
Während private Banken Stellen abbauen, suchen Sparkassen und Genossenschaftsbanken verstärkt Personal – besonders außerhalb Frankfurts.
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Nach der Finanzkrise 2008 bauten deutsche Banken jahrelang Stellen ab. Seit 2023 ist dieser Trend bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken umgekehrt, während Privatbanken weiter restrukturieren.
Die Zahl der von Finanzinstituten ausgeschriebenen Stellen ist im dritten Quartal dreimal so stark gestiegen wie am Arbeitsmarkt insgesamt – allerdings nicht in der Finanzmetropole Frankfurt.
Banken und Fintechs wollten im dritten Quartal 2026 mehr als 54.000 Stellen besetzen, das sind fast 20 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.
Die Zahl der Stellen für Experten im Finanz- und Rechnungswesen sowie Controlling wuchs um 28 Prozent auf gut 20.000, Vertrieblerstellen waren mit rund 11.400 die zweitmeisten.
Auch die Sparkassen und Genossenschaftsbanken erhöhen ihre Beschäftigtenzahlen und planen für das kommende Jahr eine große Recruiting-Kampagne mit einem erweiterten Ausbildungsangebot.
In Hessen und Frankfurt gingen die offenen Stellen in Banken zurück, während in Bundesländern wie Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die Ausschreibungen um 18 bis 20 Prozent gestiegen sind.
Frankfurt. Auf den ersten Blick wirkt die Nachrichtenlage für Bankangestellte derzeit beunruhigend. Viele Institute wechseln derzeit den Eigentümer, wie die Commerzbank, die unter der Führung Unicredits viele Stellen kürzen dürfte. Und auch Künstliche Intelligenz könnte in der Zukunft Bankjobs ersetzen. Doch auf dem Arbeitsmarkt herrscht kein Pessimismus vor.
„Der Finanzsektor sucht derzeit deutlich mehr Personal als andere Branchen“, sagt Jürgen Grenz, der Vorstandschef der Index-Gruppe, einem Berliner Personalmarktspezialisten. Das belegt eine umfassende Stellenmarktanalyse der Index-Gruppe, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.
Demnach wollten Banken und Fintechs im dritten Quartal 2026 mehr als 54.000 Stellen besetzen und damit fast 20 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Branchenübergreifend ist die Zahl der Stellen, die Unternehmen in Deutschland besetzen wollten, im dritten Quartal nur um 6,3 Prozent gestiegen.
Für die Analyse wertet die Index-Gruppe die Stellenanzeigen von 196 Printmedien, 299 Onlinebörsen, dem Stellenportal der Bundesagentur für Arbeit sowie mehr als 900.000 Internetseiten von Unternehmen aus. Dabei überprüft der Personalmarktspezialist auch, ob sich mehrere Stellenanzeigen auf dieselbe Position beziehen und rechnet so mögliche Doppelungen heraus.
Schon in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres hatten Banken deutlich mehr Beschäftigte gesucht als andere Branchen. Vor allem Experten für das Finanz- und Rechnungswesen sowie Controlling waren der Auswertung zufolge gefragt. Auf solche Jobs entfielen gut 20.000 Stellen, ein Zuwachs um 28 Prozent. „Die zweitmeisten Stellen schrieben Banken im dritten Quartal 2026 mit rund 11.400 Positionen für Vertriebler aus“, sagt Index-Chef Grenz.
Damit setzt sich ein Trend fort, der vor zwei Jahren eingesetzt hatte: Nach der Finanzkrise 2008 hatten deutsche Banken und Sparkassen Jahr für Jahr Arbeitsplätze abgebaut. Doch 2023 hat sich diese Entwicklung umgekehrt: Seither wächst die Zahl der Stellen wieder, zeigen Statistiken der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie Daten des Arbeitgeberverbandes der privaten Banken.
Der Zuwachs ist aber ungleich verteilt: Sowohl der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) als auch der Bundesverband deutscher Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) sprechen ganz offensiv darüber, dass bei ihnen die Zahl der Beschäftigten seit 2023 gestiegen ist. Und sich daran so schnell nichts ändern wird.
Dagegen teilte der Arbeitgeberverband der privaten Banken am Freitag mit, dass die Beschäftigtenzahl bei den privaten Banken und Bausparkassen 2025 „aufgrund anhaltender Restrukturierungen um 1,5 Prozent gesunken“ ist. „Wir betrachten die Beschäftigungsentwicklung in der Bankenbranche differenziert“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der privaten Banken (AGV), Carsten Rogge-Strang. Je nach Altersstruktur, Geschäftsmodellen und Innovationsgrad sei der Personalbedarf sehr unterschiedlich.
Auch daran dürfte sich so schnell nichts ändern. Die privaten Banken rechnen in den kommenden Jahren mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahlen. Wegen weiterer Fusionen in der Branche und der Automatisierung vieler Aufgaben, die heute noch Menschen erledigen.
Die Sparkassen planen dagegen für das kommende Jahr eine große Recruiting-Kampagne, wie ein Sprecher des DSGV sagte. Auch die Tatsache, dass die Sparkassen in diesem Jahr ihr Ausbildungsangebot weiter ausgebaut und mehr als 5900 neue Azubi-Stellen angeboten hätten, zeige, dass die Häuser auch in den kommenden Jahren Personal bräuchten.
„Die Zahl der externen Neueinstellungen hat sich in der Zeit von 2016 bis 2025 mehr als verdreifacht“, sagte ein Sprecher des BVR. Allein im Vergleich zu 2023 sei die Zahl der Stellen um 15 Prozent gestiegen. Der demografische Wandel spielt dabei eine wichtige Rolle: „Bis 2035 werden rund 25 Prozent der heutigen Belegschaft die gesetzliche Regelaltersgrenze erreichen“, so der BVR-Sprecher. Der demografisch bedingte Ersatzbedarf an Beschäftigten bleibe auf absehbare Zeit „erheblich“.
Allerdings haben sich auch die gesuchten Kompetenzen geändert. „Künstliche Intelligenz, neue Technologien und veränderte Kundenerwartungen werden die Arbeit in unseren Banken nachhaltig verändern“, sagte die zuständige BVR-Vorständin Tanja Müller-Ziegler dem Handelsblatt. „Es geht nicht nur darum, frei werdende Stellen neu zu besetzen, sondern auch darum, neue Kompetenzen aufzubauen und unsere Mitarbeitenden weiterzuentwickeln.“
Dass es eher die Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind, die Stellen besetzen, legt auch die regionale Aufschlüsselung der Auswertung der Index-Gruppe nahe: Danach suchten Banken und Fintechs aller Bundesländer und Stadtstaaten mehr Personal als im Vorjahr. Mit einer Ausnahme: Ausgerechnet in Hessen, dem Bundesland, in dem der Finanzplatz Frankfurt angesiedelt ist, sank die Zahl der offenen Stellen im Vergleich zum Vorjahresquartal.
In Hessen waren im dritten Quartal fünf Prozent weniger Stellen als im Vorjahr ausgeschrieben. In der deutschen Bankenmetropole Frankfurt waren es sogar zwölf Prozent weniger. Der Stellenzuwachs findet also eher in der Fläche statt, also dort, wo Sparkassen und Genossenschaftsbanken dominieren. So schrieben Banken in Baden-Württemberg 20 Prozent mehr Stellen aus, in Rheinland-Pfalz waren es 18 Prozent mehr Jobs. In Nordrhein-Westfalen waren es sechs Prozent.
AI outlook — possibilities, not facts
Sparkassen führen 2027 eine große Recruiting-Kampagne durch.
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