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BackInvestor Niklas Zennström: „Europäische Gründer entwickeln heute eigene Innovationen statt Kopien“
Investor Niklas Zennström: „Europäische Gründer entwickeln heute eigene Innovationen statt Kopien“
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Handelsblatt1 hour agoBusiness6 min readGermanyView translation

Investor Niklas Zennström: „Europäische Gründer entwickeln heute eigene Innovationen statt Kopien“

Der Atomico-Gründer über das europäische Start-up-Ökosystem, den Mangel an Wachstumskapital und die Notwendigkeit, technologische Souveränität zu sichern.

Quick Look

  • Der Skype-Mitgründer und Investor Niklas Zennström sieht Europa auf einem guten Weg zu globalen Tech-Champions.
  • Er fordert jedoch mehr Wachstumskapital und institutionelle Investitionen, um zu verhindern, dass Talente und Firmen in die USA abwandern.

AI-generated summary

Why It Matters

Niklas Zennström gründete 2005 Skype und später den Risikokapitalgeber Atomico. Er ist eine zentrale Figur der europäischen Tech-Investorenszene.

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Investor Niklas Zennström glaubt an Europas Chance auf ein Billionen-Euro-Unternehmen. Noch fehlen dafür laut dem Atomico-Gründer aber Wachstumskapital und größere europäische Fonds.

Berlin. Niklas Zennström hat einst Europas erstes Einhorn mitgegründet. 2005 verkaufte er den Videotelefoniedienst Skype für rund drei Milliarden Dollar an Ebay.

Der Deal machte den Schweden zu einem Pionier der europäischen Tech-Szene, denn: Ein Jahr später gründete Zennström in London den Risikokapitalgeber Atomico, der milliardenschwere Start-ups wie das Raumfahrtunternehmen The Exploration Company und die KI-Firma DeepL mitfinanziert.

Zennström zeigt sich im Gespräch mit dem Handelsblatt überzeugt, dass Europa immer ehrgeiziger wird: „Jede neue Erfolgsgeschichte setzt die Messlatte für die nächste Generation höher.“ Früher habe ein typischer deutscher, schwedischer oder französischer Gründer oft eine Kopie eines US-Unternehmens gestartet und die Sprachbarriere als Schutzwall genutzt. Zennström macht klar: „Diese Zeiten sind vorbei. Europäische Gründer entwickeln heute eigene Innovationen statt Kopien.“

Herr Zennström, Sie arbeiten seit 20 Jahren als Investor in Europa und blicken unglaublich optimistisch auf das europäische Start-up-Ökosystem. Warum?

Die Gründer haben sich stark verändert. Vor 15 oder 20 Jahren baute ein typischer deutscher, schwedischer oder französischer Gründer oft eine Kopie eines US-Unternehmens und nutzte die Sprachbarriere als Schutzwall. Diese Zeiten sind vorbei. Europäische Gründer entwickeln heute eigene Innovationen statt Kopien. Sie bauen Unternehmen mit demselben Ehrgeiz wie US-Gründer und haben beinahe dieselben Möglichkeiten. Inzwischen kommen mehr als 450 Einhörner aus Europa, also Unternehmen mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde Dollar. Und es werden in Europa genauso viele Start-ups mit Risikokapital finanziert wie in den USA.

Trotzdem haben wir kein Facebook, kein Google und auch kein Nvidia hier in Europa.

Das Silicon Valley hat seinen Kreislauf in den 1960er-Jahren in Gang gesetzt und mehrere Generationen von Unternehmen hervorgebracht. Die europäische Tech-Branche ist erst 20 oder 25 Jahre alt. Aber jeder neue Jahrgang wächst schneller als der vorherige. Der Ehrgeiz nimmt mit jedem Durchbruch zu: Jede neue Erfolgsgeschichte setzt die Messlatte für die nächste Generation höher. Der Kreislauf funktioniert.

Mit den USA werden wir damit aber niemals gleichziehen, oder?

Die Frage ist, ob Europa Unternehmen auf eine vergleichbare Größe bringen kann. Ich sehe keinen Grund, warum das nicht möglich sein sollte. Ich glaube, dass wir irgendwann ein Billionen-Euro-Unternehmen sehen werden. Aber ich weiß nicht, welches Unternehmen es sein oder woher es kommen wird.

Was braucht es, um diese Entwicklung zu beschleunigen?

Ambitionierte Gründer, viele qualifizierte Fachkräfte, Kapital, um die Unternehmen zu vergrößern, und ein Umfeld, das das ermöglicht. Ersteres ist gegeben. Der Ehrgeiz europäischer Gründer ist heute derselbe wie der US-amerikanischer Gründer. Auch die Fähigkeiten sind vorhanden. Drei oder vier der zehn besten Universitäten befinden sich in Europa, und viele Talente führender Forschungslabore kommen von hier. Man darf auch nicht vergessen, dass das inzwischen zu Google gehörende KI-Forschungszentrum Deepmind in London sitzt.

Es mangelt an nichts?

Doch! Uns fehlt Wachstumskapital. Das ist der Grund, warum Unternehmen und Talente in die USA ziehen. Dort gibt es so viel Kapital, dass Investoren bereit sind, Risiken einzugehen. Das bleibt in Europa ein großes Problem. In den USA sind institutionelle Investoren und Pensionsfonds bereit, in Risikokapital und in die Wachstumsphase von Unternehmen zu investieren. Aber auch da passiert etwas. Das zeigt auch der Scaleup Europe Fund in Höhe von fünf Milliarden Euro.

Um dessen Verwaltung hat sich auch der von Ihnen gegründete Risikokapitalgeber Atomico beworben. Letztlich machte aber der Finanzinvestor EQT aus Schweden das Rennen. Sehr ärgerlich?

Wir fanden, dass unser Vorschlag sehr gut war. Am Ende wurden wir Zweiter. EQT aus Schweden kenne ich natürlich gut. Ich hoffe, ich war einer der Ersten, der ihnen zur neuen Aufgabe gratuliert hat. Wir haben auch schon gemeinsam investiert, zuletzt in das Raumfahrtunternehmen The Exploration Company.

Der Scaleup Europe Fund soll dafür sorgen, dass auch in späteren Finanzierungsrunden ein Investor aus Europa mit dabei ist. Warum ist das wichtig?

Wenn ich als Gründer ein Unternehmen aufbaue und die gesamte Wertschöpfung außerhalb Europas landet, etwa bei US-amerikanischen Pensionsfonds, ist das aus meiner Sicht eine verpasste Chance. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts entsteht durch technologische Innovation. Wenn wir Pensionskapital in europäische Start-ups und Wachstumsunternehmen lenken, fließt die Wertschöpfung später an die Rentner zurück.

Was ist mit den Unternehmen?

Wenn die Unternehmen mehr europäische Investoren haben, bleiben sie eher europäische, aber global tätige Unternehmen. Mit mehr US-Investoren entsteht ein Sog in die USA, und letztlich gehen viele Unternehmen dort an die Börse. So verlieren wir einen Teil dieser Unternehmen.

US-Investoren sehen seit Jahren das Potenzial der europäischen Start-ups. Sequoia, General Catalyst und Andreessen Horowitz haben inzwischen allesamt Teams, die sich auf Europa konzentrieren. Wie schauen Sie auf die Konkurrenz?

Das ist eine große Bestätigung für die europäische Tech-Branche. Außerdem haben Gründer dadurch mehr Auswahl bei der Wahl ihrer Investoren. Das ist das Beste, was ihnen passieren kann.

Für Atomico auch?

Für uns als Venture-Capital-Firma bedeutet das natürlich Wettbewerb. Wir müssen einen Grund bieten, warum Gründer unser Geld und nicht das eines amerikanischen Investors annehmen sollten. Häufig haben US-Fonds aber deutlich mehr Kapital und können deshalb größere Beträge investieren.

Kann Atomico nicht einfach auch größere Fonds auflegen?

Ja, in diese Richtung bewegen wir uns ganz sicher.

Atomico ist der erste Investor in Europa, der von ehemaligen Gründern aufgebaut wurde. Ist das Teil des Erfolgsrezepts?

Wir wollen Empathie für Gründer haben und verstehen, was es bedeutet, ein Unternehmen aufzubauen. Wir sagen: Die Gründer sind die Gamechanger, und wir sind ihre Partner. Obendrein haben wir ein operatives Team aufgebaut. Dort arbeiten Menschen mit konkreter Erfahrung in bestimmten Funktionen und in der Skalierung von Wachstumsunternehmen. Diese Fachleute unterstützen unsere Portfoliounternehmen dabei, größer zu werden. Das haben wir aus meinen Erfahrungen als Gründer gelernt und bei Atomico umgesetzt.

Der Telekommunikationsdienst Skype war bereits die dritte Firma, die Sie gegründet haben. Mit den beiden Firmen davor lief es nicht ganz gut wie dann mit Skype, das Sie für rund drei Milliarden an Ebay verkauften. Wie gehen Sie mit dem Scheitern um?

Scheitern ist ein wichtiger Teil des Erfolgs. Man muss es annehmen. Wenn ein Unternehmer Scheitern nicht akzeptiert, wird er nicht genügend Risiken eingehen, um erfolgreich zu sein. Als Investoren beschäftigen wir uns ständig damit. Das Geschäftsmodell einer Venture-Capital-Firma beruht auf einem Portfolio von Unternehmen: Einige werden erfolgreich sein, andere nicht.

Es gehört also dazu?

Traurig ist vor allem, was verloren geht. Das Münchener Flugtaxiunternehmen Lilium, das inzwischen insolvent ist, ist ein gutes Beispiel. Das Unternehmen wollte an der Spitze der elektrischen Luftfahrt stehen und ein europäischer Champion werden. Das wäre ein gesellschaftlich wichtiger Beitrag gewesen und hätte ein weltweit führendes Unternehmen hervorbringen können.

Der Videotelefoniedienst Skype war damals das erste Einhorn Europas. Was hat sich seither verändert?

Skype zeigte, dass Unternehmen der europäischen Tech-Branche, dass Gründer hierzulande globale Unternehmen aufbauen können.

Und der Erfolg von Skype hat viele nach sich gezogen.

Genau. Vor einigen Jahren haben wir anlässlich des 20-jährigen Bestehens von Skype eine Analyse erstellt. Damals kamen wir zu dem Schluss, dass 960 Unternehmen von ehemaligen Skype-Mitarbeitern oder Leuten gegründet worden waren, die wiederum in diesen Start-ups gearbeitet hatten. So entstehen diese Netzwerke, die wir „Start-up-Fabriken“ nennen. Ähnliche Effekte sieht man heute bei Unternehmen wie Revolut, Spotify, Klarna und Adyen.

Wie viele andere Investoren investiert auch Atomico stärker in Hardware. Warum?

Heute suchen wir stärker nach Unternehmen, die zur Widerstandsfähigkeit Europas beitragen. Dazu gehören die Zukunft der Rechenleistung, natürlich Künstliche Intelligenz, Materialien, Energie, Luft- und Raumfahrt sowie kritische Infrastruktur. Kürzlich haben wir in The Exploration Company investiert. Ich halte Hélène Huby für eine außergewöhnliche Gründerin. Sie verfolgt ihre Mission, weil Europa eine eigene Raumfahrtindustrie braucht. Genau solche Gründer und Unternehmen wollen wir unterstützen. Wir müssen sicherstellen, dass Europa kritische Technologien selbst besitzt oder einen Zugang hat – auch dann, wenn wir sie nicht selbst besitzen.

Sie sind jetzt seit 20 Jahren Investor. Macht es noch Spaß?

Wie bei jedem Beruf gibt es natürlich schwierige Momente. Für mich ist es aber eher eine Mission. Es ist ein großes Privileg, mit außergewöhnlichen Gründern zu arbeiten, ihnen nahe zu sein, ihnen ein wenig Rat zu geben und sie zu unterstützen. Außerdem glaube ich, dass die Mission, die wir vor 20 Jahren begonnen haben, heute wichtiger ist denn je. Wir und die anderen europäischen Venture-Capital-Firmen müssen weiterhin erfolgreich sein.

Ist die Nachfolge bei Atomico bereits geregelt?

Ich habe diese Firma gegründet und bin sehr stolz auf meine Partner, die deutlich jünger sind als ich. Irgendwann werden sie den Staffelstab übernehmen und die Firma in den nächsten 20 Jahren weiterführen.

Die richtigen Leute dafür hat Atomico?

Unsere Investmentpartner sind alle in ihren Dreißigern. Sie sind sehr gut und sehr ambitioniert. Ich bin stolz darauf, dass fünf von sechs Partnern bei Atomico als Nachwuchskräfte angefangen haben, als Associates. Es war großartig zu sehen, wie sie sich entwickelt haben. Sie sind viel klüger als ich, sehr ambitioniert, und ich habe großes Vertrauen in sie.

Die Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin haben zuletzt auch international für Aufsehen gesorgt. Einige Geldgeber befürchten, dass sich Ergebnisse negativ auf das Investitionsklima auswirken könnten. Wie stehen Sie dazu?

Ich kann mich nicht allgemein zum Ausgang von Wahlen äußern. Für uns kommt es darauf an, ob Europa der beste Ort der Welt für Innovation und Unternehmensgründung ist. Wir stehen weltweit im Wettbewerb um Fachkräfte, Kapital und die nächste Generation von Technologieführern. Und die Länder, in denen es am einfachsten ist, ein Unternehmen zu gründen, Mitarbeiter einzustellen und zu expandieren, werden sich durchsetzen. Ich bin davon überzeugt, dass die Achtung der Rechtsstaatlichkeit sowie eine transparente und offene Gesellschaft eine grundlegende Voraussetzung dafür sind.

Sie sind passionierter Segler, genau wie der Earlybird-Gründer Hendrik Brandis. Waren Sie schon gemeinsam auf einem Boot unterwegs?

Nein, ich bin weder mit ihm noch gegen ihn gesegelt. Wir waren aber im August bei derselben Regatta auf Mallorca.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Atomico wird größere Fonds auflegen.

    Likely · Within months

Open Questions

  • Wann wird das erste europäische Billionen-Euro-Unternehmen entstehen?
  • Wie effektiv wird der Scaleup Europe Fund den Kapitalmangel beheben?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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