Kontakte zur arabischen Großfamilie Remmo und zum israelfeindlichen Aktivisten Ibrahim Ibrahim bringen den Berliner Linke-Abgeordneten in Erklärungsnot.
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Ferat Kocak stand wegen Kontakten zur arabischen Großfamilie Remmo und zum Aktivisten Ibrahim Ibrahim in der Kritik.
Der Berliner Linke-Abgeordnete Ferat Kocak hatte „Transparenz“ versprochen, nachdem seine Kontakte zur arabischen Großfamilie Remmo und zum israelfeindlichen Aktivisten Ibrahim Ibrahim bekannt geworden waren. Seine Schilderungen bei einem Treffen mit einem Reporter der „Zeit“ werfen jedoch zahlreiche neue Fragen auf. Vor allem eine von der Zeitung geschilderte Szene nährt Zweifel daran, dass Kocak mittlerweile auf Distanz zu besagten Personen gegangen ist.
Dies ist offenbar auch Kocak klar geworden: „Mit der vollständigen Offenlegung der Kommunikation mache ich transparent, dass ich Personen, denen Verbindungen zur organisierten Kriminalität zugeschrieben werden, weder Vorteile gewährt noch von ihnen Vorteile erhalten habe“, postete Kocak am Mittwochabend. Trotzdem zieht er Konsequenzen: Er gibt seinen Sitz im Innenausschuss ganz ab.
„In den vergangenen Wochen wurde viel über meine Person diskutiert. Teile dieser Debatte waren verletzend, diskriminierend und von Unterstellungen geprägt“, heißt es. So sei das parlamentarische Arbeiten der Kollegen nicht möglich.
Laut „Zeit“ hatte ein Reporter der Zeitung zuvor bei einem Treffen mit Kocak jene Chat-Protokolle zwischen ihm und Mitgliedern des Remmo-Clans einsehen können, die nach der Wahlparty der Linken teilweise öffentlich geworden waren. Allerdings, so betont der Autor, sei nicht nachprüfbar, ob andere Nachrichten bereits gelöscht worden seien. Kocak versichert jedenfalls, den Nachrichtenverlauf nicht verändert zu haben.
Dafür erklärt der Bundestagsabgeordnete, wie die Kontakte mit Mitgliedern der Remmo-Familie überhaupt zustande kamen. Anstoß dafür sei ein Aufruf in den sozialen Medien Anfang 2026 gewesen. „Hat jemand ein Smartphone abzugeben?“, habe er dabei in den sozialen Medien geschrieben und um Smartphone-Spenden für Jugendliche einer Antifa-Gruppe geworben. Deren Handys waren zuvor von der Polizei beschlagnahmt worden.
Gemeldet habe sich daraufhin – neben anderen, heißt es in der „Zeit“ – auch Firas Remmo, Sohn von Issa Remmo. Kocak sei auf dessen Angebot eingegangen, schildert die Zeitung und beruft sich auf eingesehene Chats zwischen dem Clan-Mitglied und dem Bundestagsabgeordneten. „Bruder, egal was du brauchst, egal was ich für dich tun kann, lass mich wissen“, habe Remmo schließlich geschrieben. Kocak habe die Adresse seines Büros übermittelt und sich bereit erklärt, das Gerät persönlich abzuholen. Nachdem Remmo ausrichten ließ, sein Vater freue sich auf ein Treffen, antwortete Kocak: „Grüße mit Respekt zurück an deinen Vater.“ Schließlich sei es zu einem persönlichen Treffen gekommen.
Kocak gibt in der „Zeit“ – wie auch schon zuvor in anderen Medien – erneut an, nicht gewusst zu haben, mit wem er da kommunizierte: „Blöd von mir, dass ich nicht geguckt habe, wer das ist“, wird er zitiert.
Auf den Einwand des „Zeit“-Reporters, er müsse die Akteure der Berliner Clan-Szene eigentlich kennen, schließlich sei er Mitglied des Innenausschusses des Bundestags, in dem Clan-Kriminalität immer wieder Thema sei, entgegnete Kocak: „Ich brauche diese Leute nicht kennen, um diese Arbeit zu machen.“ Zudem sagte er: „Ich muss nicht wissen, wer die bösen Jungs sind.“
Dabei machte die Familie Remmo immer wieder Schlagzeilen und war unter anderem in den Diebstahl der Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum sowie in den Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden verwickelt. Über beide Fälle wurde bundesweit ausführlich berichtet. Auf die Nachfrage des Reporters, ob es wirklich möglich sei, dass er Firas Remmo nicht gekannt habe, antwortete der Linken-Politiker laut „Zeit“: „Ich schwöre auf alles.“ Er habe nur eine Absicht gehabt: „Ich habe einfach nur dieses Handy abholen wollen.“
Kocak nennt Treffen mit Remmo „überfordernd“
Nach eigener Darstellung will Kocak erst bei einem persönlichen Treffen bemerkt haben, dass er im Umfeld der Familie Remmo gelandet sei. Als er Issa Remmo in einem Büro angetroffen habe, habe er sich gefragt: „Renne ich raus? Sage ich: Mit euch möchte ich nichts zu tun haben?“, zitiert ihn die „Zeit“. Die Situation sei für ihn „überfordernd“ gewesen. Issa Remmo habe ihn für seine Arbeit gelobt und erklärt, die Remmos hätten ebenfalls kurdische Wurzeln wie Kocaks Familie. Nach eigenen Angaben habe er es geschafft, das Gespräch nach zehn bis 15 Minuten „respektvoll“ zu beenden.
Unklar bleibt allerdings, weshalb der Kontakt nach der Übergabe des Smartphones nicht abriss. Unter anderem schickte Kocak Firas Remmo später ein Video einer Bundestagsrede und bat ihn, diese weiterzuverbreiten. „Bruder hilf mir mal (...) sagt allen euren Leuten, die sollen das teilen“, schrieb er laut „Zeit“. Auf die Frage, warum er nach dem Treffen erneut den Kontakt gesucht habe, sagte Kocak rückblickend: „Das war vielleicht ein Fehler.“
Fragen stellen sich auch zur späteren Einladung Kocaks zu einer Hochzeit der Familie Remmo. Der Bundestagsabgeordnete sei allerdings nicht hingegangen, da er Distanz zu den Remmos habe aufbauen wollen, heißt es weiter. Verabschiedet habe er sich dabei allerdings in einer Sprachnachricht mit den Worten: „Ich küsse Dein Herz, Bruder. Grüße an die Familie.“ Einen harten Bruch mit der Familie habe er nicht vollzogen: „Das ist nicht meine Art. Das kriege ich auch nicht hin“, sagte Kocak der „Zeit“.
Dies scheint auch bei dem israelfeindlichen Aktivisten Ibrahim Ibrahim der Fall zu sein. Ibrahim tritt seit Jahren offen als Unterstützer der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) auf. Die Terrororganisation ermordete Israelis bei Sprengstoffanschlägen oder Flugzeugentführungen.
Auch er tauchte bei der Wahlparty der Neuköllner Linken auf. Bereits im vergangenen Jahr waren Kocak und Ibrahim gemeinsam bei einer Veranstaltung der Linken in Neukölln aufgetreten. Dennoch erklärte Kocak nun in der „Zeit“, er habe Ibrahim auf der Wahlparty nicht erkannt. Ein junger Mann habe ihn um ein Foto gebeten, Ibrahim habe sich anschließend dazugestellt. „In dem Moment habe ich den Namen und das Gesicht von Herrn Ibrahim nicht miteinander verbunden“, versicherte Kocak der „Zeit“. „Ich habe ihn nicht erkannt.“ Eine inhaltliche Distanzierung von Ibrahim fehlt im Gespräch mit der „Zeit“.
Erst in dem Posting vom Mittwochabend schrieb Kocak: „Meine Arbeit für eine solidarische und sichere Gesellschaft werde ich konsequent fortsetzen. Für eine Gesellschaft, in der alle Menschen ein gutes, sicheres und bezahlbares Leben führen können – unabhängig von Pass, Herkunft, Geschlecht oder Geldbeutel“, heißt es in dem Posting. Und weiter: „Eine Gesellschaft, in der niemand ausgegrenzt oder zurückgelassen wird und in der soziale Sicherheit und der Schutz vor Rassismus, Antisemitismus und jeder Form von Menschenfeindlichkeit zusammengehören.“
Eine seltsame Szene zum Schluss
Dass Kocak mittlerweile Distanz zu Mitgliedern der Remmo-Familie aufbauen konnte, lässt eine von der „Zeit“ geschilderte Szene ebenfalls offen. Diese soll sich nach dem Gespräch mit Kocak abgespielt haben. Demnach habe der Bundestagsabgeordnete am Montagabend in Neukölln auf einen Fototermin mit einer Fotografin der Zeitung gewartet.
Dabei sei ein fremder Mann auf ihn zugekommen, habe erklärt, jemand wolle mit ihm sprechen, und Kocak ein Handy vor das Gesicht gehalten. Auf dem Bildschirm sei Firas Remmo in einem Videoanruf zu sehen gewesen. Die anwesende Fotografin hat laut „Zeit“ den Vorfall bestätigt.
Nach Kocaks Schilderung habe Remmo gefragt, wie es ihm gehe. Der fremde Mann sei trotz Aufforderung zunächst nicht weggegangen, soll Kocak später erklärt haben. Die Begegnung sei von dem Linke-Politiker später als unangenehm beschrieben worden.
Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und früher Bundestagsabgeordneter, kommentierte die Szene auf X: „Die Frage ist ja, warum machen die Remmos das: Sie stellen Koçak als naiv und erpressbar bloß. Sinn macht das eigentlich nur, wenn das eine Botschaft an andere ist, die sie auch in der Hand haben. Wer ist das und wie viele?“

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