
Der Warenhauskonzern Galeria hat zum vierten Mal innerhalb weniger Jahre Insolvenz angemeldet. Ein Rückblick auf die wechselvolle Geschichte der deutschen Kaufhäuser.
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Galeria ist aus der Fusion von Karstadt und Kaufhof hervorgegangen und kämpft seit Jahren mit der Konkurrenz durch den Onlinehandel und strukturellen Problemen. Die Signa Holding des Investors René Benko war maßgeblich an der Entwicklung beteiligt.
Düsseldorf. Galeria ist an diesem Freitag geht in die Insolvenz gegangen – schon wieder. Am 2. Oktober hat der Warenhauskonzern beim Amtsgericht Düsseldorf nach 2020, 2022 und 2024 bereits den vierten Insolvenzantrag gestellt. Für die rund 12.000 Beschäftigten in 83 Filialen heißt das: erneutes Bangen um die Zukunft. Was einst Deutschlands größte Warenhausmarke war, steht damit erneut vor dem Aus.
1881–1936: Vier Gründerkonzerne
Die Geschichte des Konzerns beginnt mit gleich vier Handelsunternehmen, die später gemeinsam in Galeria aufgehen werden.
1879 eröffnet Leonhard Tietz in Stralsund einen Laden für Garne, Stoffe und Knöpfe, aus dem sich bis 1933 die Warenhauskette Kaufhof entwickelte. 1881 gründet Rudolph Karstadt ein erstes Geschäft in Wismar (Mecklenburg) – daraus wird die Karstadt AG.
Hertie entsteht als Waren- und Kaufhauskonzern mit bis zu 115 Häusern, darunter Wertheim und das KaDeWe in Berlin. Helmut Horten gründet 1936 in Düsseldorf die Horten AG, die zur damals viertgrößten Kette hinter Kaufhof, Hertie und Karstadt wird. Die vier Unternehmen bestimmen die deutsche Warenhauslandschaft des 20. Jahrhunderts.
1994: Die Doppelfusion
Die Kaufhof AG übernimmt den Konkurrenten Horten, die Karstadt AG unter Walter Deuss übernimmt die Hertie-Gruppe. Aus vier großen Ketten werden damit zwei: Kaufhof und Karstadt. Die Marken Horten und Hertie verschwinden in den folgenden Jahren sukzessive vom Markt.
1999: Karstadt übernimmt Quelle
Karstadt fusioniert mit dem Versandhändler Quelle zur Karstadt Quelle AG. Damit entsteht ein Handelsgigant aus stationärem Warenhaus- und Versandgeschäft. Der Konzern zählt zeitweise zu den größten Handelsunternehmen Europas mit rund 86.000 Beschäftigten.
2007: Umbau zu Arcandor
Karstadt Quelle benennt sich 2007 unter Vorstandschef Thomas Middelhoff in Arcandor um. Middelhoff war zuvor Bertelsmann-Chef und soll den Konzern strategisch neu ausrichten. Schon wenige Jahre nach seinem Amtsantritt gerät der Konzern in eine existenzielle Schieflage.
2009: Erste Insolvenz von Arcandor
Arcandor beantragt Insolvenz für sich sowie die Töchter Karstadt und Quelle – bis dahin die größte Firmenpleite der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Zahlreiche Gläubiger sind betroffen, Middelhoff hatte den Konzern wenige Monate zuvor verlassen. Quelle wird abgewickelt, Karstadt als eigenständige Warenhauskette aus der Insolvenzmasse herausgelöst.
2010: Berggruen übernimmt Karstadt
Der Investor Nicolas Berggruen steigt im Juni 2010 bei Karstadt ein und übernimmt die Kette aus der Insolvenz. Die erhoffte Wende bleibt jedoch aus, Umsatz und Filialzahl schrumpfen weiter. 2014 zieht sich Berggruen zurück.
2014: Benko übernimmt Karstadt
Der Tiroler Immobilieninvestor René Benko übernimmt Karstadt mit seiner Signa Holding. Signa hatte sich zuvor schon Warenhausimmobilien der Kette gesichert. Berggruen beklagt, Karstadt sei für ihn „kein gutes Geschäft“ gewesen. Benko kündigt an, er wolle Karstadt nun gründlich sanieren.
2015–2018: Kaufhof wechselt zu Hudson’s Bay
Karstadt-Konkurrent Kaufhof, 1988 noch Gründungsmitglied des deutschen Aktienindex Dax, wird von dem bisherigen Eigner Metro an den Handelskonzern Hudson’s Bay (HBC) verkauft. Die Nordamerikaner sprechen von einer „Wiedergeburt“ des Warenhauses und wollen die Filialen stärker mit dem Onlinegeschäft verschränken.
Der Einstieg bringt nicht den erhofften Erfolg, 2018 steigt Hudson’s Bay schrittweise wieder aus. Das Bundeskartellamt billigt die Fusion von Karstadt und Kaufhof unter Signa-Regie.
2018/2019: Fusion zu Galeria Karstadt Kaufhof
Karstadt und Kaufhof verschmelzen zur Galeria Karstadt Kaufhof GmbH mit Sitz in Essen. Das Kartellamt bezeichnet beide zuvor explizit als die „einzigen verbliebenen landesweit tätigen Warenhauskonzerne“ Deutschlands. Damit entsteht der heute letzte große, bundesweit präsente Warenhauskonzern des Landes mit damals noch 32.000 Beschäftigten.
Die Fusion gilt als Chance gegen die wachsende Online-Konkurrenz. Karstadt-Chef Stephan Fanderl führt das neue Unternehmen. Die erhofften Synergien bleiben aber aus. Benko übernimmt unterdessen die alleinige Kontrolle über Galeria Karstadt Kaufhof. Hudson’s Bay steigt aus dem operativen Geschäft aus.
2020: Erste Insolvenz von Galeria
Galeria meldet im Zuge der Coronapandemie und der Lockdowns Insolvenz an. Von den rund 170 Filialen werden 40 geschlossen, rund 4000 Stellen fallen weg. Vorstandschef wird Miguel Müllenbach. Der Konzern durchläuft ein Schutzschirmverfahren und saniert sich in Eigenverwaltung.
2021: Galeria bekommt Staatskredit
Nach einem weiteren Corona-Lockdown mit behördlich verordneten Filialschließungen erhält das Unternehmen einen Staatskredit von 460 Millionen Euro. Onlinehändler wie Amazon und Zalando profitieren von der Krise.
2022: Zweite Insolvenz von Galeria
Nur rund zwei Jahre später folgt die insgesamt dritte Insolvenz – und die zweite für Galeria. Der Konzern erhält von der Bundesregierung weitere 220 Millionen Euro Staatshilfe. Doch die Konsumstimmung hellt sich wegen der hohen Inflation nicht auf. Das Unternehmen nimmt einen zweiten Anlauf zu einem Schutzschirmverfahren und will mindestens ein Drittel seiner 131 Filialen aufgeben. Der staatliche Rettungsfonds WSF muss einen großen Teil der 680 Millionen Euro an Hilfsgeldern abschreiben.
2023: Olivier Van den Bossche wird Vorstandschef
Olivier Van den Bossche löst Müllenbach als Vorstandschef ab. Die Gläubiger billigen einen Sanierungsplan mit der Schließung von 47 der 129 Warenhäuser. Zugleich gerät Eigentümer Signa wegen steigender Zinsen und hoher Refinanzierungskosten selbst in die Krise.
2024: Dritte Insolvenz von Galeria
Eigentümer Signa gerät 2023/24 selbst in die Insolvenz, René Benko verliert seinen Einfluss auf Galeria vollständig. Nach der Signa-Pleite muss auch Galeria erneut Insolvenz anmelden. Nach der Schließung von 16 weiteren Häusern verlässt Galeria mit 83 Filialen und rund 12.000 Beschäftigten das Insolvenzverfahren.
2025: Schwarze Zahlen und neuer Firmenname
Die neuen Eigentümer ziehen eine erste positive Bilanz. Nach Angaben von Miteigentümer Bernd Beetz schreiben alle 83 verbliebenen Filialen schwarze Zahlen. Kaufhof und Karstadt sind inzwischen aus dem Firmennamen verschwunden, das Unternehmen tritt nur noch unter der Marke Galeria auf.
2. Oktober 2026: Vierte Insolvenz von Galeria
Galeria sichert sich zunächst mit einer Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro eine Finanzierung bis 2029. Doch rund läuft es nicht. Im Juli stellt der Konzern 33 seiner 83 Warenhäuser auf den Prüfstand. Im Oktober beantragt Galeria zum vierten Mal binnen sechs Jahren Insolvenz. Rund 12.000 Beschäftigte müssen erneut um ihre Zukunft bangen.
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Erneute Schließungswelle von Filialen
Very likely · Within months

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