
Das KI-Unternehmen Anthropic plant den Börsengang. Da Privatanleger keine direkten Aktien kaufen können, gibt es indirekte Wege über Tech-Konzerne, Investmentfonds oder Derivate.
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Anthropic hat Ende Oktober seinen Börsenprospekt eingereicht. Das Unternehmen ist für das KI-Modell Claude bekannt.
Frankfurt. Mit Anthropic könnte noch in diesem Jahr das erste große KI-Start-up an die Börse gehen. Das US-Unternehmen, das vor allem für das Modell Claude bekannt ist, hat Ende Oktober seinen lange erwarteten Börsenprospekt eingereicht. Für die Erstnotiz (IPO) wird eine ähnlich hohe Bewertung erwartet wie beim Raumfahrtunternehmen SpaceX im Juni – damals knapp 1,8 Billionen Dollar.
Anleger können schon vorab indirekt in Anthropic investieren oder auf den Erfolg des Börsengangs setzen. Das Handelsblatt stellt drei Optionen vor – und erklärt deren Grenzen.
Die Aktien privat gehaltener Unternehmen können Anleger in Deutschland in der Regel nicht ohne Weiteres kaufen. Laut Anthropic dürfen Aktien nur mit Zustimmung des Unternehmens verkauft werden. Ein direkter Einstieg für Anleger ist sonst wohl erst mit dem Börsengang möglich. Wer vorab dennoch auf Anthropic-Aktien setzen will, kann indirekte Optionen prüfen.
Eine Option sind Aktien von börsengehandelten Unternehmen, die an Anthropic beteiligt sind. Dazu zählen zwei große Tech-Konzerne: Amazon und der Google-Mutterkonzern Alphabet.
Amazon und Google haben in den vergangenen Jahren jeweils mehrere Milliarden Dollar in Anthropic investiert. Nach Berechnungen des Finanzdiensts Bloomberg hielt Amazon zuletzt einen wirtschaftlichen Anteil von etwa neun Prozent an dem KI‑Unternehmen. Hinzu kommen weitere Instrumente, die in Aktien umgewandelt werden können. Den Anteil von Google schätzt Bloomberg auf aktuell mindestens knapp sieben Prozent.
Solche Beteiligungen wirkten sich zuletzt bereits spürbar auf die Gewinne der beiden Tech-Konzerne aus. Kleinere Minderheitsbeteiligungen an nicht börsengehandelten Unternehmen werden in den USA mit der neuesten Finanzierungsrunde bilanziert.
Steigt Anthropics Bewertung mit dem IPO und im folgenden Börsenhandel, würde das auch den Wert der Beteiligungen von Amazon und Google erhöhen. Die Aktien der Konzerne sind für Anleger leicht über die Börse handelbar.
Stephan Kemper, Anlagestratege beim Vermögensverwalter BNP Paribas Wealth Management, hält die Aktien von Amazon und Alphabet trotzdem nicht für geeignet, um auf Anthropic zu setzen. Im Verhältnis zum Börsenwert der beiden Tech-Konzerne verschwinde der verbleibende IPO-Bewertungseffekt „fast vollständig im täglichen Marktrauschen“, meint Kemper. Amazon kommt aktuell auf eine Marktkapitalisierung von 2,6 Billionen Dollar, bei Alphabet sind es 3,4 Billionen Dollar.
Kleinere Frühinvestoren könnten laut Kemper stärker von einer Aufwertung ihrer Anthropic-Beteiligung profitieren. Er nennt den südkoreanischen Mobilfunkanbieter SK Telecom und das US-Softwareunternehmen Zoom. Beide Unternehmen haben früh in Anthropic investiert und halten inzwischen milliardenschwere Beteiligungen, sind aber selbst nicht so wertvoll wie Amazon und Alphabet.
Auch in diesen Fällen dürfte das operative Kerngeschäft für die Kursentwicklung aber weiterhin der treibende Faktor sein, erklärt Kemper. Zudem würden solche passiven Aktienpakete an der Börse erfahrungsgemäß mit einem Abschlag bewertet. Kempers Fazit: „Als reine Spekulation auf den einmaligen Bewertungssprung beim Börsengang ist der Umweg über Großaktionäre für Privatanleger daher wenig Erfolg versprechend.“
Eine zweite Option, indirekt in Anthropic zu investieren, sind Privatmarktfonds. Ein Beispiel ist der Scottish Mortgage Investment Trust (ISIN: GB00BLDYK618) des Fondsmanagers Baillie Gifford. Der etwa 19 Milliarden Pfund (22 Milliarden Euro) große Trust investiert auch in private Unternehmen. Die Fondsanteile selbst werden an der Börse gehandelt. Nach Unternehmensangaben darf der Fonds in Deutschland an professionelle Anleger mit ausreichend Erfahrung und Budget vertrieben werden.
Anthropic kam im Trust Ende September auf einen Portfolioanteil von vier Prozent. Damit ist das Gewicht des Start-ups eher klein.
Auf einen größeren Portfolioanteil kommt die in New York gelistete Investmentgesellschaft Destiny Tech100 (ISIN: US25063F1075). Anthropic war Ende Juni nach Unternehmensangaben mit einem Anteil von 14 Prozent die größte Portfolioposition des geschlossenen Fonds.
Allerdings wurde die Anthropic-Position laut dem Unternehmen durch eine Zweckgesellschaft, ein sogenanntes Special Purpose Vehicle (SPV), erworben. Anthropic sieht Aktientransaktionen an SPVs nach eigenen Angaben grundsätzlich als nichtig an und verweist auf eigene Transferbeschränkungen. Was das für die Portfolioposition bedeutet, ist unklar. Destiny Tech100 reagierte auf eine Handelsblatt-Anfrage zunächst nicht.
Die Börsenkurse solcher Vehikel können zudem stark schwanken und deutlich vom eigentlichen Wert des Portfolios abweichen. Die Anteile des Baillie-Gifford-Trusts werden laut der Analyseplattform Morningstar derzeit mit einem Abschlag von acht Prozent zum Nettoportfoliowert gehandelt.
Anleger aus Deutschland können sich zudem sogenannte European Long-Term Investment Funds, kurz Eltifs, anschauen. Das sind langfristige Fonds, die auch Kleinanlegern Zugang zu Investments abseits der Börse verschaffen sollen.
Der beim Neobroker Scalable Capital handelbare Private-Equity-Eltif von Blackrock ist nach Unternehmensangaben beispielsweise in Anthropic investiert. Anteile können allerdings nur zu monatlichen Stichtagen und damit womöglich erst nach dem Anthropic-Börsengang gezeichnet werden.
Allerdings gilt zu beachten: Eltifs sind auf Anleger ausgelegt, die mehrere Jahre investieren wollen. Zudem fallen bei Privatmarktfonds häufig hohe Verwaltungsgebühren an.
Eine dritte Option sind sogenannte Perpetual Futures (Perps) und Produkte, die auf diesen Instrumenten basieren. Mit dem „21shares Anthropic Synthetic ETP“ (ISIN: CH1606386675) können Anleger seit Anfang Oktober auf den Anthropic-IPO setzen. Dabei handelt es sich um ein börsengehandeltes Produkt (ETP), das die vom Markt eingepreiste Bewertung von Anthropic schon vor der Erstnotiz abbilden soll.
Perpetual Futures sind Derivate, mit denen Anleger auf die Kursentwicklung eines Vermögenswerts spekulieren können. Anders als Terminkontrakte haben sie kein Verfallsdatum, und der zugehörige Vermögenswert, etwa Aktien, Öl oder Bitcoin, wechselt nie tatsächlich den Besitzer. Damit der Kurs eines Perps nicht vom tatsächlichen Marktpreis abweicht, gibt es einen Referenzwert und Ausgleichszahlungen bei Abweichungen.
Bei dem ETP tauchen also nie tatsächlich Anthropic-Aktien im Portfolio auf. Für den Referenzwert der verwendeten Perps werden vor dem IPO Krypto-Transaktionsdaten genutzt. Nach dem IPO soll dafür der Börsenpreis genutzt werden. Auch auf der Kryptoplattform Hyperliquid werden Anthropic-Perps gehandelt.
Perps sind komplex, hochriskant und umstritten. Der Perps-Markt sei klein, und der Kurs könne deutlich vom späteren Ausgabepreis abweichen, warnt die Plattform ExtraETF mit Blick auf das neue ETP. Zudem gebe es ein Gegenparteirisiko – also ein Risiko, dass etwa der Emittent der genutzten Derivate ausfällt. Bis Ende Oktober hat der Anthropic-ETP 18 Prozent an Wert verloren.
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Börsengang von Anthropic noch in diesem Jahr
Possible · Within months

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