
Der CDU-Politiker Pascal Reddig verlangt vom Kanzler klare und schnelle Reformen, insbesondere in der Renten- und Steuerpolitik.
CDU-Abgeordneter Pascal Reddig fordert vor dem Deutschlandtag der Jungen Union mehr Tempo und konkrete Konzepte vom Kanzler bei Reformen wie der Rente, um eine drohende Vertrauenskrise der Partei abzuwenden.
AI-generated summary
Der CDU-Nachwuchs fordert vom Kanzler und der Koalition ein schnelleres Vorgehen bei Reformen im Bereich Rente und Steuern.
Der Nachwuchs der Union wird ungeduldig. Der CDU-Politiker Pascal Reddig verlangt Tempo bei den Reformen – und gibt dem Kanzler Tipps für dessen Rede beim Deutschlandtag der Jungen Union.
CDU-Abgeordneter Pascal Reddig: „Wenn wir jetzt liefern, wird die Koalition auch wieder zu der Stabilität kommen, die sie braucht.“ Foto: REUTERS
Pascal Reddig fordert vom Kanzler klare und schnelle Umsetzung der Reformen, insbesondere in der Rentenpolitik, um das Vertrauen der Partei und der Bevölkerung zurückzugewinnen.
Die Junge Gruppe der Unionsfraktion hatte im vergangenen Jahr gegen das Rentenpaket der Koalition rebelliert, obwohl sie letztlich dem Paket zustimmte, wenn weitere Reformen berücksichtigt werden.
Reddig kritisiert das Fehlen konkreter Konzepte, etwa im Steuerbereich.
Er betont, dass die Beitragssätze mittel- und langfristig wirksam gebremst werden müssen.
Berlin. Die jährlichen Treffen der Jungen Union (JU) waren für Friedrich Merz über Jahre Heimspiele, er wurde vom Parteinachwuchs gefeiert. Doch seit Merz Kanzler ist, hat sich die Stimmung gedreht. An diesem Samstag steht Merz ein schwieriger Auftritt beim Deutschlandtag der JU bevor.
„Wir haben jahrelang für den Kanzler geworben, und die Erwartungen waren hoch“, sagt der CDU-Abgeordnete Pascal Reddig. „Nicht alle wurden erfüllt.“ Reddig ist nicht nur Mitglied im Bundesvorstand der JU, sondern auch Chef der Jungen Gruppe der Unionsfraktion im Bundestag. Sie hatte im vergangenen Jahr gegen das Rentenpaket der Koalition rebelliert – und damit auch den Kanzler in die Bredouille gebracht.
Im Handelsblatt-Interview spricht Reddig über die Vertrauenskrise der CDU, den Reformstreit in der Koalition und die Frage, was der Parteinachwuchs am Samstag vom Kanzler erwartet.
Herr Reddig, Sie werden auf dem Deutschlandtag der Jungen Union direkt vor dem Kanzler sprechen und ihm die Bühne bereiten. Worauf muss sich Friedrich Merz einstellen?
Wir werden klarmachen, was wir in den nächsten Monaten erwarten. Da geht es vor allem um die Umsetzung der Reformen, insbesondere bei der Rente. Neben der aktuellen Tagespolitik wird es um die Frage gehen, wie wir die Union aus dem Stimmungstief holen. Wir befinden uns als Partei in einer massiven Vertrauenskrise.
Wie ist das Verhältnis zwischen der Jungen Union und dem Kanzler? Merz wurde auf Deutschlandtagen lange gefeiert, letztes Jahr dann wegen des Rentenpakets stark kritisiert.
Wir haben jahrelang für den Kanzler geworben, und die Erwartungen waren hoch. Nicht alle wurden erfüllt. Wir müssen zentrale Fragen beantworten: Wie machen wir die sozialen Sicherungssysteme zukunftsfest? Wie modernisieren wir das Land, damit die junge Generation eine gute Zukunft sieht? Bei diesen Themen ist der Erwartungsdruck gegenüber dem Kanzler groß.
Was müsste der Kanzler am Samstag sagen, um die Jungen zu gewinnen?
Es gibt das Bonmot, dass Politiker an die nächste Wahl denken, Staatsmänner an die nächste Generation. Die Erfolgsgeschichte Bundesrepublik Deutschland ist auch eine Geschichte mutiger, weitsichtiger Grundsatzentscheidungen, die nicht selten von der Union durchgesetzt wurden. Die Union war immer dann stark, wenn sie aufzeigen konnte, wohin sie mit dem Land will. Es braucht wieder ein Zielbild.
Merz wirbt mit „Wohlstand für die Jungen“. Ist er Ihr natürlicher Verbündeter oder ist das eine Formulierung ohne Substanz?
Hinter diesem Motto stehen wir. Mein Eindruck ist, dass die Ziele des Kanzlers und unsere nicht weit auseinanderliegen. Aber es geht natürlich nicht nur darum, in Regierungserklärungen zu beschreiben, was wir wollen. Wir sind die regierungstragende Partei und müssen es umsetzen.
Vita: Pascal Reddig
Pascal Reddig, 31 Jahre alt, ist im hessischen Rodenbach aufgewachsen. Er hat in Bayreuth und Mainz Jura studiert. Bis zu seinem Einzug in den Bundestag im Jahr 2025 hat er als Rechtsanwalt für Presse- und Medienrecht in einer Frankfurter Kanzlei gearbeitet. Reddig ist im Jahr 2011 in die Junge Union (JU) und in die CDU Main-Kinzig eingetreten. Er war zunächst in der Kommunalpolitik aktiv. Seit 2018 ist er stellvertretender Bundesvorsitzender der JU. Reddig beschäftigt sich mit der Rentenpolitik, im Bundestag gehört er dem Ausschuss für Arbeit und Soziales an. Er war Mitglied in der Rentenkommission der Bundesregierung.
Reddig hat bei der Bundestagswahl 2025 seinen Wahlkreis Hanau gewonnen und ist direkt gewählter Abgeordneter. Er ist Vorsitzender der Jungen Gruppe der Unionsfraktion. Diesem Zusammenschluss gehören Abgeordnete an, die zum Zeitpunkt ihrer Wahl jünger als 35 Jahre alt waren. Im vergangenen Jahr sorgte die Junge Gruppe mit ihrem Widerstand gegen das Rentenpaket für Aufsehen. Da sie 18 Mitglieder stark ist, kann sie theoretisch Gesetzesvorhaben der Koalitionsfraktionen blockieren. Beim Rentenpaket stimmten am Ende aber ausreichend Abgeordnete zu unter der Bedingung, dass es weitere Reformen gibt, die die Interessen der jungen Generation berücksichtigen.
Der Kanzler hat sich mit Ministerpräsidenten und Landesvorsitzenden auf ein Papier verständigt, unter anderem auf die Senkung der Stromsteuer. Ist das Ihr Zielbild?
Das Papier ist gut. Es spricht viele Themen an, die jeden akut beschäftigen: Wie wird vor allem der Alltag wieder günstiger? Es muss aber auch um grundsätzlichere Fragen gehen. Haben wir noch ein leistungsgerechtes Steuersystem? Da müssen wir besser werden. Haben wir die sozialen Sicherungssysteme so aufgestellt, dass sie auch in den nächsten Jahrzehnten tragen? Da müssen wir jetzt die richtigen Weichen stellen. Haben wir ausreichende finanzielle Spielräume im Haushalt für die kommenden Jahre und Jahrzehnte? Da müssen wir unbedingt wieder Luft für Zukunftsinvestitionen schaffen.
Vermissen Sie da konkrete Antworten Ihrer Partei?
Die CDU ist sehr gut darin, Glaubenssätze zu formulieren. Schlechter geworden ist sie darin, diese in konkrete Politik zu übersetzen und mit belastbaren Konzepten zu unterlegen. Uns fehlt zum Beispiel seit Jahren ein richtiges Steuerkonzept.
Nach den Wahlniederlagen wurde in der CDU diskutiert, ob man den Menschen zu viel Angst gemacht hat. Sind die Reformen, die Ihnen vorschweben, einfach unpopulär?
Über Demoskopie und Tonlagen lässt sich viel reden, darum geht es im Kern aber nicht. Die Menschen sehen genau, wie es um die Sozialsysteme oder den Wirtschaftsstandort steht. Mir begegnen kaum Bürger, die sagen, dass wir bislang zu viele Entscheidungen getroffen hätten. Die meisten haben das Gefühl, dass noch nicht ausreichend geliefert wurde. Da sollten wir doch endlich anfangen.
Das ist leicht gesagt. Die Vorstellungen von Union und SPD liegen bei vielen Reformen auseinander. Wie könnte ein Kompromiss bei der Rente aussehen?
Bei der Rente gibt es bereits einen Kompromiss: in der Rentenkommission geschlossen, im Koalitionsausschuss und durch die geschäftsführenden Fraktionsvorstände bestätigt. Er sollte jetzt als Paket möglichst noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Über Details werden wir sprechen, etwa wie die Härtefallregelung aussieht für alle, die das reguläre Renteneintrittsalter aus gesundheitlichen Gründen nicht erreichen können. Klar ist aber: Die Rente mit 63 in ihrer jetzigen Form hat keine Zukunft.
Zur Wahrheit gehört aber, dass nicht nur die SPD, sondern auch einige CDU-Ministerpräsidenten an der Rente nach 45 Beitragsjahren festhalten wollen.
Solche Debatten haben wir bei jeder rentenpolitischen Entscheidung geführt. Das Ergebnis waren steigende Beitragssätze und ein sinkendes Rentenniveau. Jetzt braucht es den Mut, neue Wege zu gehen. Das gilt auch für unsere Ministerpräsidenten. Das vorliegende Reformpaket verhindert, dass die Beiträge dauerhaft durch die Decke gehen, es begrenzt den Anstieg des Bundeszuschusses zur Rente, und es lässt das Rentenniveau wieder steigen. Diese Reform macht das System deutlich besser und zukunftsfähig.
Gibt es für Sie eine rote Linie, etwa wenn die Rente nach 45 Beitragsjahren erhalten bliebe?
Eine Reform, die das Rentenniveau nicht steigert und den Anstieg der Beitragssätze mittel- und langfristig nicht wirksam bremst, wäre nicht guten Gewissens zustimmungsfähig.
Aber mit schlechtem Gewissen, um die Koalition zu erhalten?
Ich habe dem Rentenpaket im vergangenen Jahr nicht zugestimmt und werde auch diesmal prüfen, ob es die Altersvorsorge besser macht. Die Rentenkommission hat einen Vorschlag gemacht, der ein wirklich großer Wurf wäre. Jetzt braucht es den politischen Mut, ihn umzusetzen.
Kürzlich hat der Kanzler erklärt, dass die Reformvorhaben im Frühjahr vom Bundestag beschlossen werden. Ist der Zeitplan realistisch angesichts der dann wieder bevorstehenden Landtagswahlen?
Niemand will mehr immer neue Reformjahreszeiten hören. Wir müssen jetzt liefern und deutlich mehr Tempo bei den Gesetzen machen, die das Leben der Leute verbessern.
Hand aufs Herz: Trauen Sie der Koalition Mut und Tempo zu?
Wir können jedenfalls nicht einfach so weitermachen. Wenn uns als Koalition nur noch rund ein Drittel der Bevölkerung unterstützt, zeigt das: Wir müssen dringend Vertrauen zurückgewinnen. Unsere Grundrichtung, die wir vor der Bundestagswahl beschrieben haben, halte ich weiterhin für richtig. Aber die Menschen erwarten zu Recht, dass wir unsere Ankündigungen auch umsetzen. Dafür brauchen wir jetzt Entschlossenheit.
Der neue Sozialminister Alexander Schweitzer will, dass die Koalition sich einig wird, bevor er Gesetzentwürfe vorlegt. Das klingt nicht nach Tempo.
Bei der Rente hat sich die Koalition vor dem Sommer geeinigt, der Kanzler, der Vizekanzler, die Sozialministerin: Wir setzen die Ergebnisse der Rentenkommission eins zu eins um. Die Fraktionsvorstände von Union und SPD haben das im August bestätigt. Ich vertraue darauf, dass die Absprachen auch für den neuen Minister gelten. Das Ministerium hat in den letzten Monaten am Gesetzentwurf gearbeitet. Also: ab ins Kabinett damit und dann ins Parlament. Das gilt auch für die Arbeitsmarktreformen.
Hat die Koalition noch die Kraft dazu?
Wir brauchen ein neues Verständnis für unsere Zusammenarbeit. Es bringt nichts, wenn jedes Ministerium Dinge verzögert, um an anderer Stelle wieder einen Verhandlungshebel zu haben. Wir werden bald Halbzeitbilanz ziehen und uns fragen: Haben wir uns das Vertrauen verdient, das die Wähler uns gegeben haben? Haben wir das geliefert, was wir versprochen haben? Haben wir die Menschen bei Steuern und Abgaben entlastet, bei den Energiekosten, bei der Bürokratie? Wächst die Wirtschaft wieder, und senden wir ein Aufbruchsignal aus? Wenn wir jetzt liefern, wird die Koalition auch wieder zu der Stabilität kommen, die sie braucht. Das ist die erste Voraussetzung, damit wir wieder Zustimmung gewinnen.
Sie haben Entlastungen angesprochen. Mit der geplanten Steuerreform gleicht die Koalition nicht mal die inflationsbedingten Belastungen aus. Reicht das?
Dieses Vorhaben verdient den Namen Reform leider noch nicht: nur leichte Verbesserungen für einige Gruppen, kombiniert mit zusätzlichen Belastungen an anderer Stelle. Ziel muss doch sein, diejenigen mit kleinen Einkommen bei den Sozialabgaben zu entlasten und diejenigen mit mittleren und höheren Einkommen bei der Einkommensteuer, damit das System wieder als leistungsgerecht empfunden wird.
Im Sommer wurde wochenlang über eine große Reform verhandelt, am Ende scheiterte es an der Finanzierung. Warum sollte es jetzt klappen?
Die Dramatik war offenbar noch nicht groß genug. Ich würde mir einen neuen Anlauf wünschen: Dafür sind klare Haushaltsprioritäten nötig. Die Finanzhilfen haben sich seit der Coronapandemie von fünf bis sechs auf 60 Milliarden Euro verzehnfacht. Statt Gerechtigkeitslücken mit immer neuen Geldern zu schließen, brauchen wir ein Steuer- und Abgabensystem, das Leistung von Anfang an belohnt – und nicht diejenigen bestraft, die den Laden am Laufen halten.
Als es konkret wurde, hat aber auch die Union beim Subventionsabbau vieles blockiert.
Das stimmt. Deshalb will ich auch nicht nur auf den Koalitionspartner zeigen. Wir alle brauchen mehr Mut und Willen.
Wenn heute Wahl wäre, würde ein Drittel der Unionsabgeordneten nicht mehr in den Bundestag kommen – auch Sie nicht. Was macht das mit einem?
Es darf jedenfalls nichts mit uns persönlich machen, weil es nicht um uns geht. Ich bin vor zwei Jahren angetreten, um in zentralen Feldern an notwendigen Verbesserungen für unser Land zu arbeiten. Das galt in der Migrationspolitik wie für den schwerfälligen Staat. Wenn wir das Land für die Zukunft aufgestellt haben, dann lasse ich mich gerne abwählen. Ich will aber nicht dafür abgewählt werden, dass wir vier Jahre geschlafen haben.
AI outlook — possibilities, not facts
Rentenreform-Beschluss im Frühjahr
Possible · Within months

US presidential spokeswoman Katie Zacharia admitted that she had failed a bar exam and had used the title without a license. She also caused a stir with derogatory comments about China's sanitation facilities.
The Left strongly criticizes Federal Construction Minister Verena Hubertz (SPD) for announcing an investment protection law against real estate expropriation. Left leader Luigi Pantisano accuses the SPD of protecting the real estate lobby, while Hubertz emphasizes that socialization does not solve the housing problem.

The Berlin left-wing politician Vanessa Emde reiterated her statement in an Instagram video that there is no right to exist for states. Critics see this as a lack of commitment to Israel's right to exist, but the left-wing faction nevertheless took it up.

The CSU MEP Angelika Niebler is resigning from the chair of the German EPP delegation around five months after her chauffeur affair became known. There were allegations against her by the European Public Prosecutor's Office for private trips at state expense.
AfD co-chairwoman Alice Weidel believes Ukraine's defensive battle is lost and calls for negotiations with Russia in an interview with the Economist. She also calls for the deportation of millions of people and criticizes Marine Le Pen.

Finance Minister Lars Klingbeil speaks about Germany's debt burden, economic growth and reforms at the IMF meeting in Bangkok. Despite highly corrected growth, the IMF is calling for savings, while coalition disputes over pensions and taxes continue in Berlin.