
Von der Gemeinderätin zur Landtagspräsidentin: Ilse Aigners Weg durch die Politik und ihre Rolle als mögliche Kandidatin für das höchste Staatsamt.
Porträt über Ilse Aigner, ihre politische Laufbahn von der Gemeinderätin bis zur bayerischen Landtagspräsidentin und Spekulationen über eine mögliche Wahl zur Bundespräsidentin.
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Ilse Aigner ist eine deutsche Politikerin der CSU, die verschiedene Ämter auf Bundes- und Landesebene innehatte und derzeit bayerische Landtagspräsidentin ist.
Sie gilt als "die Nette" von nebenan, die Bodenständige, ohne Attitüden. Eine Frau, die sich ohne Scheu unters Volk mischt, Hände schüttelt und auch in den Arm nehmen kann. Übersehen wird dabei oft, dass niemand in der Politik in höchste Ämter kommt, weil er oder sie einfach nur "nett" ist.
Das Amt einer Bundesverbraucherschutzministerin gilt als eines der undankbarsten. Als Ilse Aigner 2008 im Kabinett Merkel dieses Amt übernimmt, hat sie keine Zeit zum Durchatmen. Eine Krise jagt die nächste: EHEC auf Sprossen, Dioxin in Eiern, Pferdefleisch in der Lasagne.
Lebensnah, pragmatisch und bodenständig
Bei solchen Krisen kommt es darauf an, diese zu managen. Aigner sorgt für Konsequenzen, verhandelt auf EU-Ebene, regelt Ausgleichszahlungen für Bauern. Dennoch nennt sie die Opposition "Ankündigungsministerin". Aigner übersteht die Lebensmittelskandale - es mussten schon Minister wegen weniger zurücktreten.
Wenn gerade keine Krise ist, übt Aigner das Amt als Bundesverbraucherschutzministerin lebensnah aus, pragmatisch und bodenständig. "Zu gut für die Tonne" bedeutet bei Aigner: Wer altes Brot zu Hause habe, könne es entweder einfrieren oder daraus mit Eiern und Milch einen "Semmelschmarrn" machen. Im politischen Berlin belächeln sie die Bayerin wegen solcher Tipps.
Ihr erster politischer Erfolg war ein Disco-Bus
Das politische Interesse der 61-Jährigen ist in der Familie geweckt worden. Man habe immer viel diskutiert, die Eltern förderten gesellschaftliches Engagement. Der Vater war Elektromeister, saß für die CSU im Gemeinderat im oberbayerischen Feldkirchen-Westerham.
Als er aufhört, wird sie 1990 Gemeinderätin: "Wir haben uns quasi das Amt übergeben", sagt Aigner. Ihr erster politischer Erfolg sei es gewesen, einen Disco-Bus von den Dörfern nach Rosenheim durchzusetzen. Die Älteren im Gemeinderat sagen, die jungen Leute sollen halt zu Hause bleiben. Den "Rosenheimer Nachtexpress" gibt es bis heute.
Vier Mädchen haben die Aigners, Ilse ist die Jüngste. Bis heute spricht sie von ihren "großen Schwestern". Das Interesse für Technik entwickelt sich bei der kleinen Ilse früh. Später stellt sie sich die Frage, ob das auch so gewesen wäre, wenn sie einen Bruder gehabt hätte. Vielleicht hätte der Opa dann eher mit dem Dinge repariert, mutmaßt sie.
Keine klassische Laufbahn
Aigner hat keine klassische Politikerlaufbahn mit Abitur und Jurastudium hinter sich. Sie kommt nicht wie einige der früheren Bundespräsidenten aus traditionsreichen Familien wie den von Weizsäckers. Dass im Sommer aus der CDU Stimmen kamen, man bräuchte doch mindestens einen Juristen oder eine Juristin an der Spitze des Staates, zielte auch auf sie ab. Aigner hat dazu geschwiegen.
So wie sie die ganze Zeit zu den Spekulationen geschwiegen hat. Seit Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder sie im Frühjahr zum ersten Mal offiziell ins Gespräch brachte, lautete ihre Antwort stets: "Es gibt Schlimmeres, als für geeignet gehalten zu werden."
Seehofers "Kronprinzessin"
Aigner hat in ihrem Leben erfahren, wie es ist, ein Amt nicht zu bekommen. 1994 zieht sie gemeinsam mit Söder in den bayerischen Landtag ein. Während Söder als Ziehsohn von Edmund Stoiber gilt, wird sie die "Kronprinzessin" von Horst Seehofer genannt.
Der spielt mit der Konkurrenz der Jungen. Als Aigner Seehofer 2008 als Bundeslandwirtschaftsministerin in Berlin nachfolgt, scherzt der damalige CSU-Chef vor der versammelten Presse, sie könne nun auf seinen Platz gehen: "Das soll aber nichts besagen!"
Als bayerischer Ministerpräsident holt Seehofer Aigner 2013 zurück nach Bayern, macht sie zur Wirtschaftsministerin und stellvertretenden Ministerpräsidentin. Es wäre eine gute Ausgangsposition, um Seehofer 2018 zu beerben.
Aigner und Söder spielen mit ihrer Konkurrenz
Zu dieser Zeit hat allerdings Söder längst seine Netzwerke in der CSU geknüpft, sein Machtinteresse ist für jeden sichtbar. Aigner wirbt eher auf Umwegen für sich. Sie will eine Mitgliederbefragung in der Partei über die Nachfolge durchsetzen. Der Plan scheitert. Söder wird Ministerpräsident, sie Landtagspräsidentin.
Konkurrenten bleiben sie. Irgendwann aber beschließen Söder und Aigner, damit auch öffentlich zu spielen, zeigen sich auf Fotos Rücken an Rücken, die Arme verschränkt.
Kein Pardon bei der AfD
Eine intellektuelle Vordenkerin der CSU ist Aigner nicht. Aber sie ist beliebt in der Partei. Als Landtagspräsidentin verschafft sie sich ab 2018 mehr und mehr überparteilichen Respekt. Nur bei einer Partei kennt Aigner kein Pardon. Der AfD-Fraktionschefin im Landtag dreht sie das Mikro ab, als Katrin Ebner-Steiner sich nicht an die Gepflogenheiten des Parlaments hält.
Die Landtagspräsidentin Aigner findet ihre Rolle. Sie sucht den Dialog mit Bürgern, spricht über Zusammenhalt in der Gesellschaft, über den Wert der Demokratie, reist nach Srebrenica, nimmt die Mütter der Ermordeten in den Arm.
All das wären auch die Aufgaben einer Bundespräsidentin. Wenn Ilse Aigner Ende Januar von der Bundesversammlung tatsächlich als erste Frau ins höchste Staatsamt gewählt wird, ist sie gewappnet. Präsidiale Aufgaben hat sie genügend absolviert.
AI outlook — possibilities, not facts
Wahl der Bundesversammlung Ende Januar über das Amt des Bundespräsidenten
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