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Back„In weiten Teilen des Rhein- und Donaugebietes fehlten 50 Prozent der Niederschläge“
„In weiten Teilen des Rhein- und Donaugebietes fehlten 50 Prozent der Niederschläge“
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Die Welt4 days agoEnvironment3 min readGermanyView translation

„In weiten Teilen des Rhein- und Donaugebietes fehlten 50 Prozent der Niederschläge“

Experten warnen vor den Folgen des Klimawandels für deutsche Flüsse und Böden

Quick Look

  • Das hydrologische Jahr 2025/26 war laut Science Media Center von extremen Niedrigständen in deutschen Flüssen geprägt.
  • Experten führen dies auf den Klimawandel und menschliche Eingriffe in die Gewässerstruktur zurück und fordern eine ökologische Revitalisierung.

AI-generated summary

Why It Matters

Das hydrologische Jahr 2025/26 war durch anhaltende Trockenheit und Rekord-Niedrigstände in deutschen Flüssen gekennzeichnet. Dies verschärft die ökologische Situation und die Herausforderungen für die Schifffahrt.

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Die deutschen Flüsse führten in diesem Jahr über Monate sehr wenig bis extrem wenig Wasser. Solche niedrigen Wasserstände seien „deutlich häufiger als in den Vorjahren“ vorgekommen, heißt es in einer Auswertung des „Science Media Centers“ (SMC) zum hydrologischen Jahr 2025/26. Das hydrologische Jahr endet jeweils am 31. Oktober.

Böden, Grundwasser und Flüsse gehen demnach mit großen Defiziten in den Winter – jene Jahreszeit, in der sich die Wasserspeicher normalerweise wieder auffüllen, vor allem weil im Winterhalbjahr deutlich weniger Wasser verdunstet.

Das SMC beruft sich unter anderem auf Zahlen des Niedrigwasserinformationssystems (NIWIS). Demnach war das hydrologische Jahr 2025/26 in neun großen Flussgebieten Deutschlands von Niedrigwasser geprägt. Bereits im Januar 2026 wurde rund ein Fünftel der Abflüsse – jener Wassermengen, die pro Sekunde einen Flussquerschnitt passieren – als „sehr niedrig“ oder „extrem niedrig“ eingestuft. Im August und September lag der Anteil dieser beiden Kategorien den Angaben zufolge bei 35 Prozent.

Im Rheingebiet lagen im September sogar rund 54 Prozent der Abflüsse in den Kategorien „sehr niedrig“ oder „extrem niedrig“ – das Mittel der Vorjahre war nur sieben Prozent. Im Donaugebiet waren ganze 87 Prozent der Abflüsse „sehr niedrig“ oder „extrem niedrig“ gegenüber fünf Prozent in den Vorjahren.

Diese Einstufung beruht laut NIWIS auf einem Vergleich der aktuellen Abflüsse mit Werten aus der entsprechenden Jahreszeit zwischen 1991 und 2020. Als „sehr niedrig“ gilt ein Abfluss, wenn er zu den niedrigsten fünf Prozent der Vergleichswerte gehört, als „extrem niedrig“, wenn er unter das niedrigste ein Prozent fällt.

Auch die Böden erlebten den Angaben zufolge eine ausgeprägte Dürre. Schon der Winter 2025/26 war demnach trockener als normal. Im Sommer entwickelte sich dann vor allem in Süddeutschland eine „extreme Dürre“.

Enno Nilson von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) sagte dem Science Media Center, historisch betrachtet seien Niedrigwasser am Rhein oft Winterereignisse gewesen, die durch strenge Kälte, Eis und Schnee ausgelöst worden seien. „Dass wir heute nur noch hitze- und trockenheitsbedingtes Sommerniedrigwasser erleben, passt in das Bild, das wir unter den Rahmenbedingungen des fortschreitenden Klimawandels projiziert haben“, so Nilson.

Er sagte: „In den vergangenen 30 Tagen fehlten im für Deutschland hydrologisch relevanten Teil Mitteleuropas etwa 37 Prozent der üblichen Niederschläge, in weiten Teilen des Rhein- und Donaueinzugsgebietes waren es ungefähr 50 Prozent.“

Der nun beginnende Winter sei eigentlich die Zeit, in der sich die Gewässer wieder auffüllten. Es müsse aber abgewartet werden, inwiefern das wirklich eintrete. Klar sei, dass lange und intensive Landregen nötig seien, um die Gewässer wirklich wieder aufzufüllen.

Projektionen zeigten, dass es auch in absehbarer Zukunft aufs ganze Jahr gesehen in Deutschland wohl noch viel Wasser geben werde, allerdings sehr ungleich auf die Jahreszeiten verteilt. „Ausgeprägtere Dürren und Niedrigwasserphasen im Sommerhalbjahr werden durch höhere Niederschläge und Abflüsse im Winterhalbjahr im Jahresmittel teilweise kompensiert“, prognostiziert Nilson. „Damit würde sich nicht unbedingt ein Wassermengenproblem einstellen, sondern ein Verteilproblem zwischen Regionen und zwischen den Jahreszeiten.“

Christian Wolter vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin hält die Periode 2025/2026 für die abflussärmste seit Beginn der Pegelaufzeichnungen. Niedrige Pegelstände seien dabei auch eine Folge menschlichen Eingreifens: Seit dem 19. Jahrhundert seien viele deutsche Flüsse begradigt, verkürzt, befestigt und als Wasserstraßen ausgebaut worden. Dadurch fließe das Wasser nun viel schneller ab. Befestigte Ufer verhinderten zudem, dass sich die Flüsse ausbreiten könnten. „Stattdessen tieft sich ihre Sohle um mehrere Meter ein.“

Niedrigwasser habe vielfältige Auswirkungen auf die Lebewesen im Fluss. Besonders kritisch sei dabei eine Kombination aus Niedrigwasser und hohen Temperaturen. Niedrigwasser könne so die gesamte ökologische Funktionsfähigkeit eines Flusses beeinträchtigen. „Die wirksamste Maßnahme zum Schutz von Flussökosystemen und ihrer Artenvielfalt ist die Revitalisierung der natürlichen Fließgewässerdynamik“, riet Wolter. „Niedrigwasser können wir also nicht einfach wegplanen oder wegbaggern.“

Eine klimaangepasste Verkehrspolitik bedeute, die Infrastruktur und die Schifffahrt stärker auf die natürlichen Wasserverhältnisse auszurichten. „Dazu gehören beispielsweise kleinere Schiffe mit geringerem Tiefgang. Staustufen sind keine Lösung, da sie die Flusslandschaft zerstören, die Verdunstung fördern und das Dürreproblem weiter stromab verlagern.“

Thorsten Wagener von der Universität Potsdam bestätigte, die Abflussvolumina hätten dieses Jahr in vielen europäischen Flüssen den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten aufgewiesen. „Durch den steigenden Einfluss des Klimawandels verlieren wir die natürlichen Schnee- und Gletscherspeicher in Gebirgsregionen“, sagte der Professor für hydrologische Systeme. „Überlagert sich dieses Problem mit trockenem Winter und Frühling und mit hoher Verdunstung im Hitzesommer, dann haben wir einen perfekten Sturm – oder vielmehr eine perfekte Dürre.“

Thomas Hein von der Universität für Bodenkultur Wien warnte, lang andauernde Niedrigwasserphasen führten in stark regulierten Gewässern zu einer massiven Verringerung der Lebensräume entlang der Flussufer und in den angrenzenden Flussauen. Er empfahl Renaturierungsmaßnahmen wie eine verbesserte Anbindung an Auen oder Moorvernässungen, die allerdings viel Zeit bräuchten.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Notwendigkeit von langfristigen Renaturierungsmaßnahmen zur Wiederherstellung der Fließgewässerdynamik.

    Very likely · Within months

Open Questions

  • Wie stark werden die Winter-Niederschläge die Defizite ausgleichen?
  • Welche konkreten politischen Maßnahmen werden zur Fluss-Renaturierung ergriffen?

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This article was originally published by Die Welt.

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