
In Hürtgenwald brennen rund 300 Hektar Wald. Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg erschweren die Löscharbeiten erheblich.
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In Hürtgenwald wütet das schwerste Waldbrand in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen. Der Boden ist durch Munition aus dem Zweiten Weltkrieg belastet.
Glück hat Großhau gehabt, weil das Feuer, das am Donnerstag ausbrach, sich in die andere Richtung, zur Nachbarsiedlung Gey, voran gefressen hat. Deshalb musste Großhau nicht evakuiert werden, anders als Gey. Da haben Polizei und Feuerwehr die mehr als 2000 Bewohnerinnen und Bewohner in der Nacht zum Freitag aus dem Bett geklingelt. Sicherheitshalber. Auch ein Pflegeheim und ein Pferdegestüt wurden geräumt. Um vier Uhr morgens fiel die Entscheidung, bis acht Uhr war die Rettung abgeschlossen.
Am Samstagmorgen hieß es, der Waldbrand habe sich nicht weiter ausgebreitet. „Unsere Strategie für die Nacht ist aufgegangen“, sagte Kreisbrandmeister Karlheinz Eisnar der Nachrichtenagentur dpa. „Wir konnten die Flanken halten.“ Allerdings sei dies auch dem Wetter zu verdanken. Es sei kaum ein Wind gegangen. Die Flammen sind noch immer 150 bis 200 Meter von Gey entfernt, das Dorf gehört wie Großhau zu Hürtgenwald, einer Gemeinde mit 9000 Einwohnern nahe der belgischen Grenze. Der brennende Wald heißt genauso.
Die aus Gey in Sicherheit gebrachten Menschen kamen erst in einer Grundschule und einem Schützenheim in der Nähe unter. Viele fanden dann schnell Unterschlupf bei Freunden oder Verwandten, andere wurden in weiter entfernte Unterkünfte gebracht, weil die Belastung durch den Rauch zu viel wurde. Wolken zogen sogar bis ins 50 Kilometer östlich gelegene Bonn. Silke Gorißen, Landwirtschaftsministerin des Bundeslandes, nennt bei ihrem Besuch in Hürtgenwald die weithin sichtbaren Rauchsäulen „so ein bisschen apokalyptisch“.
Hürtgenwalds Bürgermeister Stephan Cranen ist als Krisenmanager im Dauereinsatz. Der parteilose 55-Jährige ist daher nur auf seinem Handy zu erreichen. „Es gab am Donnerstag schon zwei andere Brände, die aber nicht so schlimm waren“, sagt er. Als er am Nachmittag auf dem Weg zum zweiten war, habe er von dem dritten, größeren erfahren. „And gerade, als ich ins Bett gehen wollte, hat sich der Wind gedreht. Wir haben dann entschieden zu evakuieren.“ Zeit zum Schlafen habe er immer noch nicht gehabt.
Hürtgenwald gehört zum Landkreis Düren. Dessen Landrat Ralf Nolten sagt, gegen die Evakuierung habe es keinen Widerstand gegeben: „Wenn Sie die Feuerwand gesehen haben – die Bäume haben ja schon ihre Höhe und dann brennt es noch mal ein paar Meter über der Krone – wenn Sie das gesehen haben, dann gehen Sie schon und fangen nicht an zu diskutieren.“
Der Auslöser des Brands in der Nordeifel, einer beliebten Ausflugsregion und Teil eines Nationalparks, ist unklar. Die Kölner Polizei ermittelt. Der Brand hat sich in dem knochentrockenen Wald inzwischen zu einem gefürchteten Wipfelfeuer entwickelt. Dies bedeutet, dass sich das Feuer in den Kronen verselbständigt, von Wipfel zu Wipfel springt und daher dem Brand am Boden vorauseilen kann. Die Hitze und starke Winde aus wechselnden Richtungen erschweren das Löschen. Ein Feuerwehrsprecher sagt, die Bedingungen seien „denkbar schlecht“. Nach seinen Schätzungen brennen 300 Hektar, was der Größe von 420 Fußballfeldern entspricht. Zum Vergleich: In ganz Nordrhein-Westfalen brannten im vergangenen Jahr nur 52 Hektar Wald ab. Damit ist das Feuer in Hürtgenwald nach allem, was der Regierung bekannt ist, das schlimmste in der Geschichte des bevölkerungsreichsten Bundeslandes.
Die Löscharbeiten werden noch zusätzlich erschwert, weil im Waldboden Munition und Minen aus dem Zweiten Weltkrieg verborgen sind. Der alte Wald war Ende 1944 und Anfang 1945 Schauplatz einer der längsten und blutigsten Schlachten an der Westfront. Die US Army wollte durch die Eifel vorstoßen, doch die Wehrmacht hatte sich verschanzt. US-Soldaten nannten den Wald Death Factory, Todesfabrik. Einsatzkräfte hörten bereits Explosionen. CDU-Landrat Nolten sagt, wegen dieser Gefahr könnten keine einzelnen Feuerwehrleute mit Löschrucksäcken in den Forst geschickt werden. In der Nacht zum Freitag hätten sich auch einzelne Einheiten zurückziehen müssen, damit sie nicht vom Feuer eingekesselt würden.
Insgesamt sind bis zu 1400 Menschen im Einsatz, darunter Soldaten der Bundeswehr. Als Antwort auf das Risiko von Explosionen setzen die Brandbekämpfer stärker auf schweres Gerät und löschen aus größerer Distanz. Zwei Räumpanzer der Bundeswehr schlagen Schneisen in den Wald, die Polizei besprüht die Bäume mit Wasserwerfern. Zudem ist ein gerade erst von der Landesregierung angeschafftes Spezialfahrzeug namens Fire Fighter im Einsatz. Das ist geländegängig, kann steile Hänge überwinden und 10 000 Liter Löschwasser aus einem Tank verspritzen. Aus der Luft bekämpfen fünf Hubschrauber von Polizei und Bundeswehr mit riesigen Wasserbehältern das Feuer. Bürgermeister Cranen sagt am Telefon, dass ein Löschflugzeug angefordert sei, das noch mehr Wasser transportieren kann. Die Feuerwehrleute nutzen inzwischen auch Gegenfeuer als Strategie: An bestimmten Stellen werden Feuer entzündet, die dem größeren Brand Nahrung entziehen, wie ein Feuerwehrsprecher sagt.
In der Nacht zum Samstag wurde in besonders gefährdeten Bereichen der Personaleinsatz am Boden fast verdoppelt, wie der Sprecher der Feuerwehren im Kreis Düren, Peter Berndgen, der Deutschen Presse-Agentur sagte. Viele zusätzliche Löschzüge wurden in diese Bereiche geführt. Zwei Bergepanzer der Bundeswehr hätten in der Nacht weitere Schneisen im Bereich des Ortsteils Gey geschlagen.
Alle zwölf Stunden machen sich rund 500 Einsatzkräfte aus NRW auf den Weg zum Schichtwechsel ins Brandgebiet. Die Einsatzplanung reiche derzeit bis Montag. Selbst wenn der Brand bald unter Kontrolle sein sollte, müssen Feuerwehrleute danach sämtliche Glutnester auf 300 Hektar sorgfältig löschen, damit kein neues Feuer entsteht. Unklar ist auch, wie schnell die Bewohner in ihr evakuiertes Dorf zurückkehren dürfen. An diesem Samstag wird Ministerpräsident Hendrik Wüst Hürtgenwald besuchen; er hat seinen Urlaub früher beendet. Bürgermeister Cranen hatte für dieses Wochenende eigentlich eine Radtour geplant. „Aber ich habe meiner Frau schon gesagt, sie soll die absagen“, berichtet er. „Wir werden hier sicher noch einige Tage gebraucht.“
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Besuch von Ministerpräsident Hendrik Wüst im Brandgebiet.
Very likely · Within days

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