
VDMA-Umfrage: 23 Prozent der Maschinenbau-Unternehmen planen Einstieg ins Verteidigungsgeschäft, doch fehlende Planbarkeit bremst die Branche
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Die deutsche Verteidigungspolitische Zeitenwende führt zu vermehrter Aufrüstung und verändert die deutsche Wirtschaft. Der Maschinenbau befindet sich in einer schwierigen Phase mit US-Zöllen, chinesischer Konkurrenz und schwierigen Standortbedingungen.
Deutschlands Aufrüstung hat immense Auswirkungen auf die zivile Industrie, zeigt eine neue Umfrage aus dem Maschinenbau. Doch ein Rüstungsboom bleibt in der Branche aus einem Grund aus.
Rüstungsproduktion bei Rheinmetall: Der Boom der Verteidigungsindustrie ist auch eine Chance für den Maschinenbau. Foto: IMAGO/
Eine Studie zeigt: 23 Prozent der befragten Maschinenbau-Unternehmen planen einen Einstieg ins Verteidigungsgeschäft, weitere sechs Prozent haben diesen bereits konkret vorgesehen.
Unternehmen, die im Verteidigungsbereich tätig sind, sehen für das kommende Jahr große Wachstumsmöglichkeiten, 92 Prozent könnten ihre Lieferungen ausweiten.
Die Firmen beklagen Herausforderungen wie regulatorische Anforderungen und fehlende Kontakte zu Auftraggebern, die das Geschäft erschweren.
Die Zusammenfassung wurde mithilfe von KI erstellt und redaktionell geprüft.
Berlin. Automobilproduzenten bauen gepanzerte Fahrzeuge, Luftfahrtunternehmen steigen in das Geschäft mit Drohnen ein, Fabriken für Munition entstehen. Die verteidigungspolitische Zeitenwende verändert die deutsche Wirtschaft grundlegend, immer mehr Produktionskapazitäten werden im Bereich Sicherheit und Verteidigung aufgebaut.
Eine Umfrage hat jetzt ergeben: Diese Entwicklung beeinflusst auch den deutschen Maschinenbau. Die zivilen Unternehmen beliefern mit ihren Maschinen und Anlagen die Verteidigungsindustrie wie noch nie zuvor.
Der Maschinenbauverband VDMA hat 330 seiner Mitgliedsunternehmen zu ihren Aktivitäten in dem Bereich gefragt. Die Ergebnisse liegen dem Handelsblatt exklusiv vor. Sie zeigen: 23 Prozent der Maschinenbau-Unternehmen planen einen Eintritt in das Geschäft mit dem Verteidigungsbereich. Bei zusätzlichen sechs Prozent ist ein solcher Einstieg schon konkret geplant.
Die Unternehmen, die bereits im Verteidigungsbereich aktiv sind, berichten von großen Wachstumschancen. 92 Prozent von ihnen sehen die Möglichkeit, ihre Lieferungen innerhalb der nächsten zwölf Monate auszuweiten. Jedes sechste Unternehmen stellt dafür zusätzliches Personal ein, weitere 14 Prozent verlagern Beschäftigte aus anderen Geschäftsbereichen dorthin.
„Die Verteidigungsindustrie wurde lange Zeit mit spitzen Fingern angefasst. Jetzt bekennen sich gerade auch Maschinenbauer umso offensiver“, sagte Andreas Evertz dem Handelsblatt. Er ist CEO des Getriebeherstellers Flender und leitet das VDMA-Forum für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.
Die Getriebe von Flender kommen etwa in Förderbändern oder Kränen vor, die Kupplungen des Unternehmens in der Schienen- und Schifffahrt, ein wichtiges Geschäftsfeld sind zudem Komponenten für Windturbinen. Im Verteidigungssektor ist Flender im Bereich Landfahrzeuge und Schiffbau als Zulieferer aktiv.
Maschinenbauer erwarten deutliches Wachstum
Der Maschinenbau befindet sich wie die gesamte deutsche Industrie in einer schwierigen Phase, US-Zölle, starke Konkurrenz aus China und die schwierigen Standortbedingungen in Deutschland bereiten Probleme.
Da kommt das neue Geschäftsfeld Verteidigung gerade recht, auch wenn Evertz erst einmal die Erwartungen dämpft: „Der Verteidigungsbereich allein kann und wird nicht das Kerngeschäft des Maschinenbaus werden.“ Laut VDMA-Schätzungen dürfte der Umsatzanteil der Verteidigungsindustrie für den Maschinenbau insgesamt mittelfristig bei etwa zwei bis drei Prozent liegen.
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Aber er macht auch klar, dass ohne den Maschinenbau keine Verteidigungsindustrie gebe: „Ob Kugellager, Schraube, Lackieranlagen, Getriebe für Panzer oder Roboterstraßen: Ohne uns wird es nicht klappen, dass Deutschland aus eigenen Mitteln verteidigungsfähig wird.“
Die befragten Unternehmen bewerten die Geschäftsaussichten ähnlich positiv. Beinahe jede dritte Maschinenbaufirma, die im Verteidigungssektor unterwegs ist, rechnet dort mit mindestens 15 Prozent Wachstum in diesem Jahr. Und 43 Prozent dieser Unternehmen erwarten, ihren Umsatz bis 2030 mindestens zu verdoppeln.
Fehlende Planbarkeit macht Geschäft kompliziert
Doch ob es tatsächlich zu dieser Dynamik kommt, muss sich erst zeigen. In der VDMA-Umfrage klagen die Unternehmen auch über Herausforderungen, die ihnen das Hochfahren im Verteidigungsbereich erschweren. 61 Prozent der Unternehmen nennen regulatorische und sicherheitsbezogene Anforderungen, fehlende Kontakte zu potenziellen Kunden und Auftraggebern wirken sich bei 60 Prozent negativ aus.
Der Staat kann daran etwas ändern, Verfahren beschleunigen, bürokratische Vorgaben abbauen. Aber auch die Unternehmen müssen sich ein Stück weit stärker auf dieses Geschäftsfeld festlegen, um die Hürden abzubauen. Denn klar ist auch: Ein stärkeres Verteidigungsengagement bedeutet für Maschinenbauer, weniger in andere Branchen zu liefern.
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Für Evertz liegt hier das Kernproblem. „Natürlich fordern wir die Politik dazu auf, schneller und weniger bürokratisch zu werden. Aber der wichtigste Punkt aus meiner Sicht ist die Planbarkeit“, sagt der Flender-Chef.
Mit jedem Fortschritt im Friedensprozess stelle sich für den Unternehmer die Frage, ob er die Priorität auf den Verteidigungsbereich aufrecht erhalten könne. „Klar ist aber natürlich, dass selbst bei einem Ende des Ukrainekriegs die deutsche Wirtschaft nicht wieder in den alten Modus verfallen darf“, sagt Evertz.
Es gehe um die Frage, wie es gelingt, die Vorhaltung von Produktionskapazitäten für den Bedarfsfall herzustellen: „Der Maschinenbau ist prädestiniert dafür, weil wir flexibler sind als viele andere Branchen, wir liefern schon jetzt in so viele unterschiedliche Bereiche.“
Unabhängigkeit von USA schaffen
Diese Chance müssten Politik und Wirtschaft gemeinsam nutzen. „Und wir wollen deshalb mit der Politik noch näher ins Gespräch kommen, wie das gelingen kann, durch langfristige Aufträge und Finanzierungsvehikel vor allem“, sagt der Manager.
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VDMA-Fachmann Roland Papesch zufolge kann der Maschinenbau so auch ein Vehikel werden, um Deutschlands Aufrüstung unabhängiger zu machen. Ein signifikanter Teil der derzeit rekordhaften staatlichen Rüstungsbestellungen geht noch immer in die USA.
„Die staatlichen Gelder müssen auch in der zivilen Industrie ankommen. Hier bestellen, nicht in den USA, das muss das langfristige Ziel sein“, erklärt Papesch.
AI outlook — possibilities, not facts
Der Umsatzanteil der Verteidigungsindustrie für den Maschinenbau liegt mittelfristig bei etwa zwei bis drei Prozent.
Likely · Within months
43 Prozent der im Verteidigungssektor aktiven Maschinenbau-Unternehmen erwarten, ihren Umsatz bis 2030 mindestens zu verdoppeln.
Possible · Within years

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