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Geopolitische Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei
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Handelsblatt1 hour agoWorld4 min readGermanyView translation

Geopolitische Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei

Rüstungskooperation, Stromkabel-Projekt und Seegebietsansprüche lassen die Entspannung im östlichen Mittelmeer enden.

Quick Look

  • Die Entspannung zwischen Griechenland und der Türkei ist vorbei.
  • Grund sind Rüstungsdeals Athens mit Israel, das geplante Energieprojekt Great Sea Interconnector und anhaltende Streitigkeiten um Seegebiete.

AI-generated summary

Why It Matters

Nach dem Besuch von Präsident Erdogan in Athen Ende 2023 gab es eine Phase der Entspannung zwischen Griechenland und der Türkei.

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Athen. Ein Stromkabel, Kriegsschiffe und ein israelisches Luftabwehrsystem: Was auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun hat, fügt sich im östlichen Mittelmeer zu einem gefährlichen geopolitischen Puzzle.

Griechenland und die Türkei, beides Nato-Mitglieder, überziehen sich wieder mit Vorwürfen. Die Phase der Entspannung, die nach dem Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Athen Ende 2023 begonnen hatte, ist vorbei.

Was die Türkei besonders beunruhigt, ist der Schulterschluss Griechenlands mit Israel – einem Land, das der türkische Staatschef immer wieder als „Terrorstaat“ geißelt. Ende August vereinbarten die Regierungen in Athen und Jerusalem ein milliardenschweres Rüstungsprogramm. Israel soll Griechenland mit einem mehrschichtigen Luftverteidigungssystem gegen Flugzeuge, Raketen und Drohnen ausstatten. Das Projekt heißt „Schild des Achilles“.

Aus Sicht Athens dient es der Abschreckung. Für Ankara sieht es nach Einkreisung aus – zumal nun auch die Republik Zypern, deren Nordteil die Türkei seit 1974 militärisch besetzt hält, moderne Waffensysteme aus Israel bezieht.

Die Kooperation zwischen Griechenland, Israel und Zypern reicht über Waffenlieferungen und gemeinsame Militärmanöver hinaus. Für zusätzliche Spannungen sorgt ein geplantes Stromkabel im östlichen Mittelmeer. Der Great Sea Interconnector (GSI) soll die Stromnetze der drei Länder verbinden. Die EU will das strategisch wichtige Energieprojekt mit 658 Millionen Euro fördern.

Doch die Türkei legt sich quer. Das Kabel soll durch ein Seegebiet führen, das die Türkei als eigene Wirtschaftszone beansprucht. Die Leitung dürfe deshalb nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Türkei verlegt werden, argumentiert die Regierung in Ankara. Griechenland und Zypern weisen die türkischen Gebietsansprüche zurück. Eine türkische Genehmigung sei nicht erforderlich.

Der Streit ist nicht neu. Als im Sommer 2024 das italienische Forschungsschiff „Ievoli Relume“ im Auftrag des griechischen Stromnetzbetreibers IPTO südlich der Insel Kasos Vermessungsarbeiten durchführte, kreuzte die Türkei mit fünf Kriegsschiffen auf.

Griechenland reagierte mit der Entsendung einer Fregatte sowie Patrouillenbooten der Küstenwache. 40 Stunden lang lagen sich die Schiffe der beiden Nato-Partner gefechtsbereit gegenüber. Dann zog sich die „Ievoli Relume“ zurück.

Die Episode zeigte, wie schnell ein Infrastrukturprojekt zu einer militärischen Konfrontation führen kann. In den nächsten Wochen könnte eine Neuauflage der Krise drohen: Das GSI-Konsortium will die Vermessungsarbeiten in den umstrittenen Seegebieten in Kürze wieder aufnehmen. Mehrheitsaktionär des Kabelprojekts ist inzwischen der französische Infrastrukturinvestor Meridiam. Damit kommt bei der Kontroverse um die Kabeltrasse nun auch Frankreich politisch ins Spiel.

Je mehr Akteure beteiligt sind, desto komplizierter wird die Lage. Griechenland hat in den vergangenen Monaten Israel, Zypern und Frankreich immer enger in seine Sicherheits- und Energiepolitik eingebunden. Verteidigungsminister Nikos Dendias will bis 2036 rund 30 Milliarden Euro in neue Waffensysteme investieren: Fregatten, U-Boote, Tarnkappenjets und Drohnen. Neben den USA und Israel gehört Frankreich zu den wichtigen Lieferanten.

Der türkische Außenminister Hakan Fidan wirft Griechenland, Zypern und Israel vor, eine „Allianz gegen die Türkei“ zu bilden. Die immer engere militärische Zusammenarbeit mit Israel betrachtet man in Ankara vor dem Hintergrund der türkisch-israelischen Konfrontation in Syrien als besonders bedrohlich.

Das gilt vor allem für die geplante Stationierung israelischer Waffensysteme auf den griechischen Ägäisinseln. Griechenland plant dort im Rahmen des Programms „Schild des Achilles“ die Installation mobiler Luftabwehr- und Raketenwerfersysteme der israelischen Typen Spyder, Barak MX, David’s Sling und Puls.

Sie sollen Flugzeuge, Marschflugkörper, Drohnen und Artilleriegeschosse abwehren. Die vor der türkischen Küste gelegenen griechischen Inseln würden damit zu israelischen Vorposten, so die Befürchtung in Ankara.

Auf den Inseln Rhodos und Lesbos arbeitet das griechische Militär außerdem am Aufbau von Drohnenbasen. Außenminister Fidan sieht in der Aufrüstung der griechischen Inseln eine „Sicherheitsbedrohung“ für sein Land. Aus Sicht der Türkei verstößt Griechenland damit gegen die Verträge von Lausanne (1923) und den Pariser Friedensvertrag von 1947. Sie beschränken die militärische Nutzung bestimmter griechischer Ägäisinseln.

Athen verweist auf sein in der UN-Charta garantiertes Recht zur Selbstverteidigung. Zusätzlich verschärft nun die türkische Doktrin der „Blauen Heimat“ den Konflikt. Sie definiert weitreichende türkische Gebietsansprüche in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer. Die türkische Regierung arbeitet an einem Gesetz, das die Doktrin in türkisches Recht überführen soll. Der Gesetzentwurf könnte in diesem Monat dem Parlament in Ankara vorgelegt werden.

Damit kommt aus Sicht der Regierung in Athen auch die Frage der griechischen Hoheitsgewässer wieder auf die Tagesordnung. Griechenland beansprucht derzeit in der Ägäis eine Sechsmeilenzone, behält sich aber unter Berufung auf die UN-Seerechtskonvention eine Ausdehnung auf zwölf Meilen vor.

Das Thema ist brisant: Im Raum steht ein Beschluss des türkischen Parlaments aus dem Jahr 1995, wonach die Türkei eine Ausweitung der griechischen Hoheitsgewässer als „Casus Belli“ (Kriegsgrund) betrachtet.

Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis warnte Ende September vor der UN-Generalversammlung vor „einseitigen Aktionen und Kriegsdrohungen“. Sein Land wolle den Dialog fortsetzen, allerdings auf Grundlage des internationalen Rechts. Erdogan gab sich vor dem Forum unerwartet versöhnlich: Er betonte, die Türkei sei „kein Feind“ Griechenlands, sondern Nachbar und Nato-Verbündeter.

Westliche Diplomaten in Athen und Ankara sind sich einig: Einen offenen Krieg will keine der beiden Regierungen riskieren. Die größere Gefahr ist eine akute Krise, die außer Kontrolle gerät – etwa wenn ein türkisches Kriegsschiff ein Forschungsschiff abdrängt oder Kampfflugzeuge über der Ägäis gefährlich aneinandergeraten. Daraus könnte schnell eine Konfrontation werden, die schwer zu beherrschen ist.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • GSI-Konsortium nimmt Vermessungsarbeiten in umstrittenen Seegebieten wieder auf

    Likely · Within weeks

Open Questions

  • Wann wird das GSI-Konsortium die Vermessungsarbeiten wieder aufnehmen?
  • Wie wird die Türkei auf die Stationierung israelischer Waffensysteme reagieren?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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