
Die Initiative prämiert digitale Lösungen in der Gesundheitsversorgung, darunter KI-gestützte Arztbriefe und Symptommonitoring bei Brustkrebs.
AI-generated summary
Der Health-i-Award wird seit 2016 vom Handelsblatt und der Techniker Krankenkasse verliehen, um digitale Innovationen im deutschen Gesundheitssystem zu fördern.
Hamburg. Sicherere Überwachung von Brustkrebs, bessere Behandlung von Schlaganfällen, einfachere Erstellung von Arztbriefen per KI: Für diese Innovationen haben das Handelsblatt und die Techniker Krankenkasse (TK) drei Start-ups mit dem „Health-i-Award“ ausgezeichnet.
Seit 2016 kürt die Initiative Vordenker, die mit digitalen Innovationen das deutsche Gesundheitssystem entlasten und die Versorgung der Menschen verbessern wollen. Die Sieger in diesem Jahr heißen myScribe, Catmedica und Ida.
„Ich kenne keinen Award, der so eine Bandbreite an Start-ups mit unterschiedlichen Ansätzen anzieht“, sagte TK-Chef Jens Baas bei der Preisverleihung am Donnerstagabend in Hamburg. Viele der Innovationen bisheriger Preisträger seien inzwischen tatsächlich in der Versorgung angekommen und sparten enorme Kosten. Baas lobte aber das aktuelle Teilnehmerfeld: Die Qualität der Bewerbungen habe im Vergleich zu den Vorjahren noch einmal deutlich zugelegt.
Kirsten Ludowig, stellvertretende Chefredakteurin des Handelsblatts, betonte die Bedeutung des Awards für die Sichtbarkeit der Start-ups: „Wir müssen sichtbar machen, wo neue Ansätze einen Unterschied machen, und ihre Implementierung fördern.“
Ariel Dora Stern, Professorin für Digitale Gesundheit, Ökonomie und Politik am Hasso-Plattner-Institut, begleitet den Award und die Auswahl der Preisträger mit ihrem Team als wissenschaftliche Partnerin. Ihr Fazit: „Evidenz ist sexy.“ Eine gute Idee reiche im Gesundheitssystem heute nicht mehr aus. „Inzwischen will man einfach mehr Daten sehen als vor fünf Jahren“, sagt sie.
Im elften Jahr des Awards bewertete die Jury wieder viele digitale Ansätze, die das Gesundheitswesen besser und effizienter machen sollen. Kriterien waren Neuartigkeit, Skalierbarkeit, Patientennutzen und ein funktionierendes Geschäftsmodell. Das zeichnet die diesjährigen Preisträger und ihre Ansätze aus.
Dritter Platz: myScribe
Der erste KI-generierte Arztbrief Deutschlands ist bereits in 16 Kliniken im Einsatz. Gegründet haben das Mannheimer Start-up die Ärztin Ira Stoll und ihr Ehemann, der Softwareentwickler Lars Stoll. Die Idee entstand während ihrer Arbeit an der Uniklinik Heidelberg.
Ärzte verbringen täglich Stunden mit dem Schreiben von Arztbriefen, weil klinische Daten in dutzenden Systemen und Formaten verteilt liegen. Ira Stoll hat ihren Job aufgegeben, um das Problem der Bürokratie im klinischen Alltag zu lösen. Mit der myScribe App werden Arztbriefe auf Knopfdruck aus bestehenden Daten generiert. Ärztinnen und Ärzte sparen sich so täglich zwei bis drei Stunden Zeit.
Die Jury überzeugte die Kombination aus medizinischem Verständnis, technologischer Kompetenz und echter Umsetzungskraft.
Zweiter Platz: Catmedica
Mit dem patentierten Produkt Seal & Protect will das Mainzer Medtech-Start-up, an dem die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz beteiligt ist, die Schlaganfallbehandlung grundlegend verbessern. Ziel ist es, Blutgerinnsel beim ersten Versuch möglichst vollständig zu entfernen, sagt die Neuroradiologin Yasemin Tanyildizi. Der Prototyp steckt aktuell in der achten Version, der Markteintritt könnte ab 2031 erfolgen. Klinische Studien am Menschen stehen noch aus.
Jeder vierte Mensch in Deutschland erleidet im Laufe des Lebens einen Schlaganfall. Die Jury war beeindruckt vom innovationsfähigen Hardware-Produkt und vom hohen Potenzial in der Versorgung – und das ganz ohne KI.
Erster Platz: Ida
Das Start-up Ida von den Ärztinnen Maria Karsten und Therese Pross hat ein digitales Symptommonitoring für Patientinnen mit Brustkrebs entwickelt. Einmal pro Woche beantworten sie in der App Fragen zu Symptomen. Der Algorithmus erkennt derweil in Echtzeit, wenn sich der Zustand kritisch verschlechtert, und informiert direkt das Behandlungsteam.
Brustkrebs-Patientinnen sehen ihr Behandlungsteam im Schnitt alle vier bis sechs Wochen. Dazwischen sind sie auf sich allein gestellt. Symptome bleiben oft unbemerkt, und es kommt zu ungeplanten Notfallbehandlungen. Jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs.
Hier setzt die Ausgründung der Charité-Klinik an. „Die onkologische Versorgung in Deutschland wird mit Ida proaktiv, nicht mehr reaktiv“, sagt die Ärztin und Gründerin Karsten. Das wichtigste Feedback für das Team: Die App gibt den Frauen viel Halt. „Die Not ist so groß und wird immer größer“, sagt Karsten.
Bei fast 900 Patientinnen in mehr als 50 deutschen Zentren verbesserte Ida die Symptomkontrolle und die Lebensqualität um 29 Prozent, bei gleichzeitiger Kosteneinsparung.
Die Jury war vor allem von der evidenzbasierten Lösung beeindruckt, die eine offensichtliche Lücke im Gesundheitssystem schließt, und von den überzeugenden Gründerinnen.
AI outlook — possibilities, not facts
Markteintritt von Catmedica ab 2031 möglich.
Possible · Within years
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