
Im ecuadorianischen Amazonas-Gebiet kämpft die indigene Gemeinschaft Sinchi Warmi um den Erhalt ihres Waldes, der durch illegale Goldminen und die Ausbreitung von Drogenkartellen zunehmend zerstört wird.
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Die Region am Río Napo ist seit den 1960er Jahren durch Ölförderung und Siedlungsdruck geprägt. Die Sinchi Warmi versuchen durch Landkauf und Ökotourismus eine nachhaltige Alternative zu schaffen.
Es ist Mittwoch, und alle sind gekommen. Betty und Nelly stehen mit Gummistiefeln an den Füßen und Macheten in den Händen am Waldrand und kämpfen mit den Buschmessern das Gestrüpp nieder. Die beiden Schwestern säubern den Boden, denn sie wollen hier eine Chakra anlegen, einen traditionellen Waldgarten, in dem sie Maniok, Kakao, Bananen und Heilpflanzen anbauen.
Ein paar Meter von ihnen entfernt sind Bettys Mann und ihr Bruder dabei, ein altes Holzkanu zu reparieren, während direkt daneben eine Gruppe Frauen und Männer um einen Haufen Erde herum auf Baumstümpfen sitzen und im Akkord Baumsetzlinge einpflanzen, die später in den Wald gebracht werden. Auch die Kinder arbeiten mit, nur die ganz Kleinen sind auf einen Sandhaufen geklettert, von dem sie sich immer wieder jauchzend herunterpurzeln lassen.
Die Stimmung ist gelöst, die Frauen necken die Männer und als eine aus der Runde einen anzüglichen Witz macht, lachen die Frauen laut auf, während die Männer nur still in sich hineingrinsen. Hier geben die Frauen den Ton an, auch wenn die Männer das niemals zugeben würden.
Jeden Mittwoch treffen sich die Sinchi Warmi, eine indigene Gemeinschaftsorganisation von 24 Personen und ihren Angehörigen, zur Minga. Es ist der Tag, an dem nicht jeder für sich selbst arbeitet, sondern alle zusammen für ein gemeinsames Projekt. Bei dem Volk der Kichwa im ecuadorianischen Amazonas-Gebiet ist die Gemeinschaftsarbeit in der Minga eine feste Tradition, fern bleibt nur, wer einen wichtigen Grund hat. Alle arbeiten dann zusammen auf dem Feld, decken ein Hausdach oder reparieren einen Zaun. Aber am liebsten verbringen die Sinchi Warmi die Minga wie heute mit Arbeiten in ihrem eigenen Wald: 35 Hektar tropischen Sekundärregenwalds, der seit einem Jahr nur ihnen gehört.
Für die Sinchi Warmi ist dieser Wald viel mehr als ein Stück dicht bewachsenes Land. Er ist ihr Lebensraum, ihre Nahrungs- und Wasserquelle, eine Brücke in die Vergangenheit und gleichzeitig in die Zukunft. Die Kichwa im Amazonas-Gebiet haben schon immer in, mit und von dem Wald gelebt, er ist der Hort ihrer Kultur und ihrer Spiritualität, und wenn Betty, eine der Gründerinnen von Sinchi Warmi, sagt, dass sie ihr Leben für den Wald geben würde, dann ist das kein hohles Pathos.
Der Wald ist für die Gemeinschaft überlebenswichtig. Und er ist bedroht wie noch nie zuvor, seit sich illegale Goldminen am Ufer des Río Napos ausbreiten und sich vom Wasser aus in den Regenwald hineinfressen wie ein Termitenschwarm in einen Holzbalken und dabei ebenso so viel unwiederbringliche Zerstörung hinterlassen. Diese Schneisen aus rotbrauner Erde, die die Goldsucher in die grüne Vegetation geschlagen haben, zeigen sich uns an vielen Stellen entlang des Flusses. Dem Wald der Sinchi Warmi sind sie schon gefährlich nahegekommen.
Damit ihm nicht dasselbe Schicksal droht, damit nicht jemand Fremdes in ihrem Wald anfängt, nach Gold zu graben oder die wilden Tiere jagt, ist er eingezäunt – und wir müssen ein Tor aufschließen, um ihn zu betreten. Ein Schild verweist darauf, dass der Wald „24 Stunden unter indigener Bewachung“ stehe. Es wirkt bizarr, dass ein Stück Regenwald, den man nur über eine holprige Piste erreicht, gesichert ist wie eine Gated Community am Rande einer Großstadt, doch zeigt es nur, wie hart umkämpft jeder Flecken Natur in dieser Region mittlerweile ist.
Nachdem wir das Tor passiert haben, stehen wir am Waldrand unter einer schlafenden Eule, gehen aber erst hinein, nachdem wir ein Teil des Waldes geworden sind. Wer in die Natur eindringt, muss ihr vorher seinen Respekt erweisen, so will es die Tradition. Nelly pflückt ein paar Blätter der Toquilla-Palme, windet daraus für jeden einen grünen Kranz und bemalt unsere Wangen mit der karmesinroten Farbe einer Blüte und spricht ein paar Worte auf Kichwa. Erst dann sind wir bereit loszugehen. Nelly ist 55 Jahre alt, hat 12 Kinder geboren und miterlebt, wie sich diese Region in ihrer bisherigen Lebenszeit verändert hat.
Bei ihrer Geburt lebte sie hier in einer von Menschen kaum berührten Wildnis, neben den indigenen Siedlungen gab es eine einzige Straße und eine Kirche. Nelly ist bei ihrem Großvater, einem Jäger, aufgewachsen, der sein Wissen über die Natur mit ihr geteilt und sie mit den Riten der Gemeinschaft vertraut gemacht hat.
Wenn man mit ihr durch den Regenwald geht, ist es, als laufe man durch ihren Vorgarten. Über jede Pflanze und jeden Baum kann sie etwas erzählen, weiß, welches Blatt ausgekocht gegen Regelbeschwerden hilft und welches gegen Fieber. Sie weiß, dass Termiten, wenn man sie auf der Haut zerreibt, vor Mückenstichen schützen, und bei welchem Baum man Schutz suchen muss, wenn man einem Puma begegnet. Als die Männer eine Puma-Spur entdecken, wollen wir unser neues Wissen gleich anwenden, aber sie lachen nur und sagen, die größte Gefahr in diesem Wald sei es, von einer Riesenameise gebissen zu werden, das täte wirklich weh.
Es ist ein jahrhundertealter Wissensschatz, der droht, mit der fortschreitenden Abholzung des Regenwaldes zu verschwinden, denn es ist ein gelebtes Wissen, das nicht in Büchern oder im Internet steht, sondern im täglichen Miteinander in der Natur, und das von den Alten an die Jungen weitergeben wird – so war es jedenfalls über Jahrhunderte.
Doch in Nellys Generation hat es einen Bruch gegeben. Ihre Kinder wüssten viel weniger über die Natur als sie selbst und ihre Geschwister, sagt sie. Ihre Hoffnung, dass die Kultur und das Wissen überleben, ruht auf den Enkeln, die nun wieder die Möglichkeit haben, im und mit dem Wald aufzuwachsen, den die Gemeinschaft mit Unterstützung der gemeinnützigen V Social Foundation gekauft hat. An Begeisterung mangelt es nicht: Die Enkel gehen mit genau so viel Stolz und Selbstverständlichkeit in die Wildnis wie ihre Großeltern. Wenn man mit den verschiedenen Generationen im Wald unterwegs ist, hat man den Eindruck, als wären Menschen nach Jahren in der Diaspora in ihre Heimat zurückgekehrt.
Der biographische Bruch, den Nelly und ihre Geschwister erfahren haben, hat mit der Verdrängung der Indigenen aus ihrem angestammten Lebensraum am Napo-Fluss in den vergangenen Jahrzehnten zu tun. Im ecuadorianischen Amazonas-Gebiet wurden in den Sechzigerjahren Ölvorkommen entdeckt. Damit wurde die Region, um die sich bis dahin kein Politiker in der Hauptstadt Quito wirklich geschert hatte, quasi über Nacht wirtschaftlich interessant.
Mit dem Ölrausch kamen die Siedler aus anderen Teilen des Landes und verdrängten die Indigenen. Die Wildnis wurde zur Ressource, der Wald zur Handelsware, und die ursprünglichen Bewohner waren plötzlich Menschen zweiter Klasse. Einige Völker zogen sich weiter in die Wildnis zurück, die Kichwa hingegen nahmen den katholischen Glauben an und arrangierten sich mit der neuen Situation, auch wenn sie weiterhin von den „colonos“, den Siedlern, in Abgrenzung zu ihren eigenen Gemeinschaften sprechen – und auch der Besucher schnell merkt, in welchen Dörfern die Zugezogenen leben und in welchen die indigene Bevölkerung.
Vor etwa zwanzig Jahren gründete eine Gruppe Frauen um die Schwestern Nelly und Betty die Gemeinschaftsorganisation Sinchi Warmi, was übersetzt „Starke Frauen“ heißt. Sie bauten mithilfe von Spendengeldern eine Lodge auf, die zum beliebten Ziel für Ökotouristen aus aller Welt wurde. Die Lodge und das angeschlossene Restaurant sollen das Einkommen der nächsten Generation sichern – damit sie es nicht so schwer hat wie ihre Eltern, die oft Hunger litten, weil ihnen mit dem Zugang zum Wald auch der Zugang zu den Tieren, die sie jagten, und den Pflanzen, die sie pflückten, versperrt war. Wenn Nelly heute von ihren Jahren als junge Mutter erzählt, in denen sie ihre zwölf Kinder kaum satt bekam und sie fast ausschließlich mit Chicha ernährte, einem Brei aus gekochten und fermentierten Maniok-Wurzeln, steigen ihr noch immer die Tränen in die Augen.
Seit etwa fünf Jahren hat sich die Zerstörung der Natur rund um den Napo und seine Zuflüsse noch einmal beschleunigt und stellt damit auch die Existenzgrundlage der Sinchi Warmi in Frage, deren Lodge nur gebucht wird, solange die Gäste drumherum auch eine intakte Natur erleben und keine ökologische Wüste. Diese Verwüstung verantworten illegale Goldminen, deren starke Ausbreitung in der Region wiederum Teil einer fatalen Entwicklung in ganz Südamerika ist. Seit vor einigen Jahre die Drogenkartelle ihre Aktivitäten von Mexiko und Kolumbien verstärkt nach Ecuador verlagert haben, ist eine Welle der Gewalt über das Land gerollt.
Die Drogenkartelle, die in Wirklichkeit diversifizierte Verbrechersyndikate sind, drangen bis ins Amazonas-Gebiet vor. Dort stießen sie in ein Vakuum, das sie mit illegalem Goldabbau, Waffenhandel, Prostitution und Gewalt füllten. Die Lücke war entstanden, weil ausländische Touristen zuerst wegen der Pandemie fortgeblieben waren und nach deren Ende aus Angst vor der Kriminalität nicht mehr nach Ecuador zurückkehrten. Viele Männer, die sich einst als Taxifahrer oder Kellner verdingten, arbeiten heute in den Minen – oder für die Kartelle.
Gleichzeitig ist der Goldpreis in derselben Zeit in die Höhe geschossen. Kostete eine Feinunze am Weltmarkt 2021 noch durchschnittlich 1800 Dollar, war es im Januar dieses Jahres mit 5400 Dollar das Dreifache. Dank dieser Preissprünge lohnt sich plötzlich auch die Goldsuche jenseits der Flüsse in Böden mit einer relativ geringen Konzentration des Edelmetalls. Je niedriger der Goldgehalt im Boden, desto mehr Fläche muss aber auch bewegt und abgesucht werden und desto größer ist die Zerstörung.
Mit Juan begeben wir uns auf die Spuren der Goldschürfer. Er ist Mitarbeiter der V Social Foundation, der die Sinchi Warmi dabei unterstützt, den Wald nachhaltig aufzuforsten und eine Saatgutbank und Baumschule aufzubauen, die ihnen später ein zusätzliches Einkommen sichern sollen. Er ermahnt uns, vorsichtig zu sein und uns als Touristen auf der Suche nach einer Lodge auszugeben und nicht als Journalisten. Wer sich den Goldminen in den Weg stellt, lebt gefährlich. Kritiker werden immer wieder bedroht oder gar ermordet.
Dabei geben sich die Betreiber nicht einmal Mühe, ihre illegalen Aktivitäten besonders zu verbergen. Die meisten Minen, die sich entlang der Flüsse befinden, verstecken sich zwar hinter dichter Vegetation. „Wenn man mehrere Motorroller vor einem Waldweg stehen sieht, weiß man, dass dahinter eine Mine liegt“, sagt Juan. Die Motorroller gehören den Minenarbeitern, meist Einheimischen, die mangels Alternativen dieser gefährlichen Arbeit nachgehen, bei der es häufig zu Unfällen kommt. Auf unserer Fahrt kommen wir ständig an Ansammlungen von Motorrollern am Straßenrand vorbei.
Andere Minen zeigen sich ganz offen: Entlang einer Nebenstraße sehen wir mitten im Wald große gerodete Flächen, auf denen Bagger hin- und herfahren. Es sieht aus wie eine Großbaustelle, doch der Schein trügt. Hier wird nichts aufgebaut, sondern nur vernichtet. Die oberen Bodenschichten werden abgetragen und in eine Waschanlage gegeben, um dort unter Einsatz von Quecksilber das Gold aus der Erde herauszufiltern.
Wenn das Gebiet abgegrast ist, ziehen die Bagger weiter. Zurück bleiben verwüstete Flächen und die Schwermetalle, die nicht nur den Boden belasten, sondern zunehmend auch die Flüsse. Das Gift steckt in den Fischen, die die Männer angeln, in den Maniok-Wurzeln, aus denen die Frauen die Chicha kochen, und in den Hühnereiern, die die Kinder zum Frühstück essen.
Wir fahren durch ein Dorf, dessen gesamte männliche Bevölkerung vor ein paar Monaten bei einer Razzia von der Polizei abgeholt wurde, weil angeblich alle in den illegalen Bergbau verstrickt waren. Abgesehen von solchen spektakulären, medienwirksamen Aktionen verschließen die Politiker sonst eher ihre Augen. „Die meisten von denen sind hier ohnehin geschmiert und verdienen mit“, sagt Juan desillusioniert.
Durch die meisten indigenen Gemeinschaften geht jedoch ein tiefer Riss. Diejenigen, die an den Goldminen mitverdienen wollen, und diejenigen, die sich gegen die Zerstörung ihrer Heimat wehren, stehen sich zunehmend unversöhnlich gegenüber. Manchmal geht dieser Riss sogar durch die Familien. So ist es auch bei Nelly. Einer ihrer Söhne arbeitet in einer Goldmine, während sie selbst und ihre Tochter an vorderster Front für den Schutz des Regenwaldes kämpfen.
Nelly und ihre Mitstreiterinnen von den Sinchi Warmi wären glücklich, wenn ihr eigener Wald auch den benachbarten indigenen Gemeinschaften zeigen könnte, dass es eine Alternative zur Zerstörung gibt. Wenn ihr Plan gelingt und der Wald ihnen künftig auch ein Einkommen beschert, indem sie Saatgut und Baumsetzlinge verkaufen und geführte Touren für Gäste anbieten, dann hoffen sie, dass andere ihnen auf diesem Weg folgen werden.
In Puerto Misahuallí, wo der Río Misahuallí in den Río Napo fließt, der wiederum Hunderte Kilometer weiter südöstlich in den Amazonas mündet, machen wir eine Pause. Früher tummelten sich hier die Touristen, machten Bootsfahrten auf dem Fluss und gingen mit Fotoapparaten und Ferngläsern ausgerüstet in die Wälder, um Vögel und Affen zu beobachten. Nun liegen die bunten Kanus unbenutzt am Flussstrand. Früher gab es hier auch eine Brücke über den Fluss, die die Kinder der Sinchi Warmi jeden Morgen überquerten, um in Puerto Mishuallí zur Schule zu gehen. Doch vor sieben Jahren wurde sie zerstört, angeblich um eine bessere zu bauen. Doch die neue Brücke kam nie, und nun müssen die Kinder mit dem Boot übersetzen, wenn sie zur Schule wollen.
Wir setzen uns ans Ufer und beobachten ein paar Kinder beim Baden. Es ist ein schmerzliches Bild, weil die Kinder einerseits so viel Freude dabei empfinden, immer wieder von einem Stein ins Wasser zu hüpfen, wir andererseits aber auch ahnen, welche langfristigen Folgen das häufige Bad in diesem Fluss voller Quecksilber für die Gesundheit der fröhlich Planschenden haben wird. Die Sinchi Warmi haben ihren Kindern wegen der Verschmutzung verboten, im Río Napo zu schwimmen und zu angeln. Damit bleibt ihnen etwas verwehrt, das die Kindheit aller vorangegangenen Generationen geprägt hat.

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The Trump administration is significantly easing fuel economy standards for cars and trucks by 2031 to make new vehicles cheaper, but this will increase fuel consumption and CO₂ emissions. This reverses a Biden-era climate initiative.
The federal states of Schleswig-Holstein, Lower Saxony and Hamburg are planning to deploy national park rangers at sea in the Wadden Sea in the future in order to expand protected area management, monitoring and environmental education. A project application to the German Federal Environmental Foundation is ongoing, costs and personnel details are still unclear. Fishermen raise concerns about lack of involvement, while WWF welcomes the plans.
Schleswig-Holstein, Lower Saxony and Hamburg are planning to expand the area of operation of the national park rangers in the Wadden Sea out to sea. An application for funding has been submitted to the DBU and a decision is expected to be made in the autumn. Environment Minister Meyer emphasizes the information work for recreational boaters, while the Weser-Ems State Fishing Association criticizes the fact that fishermen were not informed.
In Karlsruhe and other municipalities in Baden-Württemberg, the invasive ant species Tapinoma magnum is being combated with hot water vehicles because it causes damage to infrastructure and burdens residents through mass occurrences. Experts warn of further spread and cite psychological stress such as sleep disorders and depression as a result of the plague.