
An den Börsen schwindet das Vertrauen in den KI-Trade. Tech-Aktien fallen, und auch Gold gerät massiv unter Druck – getrieben von Zwangsverkäufen und steigenden Ölpreisen.
AI-generated summary
Sinkende Aktienkurse führen zu Margin Calls, die Anleger zum Verkauf von Gold zwingen. Gleichzeitig treiben steigende Ölpreise die Inflation und belasten den Edelmetallpreis.
An den Börsen ist die Vorsicht zurück. Sorgen um den KI-Trade haben Investoren vor dem Wochenende vor allem Tech-Aktien verkaufen lassen. Als sichere Alternative gefragt waren stattdessen US‑Staatsanleihen. Die Rendite zehnjähriger Treasuries fiel am Donnerstag unter die Marke von fünf Prozent und nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr an einem Tag.
Gold, das eigentlich auch als sogenannter sicherer Hafen gilt, konnte von dem Stimmungswechsel indes nicht profitieren. Stattdessen sackte der Preis für das Edelmetall sogar kurzzeitig unter die Marke von 4000 Dollar je Feinunze ab. Damit setzt sich die Gold-Korrektur fort. Zwei Gründe erklären derzeit die Preisbewegung.
In den vergangenen Monaten haben vor allem steigende Zinserwartungen und ein stärkerer Dollar den Goldpreis gedrückt. Das Edelmetall wirft selbst keine Zinsen ab und ist damit relativ unattraktiver geworden. Seit dem Höchststand Ende Januar hat Gold 28 Prozent an Wert verloren.
Nun profitiert das Edelmetall nicht einmal mehr von der Suche nach Sicherheit. Zum einen dürfte das daran liegen, dass Investoren Gold wegen der Verluste am Aktienmarkt verkauft haben, wie Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch vermutet. „Wahrscheinlich haben Zwangsverkäufe den Preisrutsch ausgelöst, weil Anleger Verluste bei Aktien kompensieren oder Sicherheitsanforderungen erfüllen mussten (Margin Calls)“, schreibt Fritsch in einer aktuellen Analyse.
Bei sogenannten Margin Calls verlangen Broker bei sinkenden Kursen zusätzliche Sicherheiten für kreditfinanzierte Käufe. Um frisches Geld nachzuschießen, müssen Investoren in solchen Fällen unter Umständen andere Anlageklassen verkaufen. Auch Christoph Müller, Analyst bei der DZ-Bank, weist auf einen solchen Zusammenhang hin: „Weiter gestiegene Rohölpreise und ein globaler Abverkauf von Tech- bzw. KI-getriebenen Aktienwerten haben Anleger dazu veranlasst, ihre Goldpositionen zu liquidieren, um ihre in riskanten Assets erlittenen Kursverluste abzufedern“, schreibt Müller.
Zum anderen hängt die Entwicklung des Goldpreises laut der Bank of America (BofA) aktuell stark vom Ölpreis ab. Ein Ölpreisanstieg sei „das größte kurzfristige Risiko“ für Gold, wie es in einer Ende September veröffentlichten Analyse heißt.
Seit Ende August haben sich der Goldpreis und der Ölpreis laut Daten der Bank of America tendenziell in gegensätzliche Richtungen bewegt. Steigende Ölpreise treiben die Inflation und setzen Zentralbanken unter Druck, die Leitzinsen zu erhöhen. Für die US-Notenbank Fed sind die Zinserwartungen zum Ende der Woche zwar gesunken. Trotzdem werden an den Terminmärkten für die kommenden zwölf Monate noch immer knapp drei Zinsschritte eingepreist.
Allein seit Oktober ist der Preis für ein Barrel der Rohölsorte Brent um zehn Prozent auf aktuell 114 Dollar gestiegen. Sollte der Preis angesichts anhaltender Spannungen im Nahen Osten auf 150 Dollar steigen, könnte der Goldpreis im kommenden Jahr laut BofA-Prognose auf durchschnittlich 3500 Dollar fallen. Die Analysten betonen jedoch, dass das nicht das Basisszenario sei.
Das zeigt: Für Gold kommt es jetzt auf den Ölpreis an. Umgekehrt könnte eine Entspannung der Lage im Nahen Osten den Preis des Edelmetalls aber auch stützen. Eine Korrektur der Zinserwartungen an die Fed dürfte etwa laut Commerzbank „den Weg für höhere Goldpreise freimachen“.
AI outlook — possibilities, not facts
Goldpreis könnte bei Ölpreis von 150 Dollar auf durchschnittlich 3500 Dollar fallen
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