
Der insolvente Solarparkentwickler Enerparc zeigt erste Anzeichen einer Stabilisierung, während der Verkaufsprozess für das Unternehmen offiziell angelaufen ist.
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Enerparc ist einer der größten Solarparkentwickler Europas. Das Unternehmen geriet durch hohe Verbindlichkeiten und gescheiterte Finanzierungen in die Insolvenz.
Düsseldorf. Anfang September hat Enerparc, einer der größten Solarparkentwickler Europas, überraschend Insolvenz angemeldet. Jetzt zeigt sich Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus vorsichtig optimistisch. Das operative Geschäft laufe weiter. „Es ist uns gelungen, das Geschäft zu stabilisieren“, sagt Denkhaus dem Handelsblatt. Der Verkaufsprozess ist offiziell gestartet.
Schon bis Dezember soll ein erster Teilverkauf gelingen. „Weitere Park-Portfolios sollen im ersten Quartal 2027 vollzogen werden“, sagt Denkhaus. Insgesamt werde versucht, das Unternehmen als Ganzes zu verkaufen. Aber auch andere Lösungen seien denkbar. „Das Interesse ist groß“, sagt Denkhaus. Gespräche mit ersten potenziellen Käufern werden bereits geführt.
Aus dem Hamburger Entwickler ist seit seiner Gründung 2008 relativ schnell einer der größten Solarplaner Europas geworden. Die Gründer Christoph Koeppen, Stefan Müller und Frank Müllejans zählen zu den Pionieren der Energiewende. Mittlerweile ist das Unternehmen weltweit tätig und gehört mit einem Portfolio von mehr als 500 Solarparks mit einer installierten Gesamtleistung von 3,8 Gigawatt zu den Marktführern. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa der Leistung von fast vier großen Kohlekraftwerken.
Dabei deckt Enerparc mit einer fast vollständig integrierten Kette von hunderten Tochterunternehmen und Beteiligungen so gut wie jeden Schritt in der Wertschöpfungskette ab – von Sunnic für die Vermarktung des Grünstroms, über pvwerk für den Bau der Parks oder Sonnen Tiefbau für die Errichtung von Fundamenten und Trassen. Und das in einem komplexen Geflecht um die Enerparc AG, die nun insolvent ist.
Mittlerweile haben auch pvwerk und Sonnen Tiefbau einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Dass noch mehr der insgesamt 492 mit der Enerparc verbundenen Unternehmen in die Insolvenz gehen könnten, konnte laut Denkhaus bislang zwar vermieden werden, aber: „Bei einer solchen Größe der Gruppe lassen sich weitere Insolvenzanträge nie ausschließen.“
Der Markt für große Solarprojekte ist in den vergangenen Monaten deutlich schwieriger geworden: Regulatorische Unsicherheiten, stockende Finanzierungen und sinkende Strompreise haben viele Vorhaben ausgebremst. Hinzu kommt eine grundlegende Veränderung: Der Ausbau der Erneuerbaren geht zwar weiter, funktioniert finanziell aber längst nicht mehr wie in den Anfangsjahren der Energiewende.
Über lange Zeit bewegten sich viele Projekte in einem stark staatlich geprägten Förderumfeld mit vergleichsweise gut kalkulierbaren Erlösen. Mit dem Übergang in einen freien Markt steigen aber auch die Anforderungen an Bilanz, Liquidität und Risikosteuerung. Gerade stark wachsende Entwickler müssen heute viel größere Projekte stemmen, deutlich mehr Kapital organisieren und komplexere Risiken beherrschen als noch vor zehn Jahren. Was das in der Praxis bedeutet, zeigt sich am Fall Enerparc.
Enerparc nutzte die insgesamt schwache Marktlage, um eigene Projekte aggressiv voranzutreiben. Der Konzern wuchs über neue Projekte, Portfoliozukäufe und komplexe Projektgesellschaften so schnell, dass die internen Strukturen am Ende nicht mehr mithalten konnten.
Zwar hatte das Unternehmen im Frühjahr noch ein Finanzierungspaket von bis zu einer Milliarde Euro für mehrere Solarparks und Batterieprojekte angekündigt, nach Angaben des Verwalters waren davon aber bis zur Insolvenz nur etwa 30 Prozent gezogen. Eine weitere Finanzierung für mehrere Photovoltaik-Projekte mit Batteriespeichern war Ende Juni gescheitert. Enerparc konnte Verpflichtungen nicht mehr erfüllen – und das ohnehin stark belastete System kippte.
Dabei sah der zuletzt veröffentlichte Jahresabschluss 2024 auf den ersten Blick robust aus: Die Enerparc AG wies einen Jahresüberschuss von 53,8 Millionen Euro aus. Gleichzeitig war der operative Cashflow mit minus 80,9 Millionen Euro jedoch deutlich negativ – ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen sein Wachstum zunehmend vorfinanzieren musste.
Kurz vor dem Insolvenzantrag lag die Eigenkapitalquote laut Unternehmenskreisen nur noch bei vier bis fünf Prozent. Zugleich summierten sich die Verbindlichkeiten auf aktuell rund 3,3 Milliarden Euro. Weil die Enerparc AG nicht nur Holding, sondern auch Generalunternehmer war, liefen dort hohe Lieferanten-, Finanzierungs- und Projektlasten zusammen. Als dann die Finanzierung für mehrere Batterieprojekte nicht mehr wie geplant abrufbar war, rutschte Enerparc in die Zahlungsunfähigkeit.
Nach Angaben des Insolvenzverwalters befinden sich aktuell rund 90 Projekte im Bau. Insgesamt gebe es Vorhaben mit einer Leistung von 1,7 Gigawatt, die noch nicht ans Netz angeschlossen sind. Die Investmentbank Rothschild & Co. wurde mit dem Mandat für die Transaktion beauftragt.
Die Insolvenz von Enerparc hatte einen Schock in der Branche ausgelöst. Viele Beobachter sehen in dem Niedergang des Solarpioniers zwar kein Systemproblem, aber auch keinen Einzelfall. „Das wird nicht die letzte Insolvenz gewesen sein“, sagt ein Brancheninsider.
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Erster Teilverkauf von Enerparc-Portfolios bis Dezember.
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