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Härterer Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger: Worauf Top-Arbeitgeber jetzt achten
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Handelsblatt1 hour agoBusiness5 min readGermanyView translation

Härterer Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger: Worauf Top-Arbeitgeber jetzt achten

Künstliche Intelligenz und Spardruck verändern den Jobeinstieg. Eine Umfrage unter deutschen Großkonzernen zeigt, welche Kompetenzen Absolventen jetzt brauchen.

Quick Look

  • Der Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger ist stark angespannt.
  • Wegen Sparmaßnahmen und dem Vormarsch Künstlicher Intelligenz sinken die Einstiegschancen.
  • Handelsblatt hat große deutsche Unternehmen befragt, welche Soft Skills und KI-Kompetenzen Absolventen jetzt benötigen.

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Why It Matters

Der Anteil ausgeschriebener Einstiegsstellen ist gesunken, während gleichzeitig Künstliche Intelligenz klassische Anfängertätigkeiten übernimmt.

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Gerade Berufseinsteiger haben es auf dem Arbeitsmarkt schwer. Das Handelsblatt hat Recruiter aus großen Unternehmen in Deutschland gefragt, wo und wen sie aktuell einstellen.

Düsseldorf, Berlin. Die Zeit, in der sich Berufseinsteiger ihre Jobs mehrheitlich aussuchen konnten, ist vorbei. Das legte zuletzt etwa eine Auswertung des Jobportals Stepstone nahe. Demnach lag der Anteil der ausgeschriebenen Einstiegsstellen an allen zu besetzenden Jobs im vergangenen Jahr 42 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Zwar stieg diese Zahl zuletzt wieder leicht, insgesamt bleibt der Markt aber angespannt.

Das zeigt sich etwa in der Unternehmensberatung. Die Branche hat bislang jedes Jahr zahlreiche Hochschulabsolventen eingestellt. Einer aktuellen Umfrage zufolge wollen jedoch zwei Drittel der befragten Unternehmen künftig weniger von ihnen einstellen. Und auch in anderen Branchen wird der Berufseinstieg schwieriger. In einer LinkedIn-Umfrage unter 1000 Berufseinsteigern gab knapp ein Drittel der jungen Menschen an, derzeit Mühe bei der Jobsuche zu haben.

Neben dem Spardruck vieler Unternehmen ist ein Grund dafür die Künstliche Intelligenz. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) beobachtet, dass die Technologie zunehmend die Tätigkeiten übernimmt, die klassischerweise Berufsanfänger ausüben: Recherchieren, Präsentationen erstellen, Protokolle oder Textentwürfe schreiben.

Wer einen guten Job finden will, muss sich also mehr denn je hervorheben. Das Handelsblatt hat bei begehrten deutschen Arbeitgebern nachgefragt – darunter Unternehmen wie Celonis, Bosch, Rheinmetall und BCG –, was sie von Absolventen heute erwarten und wen sie aktuell einstellen.

1. Wie sich gute Bewerber von anderen abheben

Die Zahl der Bewerbungen, die Unternehmen derzeit erhalten, ist hoch. Wer sich durchsetzen will, sollte klar die eigenen Vorzüge benennen. „Individuelle Profile überzeugen mehr als standardisierte Bewerbungsunterlagen“, heißt es dazu von Bosch. Anschreiben oder Lebensläufe, die mit KI erkennbar stark überarbeitet wurden, hätten bei dem Autozulieferer keine Chance. Auch generische Anschreiben ohne persönliche Note führen laut Konzernangaben schnell zur Absage.

Im Zeitalter von KI legt Bosch bei Berufseinsteigern vor allem Wert auf „weiche“ Fähigkeiten wie Empathie, Menschenkenntnis, Kreativität, Neugier und Lernbereitschaft, ebenso wie auf Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Unter Beweis stellen können Bewerber solche Eigenschaften vor allem dadurch, dass sie gezielt von vergangenen Projekten berichten, in denen diese Eigenschaften ihnen zum Erfolg verholfen haben.

Auch bei der Commerzbank punkten Bewerber laut eigener Angabe aktuell vor allem mit Soft Skills wie Kundenorientierung, Eigenverantwortung und Teamfähigkeit. Die Strategieberatung BCG zählt Empathie zu den wichtigsten Kompetenzen von Berufseinsteigern. Darüber hinaus sollten Absolventen laut Carolin Eistert, Partnerin bei BCG und für das Recruiting in Zentraleuropa verantwortlich, im Bewerbungsprozess unter anderem ein ausgeprägtes Urteilsvermögen und eine hohe Lernfähigkeit unter Beweis stellen.

Hohe Lernbereitschaft nannten alle vom Handelsblatt befragten Unternehmen als wichtige Kernkompetenz von Berufseinsteigern. Ebenfalls gefragt sind kritisches Denken und ein ausgeprägtes Urteilsvermögen: Acht von zehn befragten Unternehmen zählen diese Fähigkeiten zu den wichtigsten Kompetenzen junger Bewerber.

Auch das Softwareunternehmen Celonis, das drittwertvollste Start-up Deutschlands, legt Wert auf Soft Skills. „KI übernimmt zunehmend einfache, repetitive Arbeitsschritte – also gerade jene Routinetätigkeiten, die sich klassischerweise gut für den Einstieg in ein Aufgabenfeld eignen“, sagt Markus Köhler, Vice President People & Culture bei Celonis. Beim Programmieren, Testen und Dokumentieren geht es deshalb immer stärker darum, KI gezielt anzuleiten, ihre Ergebnisse kritisch zu prüfen und zu validieren. „Gefragt sind dabei vor allem fachliches Urteilsvermögen – und gesunder Menschenverstand.“

2. KI-Skills: Das setzen Unternehmen voraus

Die Nachfrage nach dezidierten KI-Skills steigt in Deutschland. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Personalberatung Robert Half unter 500 Personalverantwortlichen. So erwartet knapp die Hälfte der Befragten, dass Mitarbeiter künftig neue technische oder KI-bezogene Kompetenzen mitbringen.

Doch wie viel davon müssen Berufseinsteiger bereits beherrschen, wenn sie ins Unternehmen eintreten? Das hängt stark vom Arbeitgeber und dem jeweiligen Einsatzbereich ab. Bei einem hoch spezialisierten Unternehmen wie Celonis etwa ist KI-Kompetenz in Bereichen wie der Softwareentwicklung inzwischen eine ähnlich wichtige Grundvoraussetzung wie Englischkenntnisse. Andere Unternehmen stellen – je nach Tätigkeitsfeld – geringere Anforderungen.

„Künstliche Intelligenz verändert derzeit weniger die Berufsbilder als die Anforderungen innerhalb vieler Funktionen“, heißt es etwa von BMW. Berufseinsteiger sollten die Technologie sinnvoll und verantwortungsvoll einsetzen können. Das sei wichtiger, als einzelne Anwendungen im Detail zu beherrschen.

Ähnlich schätzen es Unternehmen wie BCG, Bayer, L’Oréal, KPMG und die Adolf Würth GmbH & Co. KG ein, die größte Einzelgesellschaft der Würth-Gruppe, die das Handelsblatt befragt hat. Bei Würth müssen Berufseinsteiger beispielsweise lediglich Grundkenntnisse und erste Erfahrungen im Umgang mit KI mitbringen. „Coding-Skills erwarten wir nur für spezialisierte Positionen bei unserer Tech- und KI-Einheit BCG X“, sagt auch BCG-Partnerin Carolin Eistert.

Auch beim Rüstungskonzern Rheinmetall sollten alle Berufseinsteiger sicher mit gängigen KI-gestützten Recherchetools umgehen können. „In bestimmten Berufsfeldern erwarten wir zudem ein Grundverständnis für die Funktionsweise von Algorithmen sowie für Datenstrukturen und Datenmanagement“, sagt ein Unternehmenssprecher. Für Ingenieure seien außerdem erste Erfahrungen mit maschinellem Lernen und Automatisierungsprozessen von Vorteil.

3. In welchen Bereichen Unternehmen jetzt noch einstellen

Der Arbeitsmarkt ist vor allem für Hochschulabsolventen härter geworden. Laut einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit stieg die Zahl arbeitsloser Absolventen von 2019 bis 2026 um 93 Prozent. Enzo Weber analysiert am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), wie sich Digitalisierung und KI auf den Arbeitsmarkt auswirken. „Wir haben verschlechterte Bedingungen für Berufseinsteiger, gerade bei Akademikern. Das ist unübersehbar“, sagte er kürzlich in einem Interview mit dem Handelsblatt. Welche Bereiche bieten also noch gute Perspektiven für Jobanfänger?

Sehr gute Chancen haben Bewerber aktuell bei Rheinmetall. Das Unternehmen will die Belegschaft weltweit auf rund 70.000 Mitarbeiter steigern. „Besonders gefragt werden künftig Mitarbeiter sein, die KI mit technischer Expertise verbinden – etwa in Systems Engineering, Software und Robotik“, heißt es aus der Konzernzentrale. Gleichzeitig wachse der Bedarf an KI-Spezialisten, die sowohl die Entwicklung als auch die Programmierung und Integration dieser Systeme begleiten.

Auch Unternehmen wie Celonis, BCG und die Commerzbank investieren verstärkt in den Tech-Bereich. Bei BCG entfallen nach eigenen Angaben rund 40 Prozent des weltweiten Umsatzes auf Tech- und KI-Projekte. Entsprechend sucht die Beratung zunehmend Absolventinnen und Absolventen mit Interesse an Technologie. Celonis konzentriert sich bei Neueinstellungen derzeit vor allem auf Data Engineering und die Integration Künstlicher Intelligenz.

4. Wie Unternehmen die KI-Kenntnisse von Bewerbern prüfen

Beim Pharmakonzern Bayer werden Kandidaten je nach Aufgabenprofil zum Beispiel aufgefordert, zu erzählen, wie sie KI bislang eingesetzt und ihre Ergebnisse geprüft und verbessert haben. Bei Würth müssen Bewerber mit Verständnisfragen zu genutzten Tools oder auch mit einem Use Case rechnen. Je nach Position werden Bewerber auch nach Situationen gefragt, in denen sie bewusst auf KI verzichtet haben. „So erkennen wir, ob Bewerber ein Gespür für die Möglichkeiten und die Grenzen der Technologie haben“, heißt es vom Unternehmen.

Bei BCG gibt es in jedem Bewerbungsprozess einen sogenannten „AI Real Life Case“. Dabei handelt es sich um ein Interviewformat. Anhand von Situationen aus dem Berateralltag sollen Bewerber zeigen, ob sie Ergebnisse von KI kritisch hinterfragen und einordnen können.

5. Expertentipps: So sichern sich Berufseinsteiger einen Job

Teddy Tewelde engagiert sich als Vorstandsmitglied der „Future Skills Alliance“ dafür, junge Menschen auf die Arbeitswelt der Zukunft vorzubereiten. „Die meisten Menschen werden vermutlich nicht durch AI ersetzt, sondern durch Menschen, die gelernt haben, AI besser zu nutzen“, sagt er.

Wichtig sei deshalb, dass junge Menschen bereit sind, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Tewelde sieht hier auch die Unternehmen in der Pflicht. Jetzt weniger Einsteiger einzustellen, sei kurzsichtig. „Ohne Juniorpositionen können Unternehmen auch keinen Senior bekommen.“

Andersherum gelte Tewelde zufolge aber auch für Beschäftigte: Durch KI wird Lernen zu einer Hauptanforderung. „Beschäftigte sollten sich ihr ganzes Leben lang als Berufsanfänger sehen.“ Auch wenn sie schon erfahrener sind.

Yasmin Weiß beschäftigt sich an der Technischen Hochschule Nürnberg mit den Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt. Sie rät Berufseinsteigern, sich zu sogenannten „AI Augmented Professionals“ zu entwickeln – zu Spitzenkräften, die bei ihren Aufgaben selbstverständlich auf Künstliche Intelligenz zurückgreifen.

Nur technisch gut mit KI umzugehen, reiche nicht: „Berufseinsteiger müssen auch extrem lern- und anpassungsfähig sein und sehr gut mit Menschen umgehen.“ Denn gerade das Menschliche – Wertschätzung zeigen, Vertrauen schenken und aufbauen können, Warmherzigkeit, Wohlwollen und einen starken Wertekompass zu besitzen – sei etwas, das KI nicht so schnell ersetzen könne.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Rheinmetall will die Belegschaft weltweit auf rund 70.000 Mitarbeiter steigern.

    Likely · Within months

Open Questions

  • Wie reagieren Bildungseinrichtungen langfristig auf die veränderten Anforderungen?
  • In welchem Maße werden Junior-Positionen dauerhaft durch KI wegrationalisiert?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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