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Hamburgs „Grüner Kompass 2035+“ will Grünflächen gezielter verteilen
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Die Welt1 hour agoEnvironment3 min readGermanyView translation

Hamburgs „Grüner Kompass 2035+“ will Grünflächen gezielter verteilen

Quick Look

  • Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank hat den „Grünen Kompass 2035+“ vorgestellt, ein Fachkonzept zur gezielteren Freiraumentwicklung.
  • Es ersetzt die reine Quantität öffentlicher Grünflächen durch ortsspezifische Lösungen wie Schatten, Versickerung und Aufenthaltsqualität.
  • Ziel sind 13 m² pro Einwohner, 30 % Baumkronenanteil und maximal 300 Meter zu Grünflächen.

AI-generated summary

Why It Matters

Hamburg hat derzeit 14,3 Quadratmeter öffentliche Grünfläche pro Einwohner und erreicht damit das selbst gesetzte Ziel von 13 Quadratmetern. Der Senat hat den „Grünen Kompass 2035+“ als neues Fachkonzept vorgestellt, um eine gezieltere Freiraumentwicklung zu ermöglichen.

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Hamburg gilt für eine Großstadt als besonders grün. Rechnerisch kommt die Hansestadt auf 14,3 Quadratmeter öffentliche Grünfläche je Einwohner. Das selbst gesetzte Ziel des Senats liegt bei 13 Quadratmetern. Doch wer in einem dicht bebauten Quartier wohnt, merkt im Sommer schnell: Entscheidend ist nicht, wie viel Grün eine Stadt insgesamt hat. Denn Bäume im Alten Land oder im Stadtpark kühlen keine aufgeheizte Straße in Eimsbüttel oder Altona. Und die Versickerungsflächen im Nachbarstadtteil verhindern keine Überschwemmung vor der eigenen Haustür. Der „Grüne Kompass 2035+“, ein neues Fachkonzept der Umweltbehörde, will genau das ändern.

Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) hat das Konzept gerade vorgestellt. Sie nannte dabei Hamburgs grüne Freiräume einen „zentralen Hebel für die Zukunftsfähigkeit der Stadt“. „Hamburg zeichnet sich wie kaum eine andere Großstadt durch die vielen grünen Freiräume inmitten einer belebten Metropole aus – das ist schon vor über hundert Jahren in der Stadtplanung zentral gewesen und soll es auch bleiben“, sagte sie. Mit dem neuen Fachkonzept habe man „die fachliche Grundlage für eine koordinierte und zielgerichtete Freiraumentwicklung für das kommende Jahrzehnt geschaffen“. Es diene, so Fegebank, „als strategischer Wegweiser“, damit Hamburg eine grüne Stadt bleibe.

Der Grüne Kompass will dabei helfen, dass Stadtplaner einen anderen Blick auf die Stadt werfen als in vergangenen Jahrzehnten. Entstanden ist er in Zusammenarbeit von Behörden, dem Berliner Planungsbüro urban catalyst und der Landschaftsarchitektin Antje Stokman. Bisher stand in der Hansestadt primär die Frage im Vordergrund, wie viel Grün die Stadt insgesamt besitzt. Künftig soll stärker gefragt werden: Welches konkrete Problem gibt es an welchem Ort? Fehlt Schatten oder mangelt es an Orten, an denen Menschen im Alltag sitzen, spielen oder ihre Pause verbringen können? Kann Regenwasser vor Ort versickern? Finden Pflanzen und Tiere dort Nahrung und Rückzugsräume?

Die sogenannte Hamburg-Formel übersetzt diese Fragen in drei Richtwerte: 13, 30 und 300. 13 Quadratmeter für öffentliche Parkfläche pro Einwohner hat Hamburg bereits erreicht. Die Zahl dient künftig noch als Richtwert, dass die Stadt auch bei weiterem Wachstum nicht unter diese Schwelle fällt. Mindestens 30 Prozent des Stadtgebiets sollen langfristig von Baumkronen überspannt werden. Aktuell sind es 26,2 Prozent. Möglichst alle Hamburger sollen einen öffentlich zugänglichen Grünraum in höchstens 300 Metern Luftlinie erreichen können. Aktuell sind es immerhin 82 Prozent. Aber das bedeutet, dass etwa jeder fünfte Hamburger es weiter hat, bis er einen Grünzug erreicht.

Um die unterschiedlichen Probleme sichtbar zu machen, teilt der Kompass Hamburg in elf Lebenswelten ein. Beim „Geschäftigen Pflaster“ rund um Jungfernstieg, Mönckebergstraße, Rathausmarkt, Speicherstadt und Hafencity trifft Hamburgs repräsentative Seite auf ein handfestes Problem: Der Freiraum besteht vor allem aus Stein, Asphalt und betonierten Uferkanten. Im Sommer heizen sich die Flächen stark auf, Regenwasser kann kaum versickern. Gleichzeitig werden die Plätze vor allem zu Geschäftszeiten genutzt, abends und sonntags bleiben sie leer.

Die Fachleute schlagen deshalb nicht nur zusätzliche Bäume und begrünte Fassaden vor. Auch öffentlich zugängliche Dachgärten auf Kaufhäusern, Bürogebäuden oder Parkhäusern könnten neue Orte schaffen, an denen Menschen sitzen, spazieren oder ihre Freizeit verbringen. Die oft verbauten Kanäle und Fleete werden als Potenzial abseits der Gastronomie gesehen: Terrassen, schwimmende Plattformen oder andere Angebote am Wasser sollen die Ufer zugänglicher machen und zugleich Möglichkeiten schaffen, sich an einem kühleren Ort aufhalten zu können.

In den „Lebendigen Kiezen“ von Ottensen, St. Pauli, dem Schanzen- und Karolinenviertel oder rund um die Lange Reihe sieht die Situation anders aus. Hier fehlt weniger das Leben als der Platz. Die Straßen sind bereits heute die wichtigsten öffentlichen Räume. Cafés, Restaurants, Geschäfte und Anwohner konkurrieren um jeden Meter. Gleichzeitig gibt es wenig Grün und eine hohe Hitzebelastung. Das Konzept richtet den Blick deshalb auf die Straße selbst. Einzelne Stellplätze, überbreite Fahrbahnen oder andere versiegelte Flächen könnten Bäumen, Beeten und Sitzgelegenheiten weichen. Wo selbst dafür kein Platz bleibt, schlagen die Stadtplaner begrünte Fassaden vor. Auch zeitweise umgestaltete Straßenabschnitte oder von Anwohnern mitgestaltete Flächen spielen in den gezeichneten Zukunftsbildern eine Rolle.

Die „Grünen Quartiersinseln“ etwa in Eilbek oder Barmbek verfügen zwar bereits über Parks, Kanäle und einzelne Grünzüge. Nach Ansicht der Autoren des „Grünen Kompass“ reichen diese Angebote aber oft nicht aus, um den Bedarf dicht bebarter Viertel zu decken. Der Nutzungsdruck auf die wenigen Freiflächen steigt. Gleichzeitig sind viele Straßen weiterhin stark vom Autoverkehr geprägt. Parks sollen deshalb besser miteinander verbunden, Kanalufer aufgewertet und zusätzliche Grünflächen in Straßenräume hineingezogen werden. Wo möglich, sollen sogar neue „Straßenparks“ entstehen. Schulhöfe könnten stärker für alle Bewohner geöffnet werden.

Im „Ruhigen Gartenmosaik“ von Duvenstedt, Rissen oder Niendorf sind Platz und Grün vorhanden. Doch die Experten beklagen versiegelte Flächen, Schottergärten und eine geringe Artenvielfalt. Sie setzen hier auf mehr Bäume, Hecken und Blühpflanzen in Privatgärten, möglicherweise gemeinschaftlich nutzbare Gartenflächen und bessere Wege für Fußgänger und Radfahrer. Die Stadt soll private Gartenbesitzer für mehr Artenvielfalt bei ihrem Grün begeistern.

Die Großsiedlungen von Mümmelmannsberg, Steilshoop oder dem Osdorfer Born beschreiben die Experten als „Archipele auf grünem Teppich“. Zwischen den Hochhäusern gibt es zwar viel Grün. Häufig ist aber unklar, welche Flächen öffentlich sind und welche zu den Wohnanlagen gehören. Viele Wege enden zudem im Quartier, statt es mit der Umgebung zu verbinden. Klarere Strukturen, bessere Verbindungen und Treffpunkte sollen das ändern.

In den „Produktiven Clustern“ der Gewerbegebiete dominieren Hallen, Parkplätze und Asphaltflächen. Schatten und Aufenthaltsmöglichkeiten sind selten. Begrünte Dächer, mehr Bäume, Flächen für Regenwasser und neue Wegeverbindungen gehören deshalb zu den zentralen Vorschlägen.

Die „Rauen Hafenwelten“ am Hansahafen oder Reiherstieg sollen dagegen kein Naherholungsgebiet werden. Der Hafen bleibt Hafen. Vorgesehen sind vielmehr Aussichtspunkte, einzelne neue Zugänge ans Wasser und bessere Wege zwischen bereits zugänglichen Orten.

In den „Weiten Kulturlandschaften“ des Alten Landes und der Vier- und Marschlande geht es ebenfalls nicht um neue Parks. Landwirtschaft, Naturschutz und Erholung sollen stärker miteinander verbunden werden. Hofläden, Lernorte und Selbsterntegärten könnten die Landschaft für Besucher erlebbarer machen, ohne ihre eigentliche Funktion zu verändern.

Der Grüne Kompass beschreibt deshalb nicht vor allem neue Parkanlagen, sondern neue Aufgaben für bestehende Stadträume. Straßen sollen mehr Schatten bieten, Dächer grüner werden, Gewerbegebiete weniger Hitze speichern und Grünflächen besser erreichbar sein. Die großen Parks bleiben wichtig. Die Zukunftsthemen der Freiraumplanung sehen die Autoren jedoch an vielen Orten, die bislang kaum im Mittelpunkt standen.

Redakteurin Julia Witte genannt Vedder arbeitet in der Hamburg-Redaktion von WELT und WELT AM SONNTAG. Seit 2011 berichtet sie über Hamburger Politik. Einer ihrer Schwerpunkte ist die Umweltpolitik.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Hamburg wird die Baumkronenfläche von derzeit 26,2 Prozent auf mindestens 30 Prozent des Stadtgebiets erhöhen.

    Likely · Within years

  • Der Anteil Hamburger mit Zugang zu einem öffentlichen Grünraum innerhalb von 300 Metern Luftlinie wird von derzeit 82 Prozent auf nahezu 100 Prozent steigen.

    Likely · Within years

Open Questions

  • Wie wird die Finanzierung der vorgeschlagenen Maßnahmen wie Dachgärten und Straßenparks sichergestellt?
  • Welche rechtlichen Änderungen sind nötig, um private Gartenflächen für öffentliche Nutzung zu öffnen?
  • Wie wird die Erfolgskontrolle der elf Lebenswelten konkret durchgeführt?
  • Welche Rolle spielen Bürgerinitiativen bei der Umsetzung des Kompasses?

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This article was originally published by Die Welt.

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