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Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar hatten Airlines in Deutschland ihre Preise deutlich erhöht, wobei die Steigerungen doppelt so hoch waren wie im europäischen Schnitt. Dies gelang trotz ausgeweitetem Angebot, da die Nachfrage stark war und die Airlines Preise nach Nachfrage ausrichteten. Nach Kriegsbeginn stiegen die Preise besonders auf Fernstrecken nach Afrika und Asien stark an, da Fluglinien aus dem Persischen Golf ihren Betrieb reduzierten und die verbliebenen Airlines von der veränderten Nachfrage profitierten.
Kerosin: Wie der Golfkrieg die Flugpreise verändert
Lange konnten Airlines ihre Preise kräftig erhöhen. Doch exklusive Daten zeigen: In Deutschland werden Tickets wieder billiger.
Flughafen Düsseldorf: Ein Flugzeug wird mit Kerosin betankt. Foto: imago images/Jochen Tack
In Deutschland sinken die Ticketpreise nach jahrelangen Preissteigerungen wieder deutlich
Die Daten des britischen Dienstleisters OAG zeigen, dass Preise für Economy-Flüge in Deutschland nun fast auf Vorjahresniveau liegen. Airlines leiden unter höheren Kosten für Treibstoff und Personal, die nicht mehr durch Preissteigerungen ausgeglichen werden können
Vor dem Iran-Krieg stiegen die Preise in Deutschland doppelt so stark wie im europäischen Schnitt, besonders auf Fernstrecken nach Afrika und Asien. Seit dem Krieg normalisieren sich die Preise, weil Anbieter aus dem Persischen Golf den Verkehr aufnehmen und die Nachfrage sich verschiebt
Das Fluggeschäft in Deutschland schrumpft, während es europaweit wächst. Airlines wie Lufthansa streichen Flüge, um Angebot zu reduzieren und Preise zu stabilisieren. Experten erwarten, dass Preise bald wegen hoher Kerosinkosten wieder steigen
Die Zusammenfassung wurde mithilfe von KI erstellt und redaktionell geprüft.
Als der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft gerade in Berlin den Abend der Luftfahrt feierte, war vordergründig alles wie gewohnt. Zuerst beklagten Verbandsvertreter wie der Chef des Flughafens Düsseldorf, Lars Redeligx, die vielen staatlichen Lasten. Anschließend versprach Bundesverkehrsminister Steffen Bilger, die Regierung werde „den Luftverkehrsstandort Deutschland stärken“. Und dann feierten alle beim Bier von der Brauerei des Flughafens München, gönnten sich ein mit flüssigem Stickstoff hergestelltes Eis der Deutschen Flugsicherung.
Die Stimmung aber war nicht so entspannt und fröhlich wie bei dieser Veranstaltung sonst üblich. Viele Gäste wirkten nachdenklicher als sonst, spätestens als sie die erste Runde beim Buffet hinter sich hatten. „2026 droht uns nach einem mäßigen bis guten Anfang und einem Zwischenhoch jetzt doch ein echtes Mistjahr“, so ein Airlinevorstand. „Und das nächste wird wohl nicht wirklich besser“, ergänzt ein Kollege.
Diese Einschätzung bestätigt nun eine Übersicht des britischen Datendienstleisters OAG. Das Unternehmen ist das einzige im Markt, welches Zugang hat zu Airline-internen Daten über die wirklich durchgeführten Flüge und tatsächlich gezahlten Preise.
Die Daten zeigen, dass in Deutschland die Passagiere der Economy Class nach rekordverdächtigen Preissprüngen im Frühling und Spätsommer inzwischen wieder deutlich gesunken sind. In dieser Woche zahlten Reisende erstmals seit Jahresbeginn wieder ungefähr so viel wie zur gleichen Zeit im vorigen Jahr: Mit im Schnitt umgerechnet 1210 Dollar war der Preis nur noch 1,2 Prozent höher als im Oktober 2025.
Damit endet eine Phase kräftiger Preisaufschläge. Bereits vor Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar lag das Plus zum Vorjahr bei knapp zwölf Prozent, Ende März dann sogar bei 25 Prozent. Inzwischen hat sich das Bild gewandelt: Die Preise für Reisen zu Zielen in Europa steigen nur noch in Höhe der Inflationsrate, im Schnitt liegen sie heute wieder deutlich unter dem europäischen Durchschnitt.
Luftfahrt
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Was schön für die Kunden ist, belastet die Airlines. Denn ihre Kosten liegen heute deutlich höher als vor einem Jahr. Diese Mehrausgaben durch das derzeit deutlich teurere Flugbenzin oder gestiegene Personalkosten können sie nun nicht mehr ausgleichen.
Damit endet eine lange Phase, in der genau das den Airlines gut gelungen war. Fast vier Jahre lang und besonders seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar schafften es die Airlines, ihre Preise zu erhöhen, obwohl sie gleichzeitig das Angebot ausweiteten. Normalerweise ist das anders, sagt OAG-Chef-Analyst John Grant. „Nur wenn Airlines Kapazität streichen, steigen die Preise“, so der Experte. Steigendes Angebot werden sie normalerweise nur mit Rabatten los.
„Der globale Megatrend im Konsum zu mehr Premium ist nun auch im Fluggeschäft angekommen“, so sagte Lufthansachef Carsten Spohr noch Ende September. Das gelte „ungebrochen“, auch seit beiderseits des Persischen Golfs Raketen und Drohnen einschlagen. Was besonders Lufthansa „im Markt durchsetzen kann, ist praktisch unberührt von geopolitischen Risiken und Kriegen, die in unserer Branche eigentlich dazu führen, dass sich Leute mit dem Reisen zurückhalten“, so Spohr.
Was das im Detail bedeutet, wird sich erst im November zeigen, wenn Lufthansa die Zahlen für das Sommerquartal vorstellt. Doch sei die Entwicklung „nicht schlechter als der Branchentrend“, heißt es im Unternehmen. Und das hieße laut OAG: Obwohl die Fluglinien weltweit noch bis Ende März mehr Kapazität anboten als ein Jahr zuvor, stiegen die Ticketpreise in der Economy Class wie nie zuvor.
In den Wochen vor Ostern bekamen die Airlines für die sogenannten „Holzklasse“-Plätze im Schnitt gut ein Drittel mehr als 2025. Ab August wurde das Plus dann sogar wieder zweistellig, bevor es nun im Oktober wieder kleiner wurde.
Ob dahinter nun eine kurze Anpassung oder ein grundlegender Wandel steckt? Linus Bauer vermutet letzteres. Der Luftfahrtexperte vom Beratungsunternehmen BAA & Partners spricht gar von einem „Regimewechsel“: Bis April hätten die Airlines ihre Preise noch nach der Nachfrage gerichtet, seit dem Sommer orientierten sie sich nun an den Kosten.
Preisentwicklung auf den weltweiten Fernstrecken normalisiert sich
Die Untersuchung von OAG zeigt jedoch: In Deutschland verlief diese Entwicklung etwas anders und für die Fluglinien besonders zuletzt weniger gut.
Für die WirtschaftsWoche konzentrierte sich der Datendienstleister auf die fünf größten Zielregionen und drei entscheidende Wochen: die Woche vor Beginn des Iran-Kriegs, die Woche der größten Teuerung Ende März und die laufenden sieben Tage.
Die Zahlen zeigen, dass die Airlines ihre Preise in Deutschland im Jahresvergleich vor der Krise mit 11,6 Prozent doppelt so stark steigern konnten wie im europäischen Schnitt. Dafür sorgten vor allem Fernstrecken in die weniger großen Regionen wie Afrika, China und Japan oder Lateinamerika, wo die Preise schon damals um deutlich mehr als zehn Prozent stiegen. In den großen Zielgebieten Europa und Nordamerika sanken die Preise teilweise deutlich.
Das änderte sich mit Kriegsbeginn. Weil die Fluglinien vom Persischen Golf wie Emirates aus Dubai ihren Betrieb mehr oder weniger einstellten, profitierten die verbliebenen Airlines. Ihre Tickets Richtung Asien wurden sie zu Rekordpreisen los. Und wer nicht mehr in Asien Ferien machen konnte, buchte Urlaubsreisen in Europa. Nur in Richtung USA wollten nicht mehr Passagiere buchen, weshalb hier die Preise gleichblieben.
Das ist nun vorbei. Seit Emirates und Co. wieder bis zu 90 Prozent ihrer Flotte in der Luft haben, steigen die Preise Richtung Fernost deutlich weniger als im Frühjahr. Zu Zielen in Südasien wie Indien oder den Inseln im Indischen Ozean sinken die Preise inflationsbereinigt.
Die Normalisierung verläuft auf überraschende Weise.
Warum Reisen nach Europa und Nordamerika vergleichsweise günstig bleiben
Die OAG-Zahlen zeigen: Vor der Irankrise waren Flugtickets in Deutschland – abgesehen von Europareisen – im Schnitt deutlich teurer als ein Jahr davor. Doch wer aus Deutschland in die Nachbarstaaten, nach Nordamerika oder in den Fernen Osten wollte, zahlte im Schnitt zwischen fünf und 17 Prozent weniger als in anderen Ländern Europas.
Inzwischen sind Flüge in fast alle Teile der Welt für Passagiere aus Deutschland teurer als für Passagiere aus dem Rest Europas. Nur bei den beiden größten Reisezielen Europa und Nordamerika kosten die Tickets hierzulande im Schnitt weniger.
Dabei müsste es aufgrund der Entwicklung des Verkehrs eigentlich andersherum sein.
Während fast alle Länder Europas wieder mehr Passagiere haben, steigen in Deutschland weniger Menschen ins Flugzeug. So schrumpfte bereits vor dem Iran-Krieg das Fluggeschäft hierzulande im Schnitt um 0,4 Prozent. In Europa insgesamt legte es dagegen um 2,5 Prozent zu. Besonders weit auseinander ging die Entwicklung Richtung Südostasien. Hier sackte das Angebot in Deutschland um gut 13 Prozent, während die Branche in Europa insgesamt um fast 14 Prozent wuchs.
In den ersten Kriegsmonaten änderte sich das. Hier entwickelte sich Deutschland fast genauso wie der Rest Europas. Einzige Ausnahme war der US-Verkehr, der in Europa vor allem dank mehr Reisender aus Osteuropa zulegte. Nun ist freilich wieder fast alles wie vor der Krise: Deutschland schrumpft, Europa wächst. Der Abbau hat laut Bauer drei Ursachen, „und nur eine davon ist freiwillig“, so der Berater.
So habe die Lufthansa mit dem Aus ihrer Regionaltochter Cityline 20.000 Kurzstreckenflüge gestrichen, in der Hoffnung, dass das knappere Angebot für höhere Preise auf den verbliebenen Flügen sorgen würde. Dagegen kürzten die Low-Cost-Linien Easyjet, Ryanair und Wizz Air bis zu fünf Prozent ihrer geplanten Flüge, weil sie sich angesichts der höheren Kosten nicht mehr rechneten. Und schließlich sinkt das Angebot durch Insolvenz. Die Lufthansabeteiligung Air Baltic tat das als erste. Volotea aus Spanien und Animawings aus Rumänien folgten. „Ich erwarte weitere Fälle in dieser Form“, so Bauer.
Auch darum dürften die Preise in Deutschland bald wieder anziehen. Dafür sorgen vor allem die Kerosinpreise, die weiterhin etwa doppelt so hoch sind wie vor einem Jahr. Und da etwa bei Europas Airlines der Treibstoff im Schnitt ein Drittel ihrer Kosten ausmacht, fliegen sie bereits um ein Zehntel teurer als vor einem Jahr, selbst wenn sie ihren Einkaufspreis beim Kerosin abgesichert haben. „Das müssen alle Anbieter zunehmend weitergeben“, heißt es bei Lufthansa.
Dieser Artikel erschien zuerst in der WirtschaftsWoche.
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Weitere Flugstreichungen und Insolvenzen bei kleineren Airlines werden wahrscheinlich.
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