Jochen Flasbarth wechselt vom Umweltministerium zur European Climate Foundation
Quick Look
- Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, wechselt zur European Climate Foundation als neuer CEO.
- Er folgt Laurence Tubiana nach und tritt das Amt im Februar an, nachdem er sein Ministeriumsamt im November aufgibt.
- Der Wechsel erfolgt trotz rückläufiger Klimaprioritäten der Bundesregierung unter Einfluss von Russlandkonflikt, Trump-Politik und Energiepreisen.
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Why It Matters
Jochen Flasbarth war von 2009 bis 2013 Präsident des Umweltbundesamts und anschließend bis 2021 Staatssekretär im Bundesumweltministerium. Nach einer Rückkehr im Mai 2025 wechselte er nun zur European Climate Foundation, nachdem frühere Bemühungen um eine Position bei Unep gescheitert waren.
Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, gibt sein Amt auf und wechselt zu einer der einflussreichsten Klimaschutz-Organisationen. Wie der SPIEGEL aus Ministeriumskreisen erfuhr, hat der Aufsichtsrat der European Climate Foundation am Montagabend entschieden, Flasbarth zum Chief Executive Officer zu berufen. Der 64-Jährige wird damit Nachfolger der Französin Laurence Tubiana, die als eine der Architekten des Pariser Klimaabkommens von 2015 gilt.
Flasbarth soll seinen neuen Posten laut den Angaben im Februar antreten, werde aber wohl schon Anfang November sein Amt im Umweltministerium aufgeben. Dort soll Heike Henn neue Staatssekretärin werden. Derzeit leitet sie die Abteilung für internationalen Umwelt- und Klimaschutz.
Flasbarth wollte schon länger von der Bundes- in die internationale Klimapolitik wechseln. 2016 sollte er Nachfolger von Achim Steiner als Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) werden, unterlag aber dem Norweger Erik Solheim. 2018 scheiterte er im zweiten Anlauf erneut, diesmal an der Dänin Inger Andresen.
Seinen Wunsch nach einem Wechsel auf die internationale Ebene verwirklicht Flasbarth nun mit dem Wechsel zur European Climate Foundation. Die Stiftung mit Hauptsitz in Den Haag gilt als eine der weltweit wichtigsten Geldgeberinnen für klimapolitische Projekte. Im Jahr 2025 verfügte sie über ein Budget von fast 258 Millionen Euro. Das meiste kommt von anderen Stiftungen, etwa der Gates Foundation, Bloomberg Philanthropies, der Ikea- oder der Robert Bosch Stiftung.
Klimaschutz genießt keine Priorität mehr
Flasbarth zählt zu den erfahrensten Klima- und Umweltschutzexperten der Bundesregierung. Von 1992 bis 2003 leitete er den Naturschutzbund Deutschland (Nabu), 2003 wechselte er als Abteilungsleiter für Naturschutz ins Bundesumweltministerium, von 2009 bis 2013 war er Präsident des Umweltbundesamts. Anschließend war Flasbarth bis 2021 Staatssekretär im Umweltministerium – acht Jahre, in denen Klima- und Artenschutz zu den wichtigsten Feldern der deutschen Politik gehörten.
Nach vier Jahren im Entwicklungsministerium kam Flasbarth im Mai 2025 ins Umweltministerium zurück, allerdings unter gänzlich anderen Vorzeichen als beim ersten Mal. Die Bedrohung durch ein aggressives Russland, die Politik von US-Präsident Donald Trump und explodierende Energiepreise haben den Klimaschutz auf der Liste politischer Prioritäten der Bundesregierung weit nach unten rutschen lassen.
Das aber, so heißt es aus Regierungskreisen, soll Flasbarth nicht zum Weggang bewogen haben, im Gegenteil: Es habe ihn zuletzt motiviert, bisherige Errungenschaften zu verteidigen. Der Wunsch nach einem Wirken auf internationaler Ebene sei aber noch stärker gewesen.
Flasbarths unmittelbarer Wechsel vom Posten des Staatssekretärs zu einer Klimastiftung könnte auch auf Kritik stoßen. Sein neuer Job steht inhaltlich in enger Verbindung zu seinem bisherigen Amt, er könnte von Kontakten und Kenntnissen aus seiner Zeit als Staatssekretär profitieren.
Laut Bundesbeamtengesetz kann ein neuer Job, der mit der früheren dienstlichen Tätigkeit »im Zusammenhang steht«, bis zu fünf Jahre nach Amtsende anzeigepflichtig sein. Er kann im Extremfall auch untersagt werden, sollte zu befürchten stehen, dass »dienstliche Interessen beeinträchtigt werden«.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Heike Henn wird die neue Staatssekretärin im Bundesumweltministerium werden.
Very likely · Within weeks
Open Questions
- Wird der Wechsel von Flasbarth zur European Climate Foundation aufgrund des Bundesbeamtenrechts untersucht?
- Welche konkreten Projekte wird Flasbarth bei der European Climate Foundation leiten?
- Wie wird die Nachfolge von Heike Henn im Bundesumweltministerium ausgestaltet?







