei b2venture Risikokapital bereitstellt.
Als Ockenfels vor knapp zwei Jahrzehnten in die Finanzierungsszene eingestiegen sei, habe es in Laufweite des Berliner Büros keinen weiteren Fonds gegeben. "Heute sind es mehrere Dutzend, die hunderte Millionen Euro und mehr in neue Geschäftsideen investieren", sagt er.
Traumziel USA?
Dennoch ist hier Deutschland nur im Mittelfeld und liegt mit investierten 86 Euro pro Kopf auf Rang 13 unter den 30 größten Volkswirtschaften, so das Ergebnis einer Studie des Start-up-Verbands. Die USA spielen mit 724 Euro pro Einwohner in einer eigenen Liga.
Die USA als leuchtendes Vorbild - was bei der Finanzierung noch immer gilt, ist bei anderen Themen längst nicht mehr so eindeutig, sagt Annika von Mutius. Sie hat im Silicon Valley für ein dortiges Start-up gearbeitet, ehe sie in Deutschland 2022 selbst gründete. Der KI-gestützte Personaldienstleister Empion hat aktuell 50 Mitarbeiter. Mit einem verbreiteten Klischee räumt die Gründerin auf:
Dennoch kämpft auch sie mit einer hochkomplexen Regulierung - sei es beim Einsatz von KI oder der fehlenden Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt.
Positiver Blick in die Zukunft
Für jedes dritte Start-up ist inzwischen KI der zentrale Faktor, so hat es der Start-up-Verband in diesem Jahr in einer Studie ermittelt. Der tiefgreifende technologische Wandel macht etablierten Unternehmen nach der Einschätzung von Oliver Falck besonders zu schaffen, weil sie oft eine Kannibalisierung ihres bisherigen Geschäftsmodells befürchten. "Hier sehe ich sehr, sehr große Chancen gerade auch für Start-ups".
Der KI-Boom hat gerade erst begonnen. So spricht vieles dafür, dass der Start-up-Boom noch lange anhält. Prima Aussichten für die Gründerszene in Deutschland und ein echter Lichtblick in einer schwierigen Wirtschaftslage.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Das Möbelhaus Spitzhüttl wird nach dem vierwöchigen Praxis-Test zu einem der ersten zahlenden Kunden von Ease.
Likely · Within weeks
Der KI-getriebene Gründungsboom in Deutschland wird länger anhalten.
Likely · Within months
Open Questions
- Wann genau beginnt der bezahlte Einsatz des Exoskeletts bei Spitzhüttl?
- Wie hoch sind die Produktionskosten des Exoskeletts von Ease?
- Welche weiteren Unternehmen testen derzeit ähnliche Exoskelette?






