Finanzministerium plant Pflicht zur digitalen Zahlung im Handel und Gastgewerbe
Quick Look
- Das Bundesfinanzministerium plant, dass Unternehmen im Handel, Gastgewerbe und Dienstleistungssektor künftig neben Bargeld auch digitale Zahlungsmittel wie Karte oder Handy akzeptieren müssen.
- Die Regelung soll aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt werden, Ausnahmen gelten für gemeinnützige Organisationen und bestimmte Veranstaltungen.
- Ziel ist mehr Wahlfreiheit für Kunden und die Bekämpfung von Finanzkriminalität.
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Why It Matters
Derzeit müssen Unternehmen in Deutschland Bargeld akzeptieren, sind aber nicht verpflichtet, Kartenzahlung anzubieten. Viele kleine Geschäfte, Spätis und Restaurants akzeptieren derzeit nur Bargeld, während gleichzeitig immer mehr Selbstbedienungskassen und Cafés nur digitale Zahlung erlauben.
Wer kein Bargeld dabeihat, kann den Döner oder Kaffee bisher oft nicht bezahlen. Das soll sich ändern, die Option zur digitalen Zahlung wird Pflicht. Sind Scheine und Münzen dann out?
Keine Kartenzahlung? Das soll es künftig nicht mehr geben. (Archivbild) Foto: Peter Kneffel/dpa
Berlin. Geschäfte und Restaurants sollen künftig zusätzlich zum Bargeld auch digitale Zahlung mit Karte oder Handy akzeptieren müssen. „Cash only“-Schilder sollen damit der Vergangenheit angehören. Ein entsprechendes Vorhaben hat Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) auf den Weg gebracht. Die Eckpunkte werden nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gerade mit den anderen Ministerien abgestimmt.
Scheine und Münzen in Euro sind in Deutschland das gesetzliche Zahlungsmittel. Daraus ergibt sich eine Pflicht, Bargeld anzunehmen. Kartenzahlung müssen die Läden nicht akzeptieren. Vor allem kleinere Geschäfte, Spätis und Restaurants nehmen derzeit keine Kartenzahlung an.
Gleichzeitig gibt es aber auch immer mehr Cafés und Selbstbedienungskassen im Supermarkt, wo man nicht bar zahlen kann. Das ist möglich, wenn Händler und Kunde es vorher vereinbaren. Es hat sich eingebürgert, vor dem Kauf mit einem Schild darauf hinzuweisen, dass nur Kartenzahlung akzeptiert wird.
Ziel ist Wahlfreiheit: Der Kunde soll entscheiden können, ob er bar oder digital – also per Karte, Handy oder Uhr bezahlt. „Wir wollen, dass Unternehmen überall dort, wo Waren und Dienstleistungen direkt vor Ort bezahlt werden, eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten“, heißt es in den Eckpunkten. Damit wird ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD umgesetzt. Die Pflicht soll für Handel, Gastronomie und Dienstleistungssektor gelten.
Welches digitale Bezahlverfahren angeboten wird, soll Sache des Inhabers sein. Erlaubt würden die „am Markt verfügbaren und gebräuchlichen digitalen Bezahlverfahren“, heißt es in den Eckpunkten. Mindestens aber müsse ein europäisches Verfahren akzeptiert werden. Umsatzgrenzen oder Zusatzkosten soll es nicht geben. Man soll also den Kaffee oder den Schokoriegel genauso bargeldlos bezahlen können, wie einen größeren Einkauf oder den Friseurbesuch.
Für wen Ausnahmen gelten
Gleichzeitig betont das Ministerium in den Eckpunkten: Bezahlen mit Bargeld soll auch weiterhin möglich sein, es gehe nur um zusätzliche Optionen.
Ja, die Pflicht soll nur für Unternehmen gelten. Nichtkommerzielle Organisationen wie Amateur-Sportvereine und Wohltätigkeitsverbände sollen auch weiter die Option haben, nur mit Bargeld zu arbeiten. Bei Dorffesten, Flohmärkten und ähnlichen Gelegenheiten packt man also besser weiter die Geldbörse ein. Außerdem will das Ministerium noch prüfen, ob Härtefallregelungen nötig sind.
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Das Ministerium argumentiert, aktuell wollten viele mit Karte zahlen, das werde vor allem in kleineren Geschäften aber oft nicht oder erst ab einem bestimmten Betrag akzeptiert.
Digitales Zahlen helfe auch bei der Bekämpfung von Steuerhinterziehung, Geldwäsche und anderer Finanzkriminalität, da solche Zahlungen immer dokumentiert würden.
Etwa jede zweite Transaktion ist bargeldlos
Im vergangenen Jahr haben die Menschen in Deutschland ihre täglichen Einkäufe etwas häufiger digital bezahlt als mit Bargeld. Laut Bundesbank waren 55 Prozent der Transaktionen bargeldlos, der Wert steigt.
Am häufigsten kam dabei die Debitkarte (26 Prozent) zum Einsatz, meist die Girocard, die häufig noch EC-Karte genannt wird. Vor allem werden Karten bei höheren Summen genutzt. Das mobile Bezahlen mit Smartphone oder Smartwatch legte zu auf zehn Prozent. In 45 Prozent der Transaktionen griffen die Bürger zu Bargeld. Das gilt vor allem für ältere Menschen, Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen, niedrigem Einkommen oder geringer digitaler Erfahrung.
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Das dürfte an den Kosten liegen. Sie müssen sich dafür nicht nur Lesegeräte anschaffen, sondern teils auch Transaktionsgebühren zahlen. Am günstigsten kommen Geschäfte laut einer Bundesbank-Analyse vom vergangenen Jahr weg, wenn die Kundschaft mit Schein und Münze zahlt oder die Girocard nutzt. Internationale Debitkarten (Visa/Mastercard) und Kreditkarten verursachen höhere Kosten.
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Zu den Eckpunkten können jetzt die anderen Ministerien Stellung nehmen. Bis ein Gesetzentwurf geschrieben wird, kann es noch einige Änderungen geben, genauso vor einem Beschluss im Bundestag.
Ziel des Finanzministeriums ist, dass der Entwurf noch in diesem Jahr im Kabinett beschlossen und dann 2027 umgesetzt wird.
Mehr: Menschen in Deutschland zahlen überwiegend ohne Bargeld
dpa Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien.
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What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Der Gesetzentwurf zur digitalen Zahlungspflicht wird voraussichtlich noch 2026 im Kabinett beschlossen.
Likely · Within months
Die Umsetzung der digitalen Zahlungspflicht wird voraussichtlich 2027 beginnen.
Likely · Within years
Open Questions
- Wie hoch werden die technischen und finanziellen Hürden für kleine Unternehmen sein, um die digitale Zahlungspflicht umzusetzen?
- Welche konkreten Sanktionen drohen bei Nichtbeachtung der neuen Regelung?
- Wie wird die Umsetzung kontrolliert und überwacht?
- Gibt es Übergangsfristen für Unternehmen, um ihre Zahlungssysteme anzupassen?






