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Joachim Gauck sieht tiefe Spaltung in ostdeutscher Bevölkerung
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Die Zeit14 minutes agoPolitics1 min readGermany

Joachim Gauck sieht tiefe Spaltung in ostdeutscher Bevölkerung

Der frühere Bundespräsident spricht über Desorientierung, den Erfolg von Rechtsaußenparteien und die Errungenschaften der Wiedervereinigung.

Quick Look

  • Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck konstatiert eine tiefe Spaltung in Ostdeutschland.
  • Er führt dies auf Desorientierung nach der Wende und mangelnde Anerkennung von Biografien zurück, betont jedoch die Notwendigkeit, die freiheitliche Gesellschaft zu verteidigen.

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Why It Matters

Joachim Gauck äußerte sich bei einer Konferenz der Gewerkschaft Verdi in Rostock. Er reflektierte über die gesellschaftlichen Entwicklungen seit der deutschen Wiedervereinigung.

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Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck sieht eine tiefe Spaltung innerhalb der Bevölkerung im Osten Deutschlands. «Zwischen den aufgebrochenen und positiv denkenden Menschen und denen, die es schwer haben, die irgendwie fremdeln mit dieser offenen Gesellschaft», sagte der 86-Jährige in Rostock bei einer Konferenz der Gewerkschaft Verdi mit Vertrauensleuten der Deutschen Post.

Nach der Wende habe die Mehrheit der Ostdeutschen «Ja» gesagt zum Wandel, neuen Möglichkeiten und den damit verbundenen Herausforderungen. Sie hätten sich beispielsweise engagiert als Unternehmer, in der Politik oder als Gewerkschafter.

Es habe aber auch riesige Gruppen völlig desorientierter Menschen gegeben. «Viele, die den Anschluss verloren haben und ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber einer Gesellschaft, in der man selber Verantwortung übernehmen muss. Und das muss man ja lernen, dieses "Ja" zur Verantwortung.»

Gauck stellte eine Verbindung zum Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt her: «Das haben wir bei der letzten Wahl gesehen, in Sachsen-Anhalt. Das sortiert sich dann auch.»

Gauck: Rechtsaußen hat kein tragendes Zukunftsmodell

Die Wiedervereinigung habe viele Menschen verunsichert, etwa weil Betriebe geschlossen wurden, Menschen ihre Positionen verloren hätten und Verständnis und Anerkennung für ihre Biografien fehlte. «Das ist so eine Sache, die immer noch in den ostdeutschen Bevölkerungsteilen steckt. Wir im Osten sind total gespalten», so Gauck.

Rechtsaußenparteien überall auf der Welt seien erfolgreich, weil sie versprächen, es könne wieder so werden wie früher. «Also nicht so viel Fremde, nicht so viel Veränderung, nicht so viel kulturelle Vielfalt.» Teils hätten Politiker nicht verstanden, dass man Migration steuern müsse. Dann hätten Rechtsaußenvertreter mitunter einen Punkt. «Was sie nicht haben, ist ein tragendes Zukunftsmodell.»

In Rostock geboren war Gauck unter anderem Pastor, DDR-Bürgerrechtler und Chef der Stasi-Unterlagenbehörde.

Gauck betonte die Errungenschaften in Deutschland auch im Vergleich zur DDR. Er verwies unter anderem auf echte, freie Wahlen; Meinungs- und Redefreiheit oder auch die unabhängige Rechtsprechung und den Frieden mit den direkten Nachbarstaaten. Probleme und Mängel sollten zu diesen Errungenschaften ins Verhältnis gesetzt werden. «Darum haben wir etwas zu verteidigen. Diese offene, freiheitliche Gesellschaft und dieser Rechtsstaat ist nicht irgendetwas, was wir eintauschen möchten.»

Open Questions

  • Welche konkreten Maßnahmen schlägt Gauck zur Überwindung der Spaltung vor?

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This article was originally published by Die Zeit.

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