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Isar Aerospace: Nach historischem Raketenstart beginnt der Weg zur Routine
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n-tv Wirtschaft1 hour agoTech4 min readGermany

Isar Aerospace: Nach historischem Raketenstart beginnt der Weg zur Routine

Der erfolgreiche Orbit-Flug der Spectrum-Rakete ist ein Meilenstein, doch für den wirtschaftlichen Erfolg sind nun politische Weichenstellungen und eine stabile Nachfrage entscheidend.

Quick Look

  • Das deutsche Startup Isar Aerospace hat mit dem ersten privat entwickelten Raketenstart vom europäischen Boden den Orbit erreicht.
  • Experten sehen darin einen wichtigen Machbarkeitsnachweis, betonen jedoch, dass für den wirtschaftlichen Erfolg nun eine hohe Startfrequenz und politische Unterstützung nötig sind.

AI-generated summary

Why It Matters

Isar Aerospace wurde 2018 gegründet und ist eines von vielen europäischen Startups, die den Weltraummarkt erschließen wollen. Der erfolgreiche Testflug folgte auf einen gescheiterten Versuch im März 2025.

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Mit dem geglückten Raketenstart feiert Isar Aerospace einen historischen Erfolg für Europa. Doch der Weg zum Routinebetrieb ist lang. Die Zukunft des Startups entscheidet sich nicht auf der Startrampe, sondern in Brüssel und Berlin.

Am Wochenende hat das erste Mal eine privat entwickelte Rakete vom europäischen Kontinent aus den Orbit erreicht. Für die deutsche Raumfahrtgeschichte ist der Start vom norwegischen Weltraumbahnhof Andoya ein Meilenstein. Möglich gemacht hat das ein bayrisches Raumfahrtunternehmen: Isar Aerospace. Die 28 Meter lange "Spectrum"-Rakete kann Nutzlasten von bis zu einer Tonne transportieren.

Das Unternehmen selbst feierte sich und bezeichnete den erfolgreichen Flug als Wendepunkt für Europa. "Wir haben in wenigen Jahren erreicht, wofür die europäische Raumfahrtindustrie zuvor Jahrzehnte gebraucht hat", erklärte Chef Daniel Metzler. "Europa hat jetzt einen souveränen Zugang zum Weltraum."

Ob der Flug in den Orbit der erhoffte Durchbruch ist und welche Bedeutung ihm beizumessen ist, ordnen zwei Experten im Gespräch mit ntv.de ein. Der Raumfahrt- und Raketenanalyst Markus Schiller sagt, ein einzelner erfolgreicher Start sei zwar ein guter Anfang. "Daraus jetzt ein unmittelbar bevorstehendes europäisches Weltraumzeitalter abzuleiten, ist aber verfrüht."

Für das Unternehmen aus Ottobrunn bei München war es der zweite Start. Beim ersten Versuch im März 2025 war die Rakete 30 Sekunden nach dem Start planmäßig ins Meer gestürzt. Der Testflug der zweiten Mission "Onward and Upward" (Vorwärts und Aufwärts) der Rakete war eigentlich für Januar geplant gewesen, aber mehrfach wegen technischer Probleme oder ungünstiger Wetterbedingungen verschoben worden.

Isar Aerospace wurde 2018 gegründet und gehört zu mehreren deutschen und europäischen Unternehmen, die Europa in der Raumfahrt unabhängiger von den USA und Russland machen wollen. Bisher wird das Geschäft mit Trägerraketen von US-Milliardär Elon Musk dominiert. Das ist europäischen Raumfahrtunternehmen oftmals auch deswegen ein Dorn im Auge, weil die Auftraggeber in den USA die technischen Spezifikationen ihrer Satelliten offenlegen müssen.

"Vor dem Flug war Isar Aerospace eine Wette"

Schiller sieht in dem geglückten Start erstmal nur einen "Machbarkeitsnachweis". Das Team habe bewiesen, dass es die Technologie beherrscht. "Bis zu einem routinierten Regelbetrieb auf Augenhöhe mit SpaceX liegt aber noch ein weiter Weg vor Isar Aerospace."

Know-how, Wille und Talente am Standort Europa seien vorhanden, so Schiller. Jetzt müssten Markt und Regulatorik nachziehen. Dem stimmt auch Torsten Kriening zu. Ein Standort beweise sich erst durch regelmäßige Starts, kalkulierbare Preise und zahlende Kunden, sagt der SpaceWatch.Global-Herausgeber ntv.de. Für Investoren sei der Testflug deshalb wichtig gewesen. "Vor dem Flug war Isar Aerospace eine Wette. Jetzt ist es ein Unternehmen mit nachgewiesener Orbitalfähigkeit. Davon gibt es weltweit weniger als ein Dutzend."

Isar Aerospace will in diesem und im nächsten Jahr weitere Starts in Norwegen folgen lassen. Ab Anfang 2028 sollen die Spectrum-Raketen zudem von einer geplanten zweiten Startbasis in Kanada abheben. Es gebe außerdem Gespräche mit mehr als zwei Dutzend weiteren Ländern.

"Europa kann liefern", sagte Metzler. Mit der Eröffnung einer neuen Produktionshalle könnten künftig bis zu 40 Trägerraketen pro Jahr hergestellt werden. Herausgeber Kriening zufolge geben die momentan vorhandenen Startplätze diese Frequenz logistisch allerdings noch nicht her. Er gibt zu bedenken: "Startkapazität entsteht nicht durch Beton, sondern durch Genehmigungen, Luftraum- und Seeraumsperrungen und die Zustimmung von Anwohnern."

Ab wie vielen Flügen das Unternehmen die Gewinnschwelle erreicht, lässt sich laut Kriening von außen nicht belastbar beziffern, da Isar Aerospace keine Stückkosten veröffentlicht. "Bei kleinen Trägern liegt der Break-even branchenüblich im niedrigen zweistelligen Bereich pro Jahr." Mit zwei oder drei Flügen könne ein Unternehmen die enormen Fixkosten keineswegs decken. Entscheidend werde nicht die Marke von 40 gebauten Raketen pro Jahr sein, sondern, wann das Unternehmen den zehnten, zwölften oder fünfzehnten Flug pro Jahr erreicht und ob der Markt diese Frequenz am Ende auch nachfragt.

Sowohl die Bundesregierung als auch die EU und andere europäische Staaten haben ein strategisches Interesse am Erfolg des Unternehmens mit seinen rund 400 Mitarbeitern. Die Unabhängigkeit von außereuropäischen Weltraumfirmen wird nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs immer wichtiger. Er verdeutlicht die Bedeutung von Satelliten für Kommunikation, Navigation und Erdbeobachtung.

Das haben auch die Investoren erkannt. Schätzungen zufolge sind in Deutschland mehr als 100 "New Space"-Unternehmen aktiv. Darunter verstehen Experten Startups, die das Weltall als Wirtschaftsraum erschließen wollen. Dem Branchendienst Spacenexus zufolge lag das weltweite Volumen dieses Sektors 2025 bei etwa 380 Milliarden Dollar. Der Markt werde auf absehbare Zeit um jährlich sieben bis neun Prozent wachsen.

Vom weltweiten Wachstum des Sektors profitiert auch das Startup aus Ottobrunn: Isar Aerospace hat nach Firmenangaben bislang über eine halbe Milliarde Euro an Risikokapital eingeworben. Zuletzt hatte das Unternehmen einen Vertrag über 200 Millionen Euro mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA unterzeichnet. Öffentliche Großaufträge dieser Art schaffen das nötige Vertrauen am Markt. Doch um die Fabrik auf Jahre hinaus auszulasten, reichen punktuelle Anschubfinanzierungen nicht aus. Laut Kriening stellt sich vor allem die Frage, ob der absehbare Bedarf in mehrjährige, verbindliche Verträge übersetzt wird. "Genau das war bisher die größte Schwachstelle der europäischen Beschaffung."

Nachfrage beschleunigt Marktbereinigung

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius kündigte bis zum Jahr 2030 insgesamt 35 Milliarden Euro an Investitionen in die Weltraumsicherheit und militärische Raumfahrtprojekte an. Diese Milliarden-Verheißung spiegelt sich längst in den Auftragsbüchern des Startups wider: Rund 60 Prozent der Anfragen an Isar Aerospace kommen nach Unternehmensangaben mittlerweile aus dem militärischen Bereich. Isar Aerospace ist demnach jetzt schon mit Aufträgen über mehrere hundert Millionen Dollar bis zum Jahr 2028 ausgebucht, obwohl die Rakete noch nicht serienreif ist.

Erfolgreich sind langfristig Experten zufolge nur eine Handvoll Unternehmen. Kriening weist darauf hin, dass die Marktbereinigung durch die Nachfrage sogar eher beschleunigt als gehemmt werde. Für ein Verteidigungsministerium stehe die Verlässlichkeit und nachgewiesene Leistungsfähigkeit eines einzelnen Partners im Vordergrund und nicht die Anzahl verschiedener Anbieter. Unternehmen, die den Orbitalflug in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht schaffen, werden es schwer haben. "Die Konsolidierung läuft dabei unauffällig: nicht über Übernahmen, sondern über Unternehmen, die keine Anschlussfinanzierung mehr finden", sagt Kriening.

Sollte das Unternehmen sein volles Potenzial ausschöpfen, schätzt Kriening, könnte sich Isar Aerospace in den nächsten fünf bis zehn Jahren mit 15 bis 20 jährlichen Starts von verschiedenen Startplätzen als führender Standardanbieter für europäische institutionelle sowie sicherheitsrelevante Missionen etablieren. Ob aus der Technik allerdings eine Industrie werde, entscheiden Beschaffungspläne in Brüssel, Paris und Berlin.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Weitere Starts in Norwegen im laufenden und kommenden Jahr.

    Likely · Within months

Open Questions

  • Wann erreicht das Unternehmen die Gewinnschwelle?
  • Wie hoch ist die tatsächliche Nachfrage nach kommerziellen Starts?

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This article was originally published by n-tv Wirtschaft.

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