Finanzminister-Vorstoß: Mehrheit für Kartenzahlungs-Pflicht
Laut einer Umfrage konnten viele Verbraucher in Deutschland oft nicht wie gewünscht bargeldlos zahlen. Volksbanken befürworten eine Akzeptanzpflicht.
Quick Look
- Mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland konnte 2024 oft nicht wie gewünscht bargeldlos bezahlen.
- Bundesfinanzminister Lars Klingbeil plant eine Pflicht für Geschäfte und Restaurants, digitale Zahlungen zu akzeptieren, was bei Volksbanken auf Zustimmung stößt.
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Why It Matters
Viele Geschäfte und Restaurants in Deutschland akzeptieren bislang nur Bargeld. Eine YouGov-Umfrage untersuchte das Zahlungsverhalten.
Viele Verbraucher würde gerne noch häufiger mit Karte oder Smartphone zahlen. Doch manche Geschäfte oder Restaurants nehmen nur Bargeld. Ein Vorstoß des Finanzministers kommt bei Volksbanken gut an.
Ein Smartphone wird an ein Kassenterminal gehalten: Smartphone und die Karte werden zunehmend zum Dreh- und Angelpunkt für Bankgeschäfte. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn/dpa
Neu-Isenburg. Mehr als jeder zweite Erwachsene konnte in Deutschland in diesem Jahr mindestens einmal nicht wie gewünscht bargeldlos bezahlen. Mit 56 Prozent lag der Anteil in der jüngsten YouGov-Umfrage für den Genoverband sogar höher als 2021 mit damals 45 Prozent.
Die Mehrheit derjenigen, die eine Rechnung entgegen ihrer Planung statt mit Karte oder Smartphone doch mit Schein und Münze begleichen mussten, berichtet von zwei bis fünf Fällen im laufenden Jahr (28 Prozent). Insgesamt wurden im August 1.534 Erwachsene repräsentativ befragt.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will Geschäfte und Restaurants verpflichten, künftig zusätzlich zum Bargeld auch digitale Zahlungen mit Karte oder Handy zu akzeptieren. Eckpunkte für eine solche Regelung sind in der Abstimmung, Ziel des Finanzministeriums ist, dass ein Gesetzentwurf noch in diesem Jahr im Kabinett beschlossen und dann 2027 umgesetzt wird.
Für den Staat hat digitales Bezahlen Vorteile: Weil solche Zahlungen immer dokumentiert werden, werden Steuerhinterziehung und Geldwäsche erschwert.
Unter den Vorständen der Volksbanken im Verbandsgebiet des Genoverbandes, das alle Bundesländer außer Bayern und Baden-Württemberg umfasst, findet eine Akzeptanzpflicht von Kartenzahlungen und digitalen Zahlungen mehrheitlich Zustimmung: Gut drei Viertel (77 Prozent) von 196 befragten Vorständen befürworten dies. Zugleich sind fast die Hälfte (49 Prozent) dafür, dass Bargeld bis zu einer bestimmten Höchstgrenze verpflichtend angenommen werden muss.
Wahlfreiheit für Verbraucherinnen und Verbraucher
„Das Smartphone und die Karte werden zunehmend zum Dreh- und Angelpunkt für Bankgeschäfte und Zahlungsverkehr – gleichzeitig bleibt es den Menschen aber auch wichtig, die Option einer Barzahlung zu haben“, argumentiert der Vorstandsvorsitzende des Genoverbands, Michael Hoeck. Ziel der Volks- und Raiffeisenbanken sei es, ihren Kundinnen und Kunden Wahlfreiheit zu bieten.
Vier von zehn der befragten Verbraucherinnen und Verbraucher gehen davon aus, dass ihre persönliche Bargeldnutzung in den kommenden Jahren abnehmen wird, deutlich (20 Prozent) oder zumindest etwas (21 Prozent). Dass sie häufiger mit Schein und Münze zahlen werden, erwarten 6 Prozent.
Passend dazu sagen 49 Prozent der Umfrageteilnehmer – unter Jüngeren mit noch größerem Anteil – sie würden gerne häufiger mit Karte oder Smartphone bezahlen: wenn es mehr Möglichkeiten dafür gäbe, sie zugleich an der Ladenkasse Bargeld abheben könnten oder sie einen besseren Überblick hätten, wo bargeldloses Bezahlen möglich ist.
Mehr: EU will Bargeld stärken – Verbraucherschützer fordern Annahmepflicht auch im Nahverkehr
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Gesetzentwurf soll 2027 umgesetzt werden
Likely · Within months
Open Questions
- Wann genau wird der Gesetzentwurf im Kabinett beschlossen?
- Wie hoch soll die Höchstgrenze für Bargeldannahme sein?






