
Vor allem die Energiebranche investiert in neue Infrastruktur. Die Förderbank KfW sieht aber noch keine Trendwende. Höhere Finanzierungskosten könnten das Wachstum bremsen.
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Nach einer mehrjährigen Flaute verzeichnet das Neugeschäft mit Unternehmens- und Selbstständigenkrediten laut KfW ein Plus von 3,4 Prozent.
Frankfurt. Nach einer mehrjährigen Flaute hat sich das Geschäft mit neuen Krediten für Unternehmen und Selbstständige deutlich belebt. „Mit einem Plus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal verzeichnete es den stärksten Zuwachs seit Ende 2022“, schreibt die KfW in ihrem aktuellen Kreditmarktausblick, den die staatliche Förderbank exklusiv für das Handelsblatt erstellt.
Die Entwicklungen im Kreditgeschäft sind ein Indikator für die Investitionsneigung von Unternehmen und damit auch für die Chancen auf eine konjunkturelle Belebung. Für die Ermittlung des Neugeschäfts analysiert die KfW die Veränderungen des von der Bundesbank erhobenen Kreditbestands und schätzt die planmäßigen Tilgungen.
Kredite für den Wohnungsbau oder an Versicherer und Finanzierungsinstitutionen wie Factoring- oder Leasingfirmen rechnet die KfW aus den Daten heraus.
Trotz des deutlichen Anstiegs bleibt der Ausblick der KfW verhalten. „Das zweite Quartal steht nicht für eine Trendwende“, sagte Jenny Körner, Kreditmarktexpertin von KfW Research dem Handelsblatt.
„Auf den ersten Blick wirkt der Anstieg im Neugeschäft erfreulich. Aber die Auslöser dafür sind es nicht.“ Denn zum Teil dürfte Körner zufolge der Energiepreisschock den Bedarf vieler Unternehmen nach Liquidität nach oben getrieben haben. „Das sieht man daran, dass ein Teil der höheren Nachfrage auf kurzfristige Betriebsmittelkredite zurückgeht“, so Körner.
Firmenkunden-Experten von Geschäftsbanken bestätigen diese Beobachtung. „Energiekosten und steigende Preise sind ein Grund dafür, dass Unternehmen Betriebsmittelkredite aufrechterhalten oder ausbauen“, sagt Thomas Jost, der die Unternehmensfinanzierung im deutschsprachigen Raum der Deutschen Bank leitet. Er beobachte auch, dass Unternehmen bestehende Darlehen verlängern würden, um sich Liquidität zu sichern.
In Investitionsvorhaben fließt also nur ein Teil der neuen Kredite. „Im breiten Mittelstand ist die Nachfrage nach Investitionsfinanzierungen nach wie vor verhalten“, sagt Sabrina Kensy, Bereichsvorständin des Firmenkunden-Kreditgeschäfts der Commerzbank. Das sei angesichts der geopolitischen Unsicherheiten und der schwachen Wachstumsaussichten in Deutschland nicht überraschend.
„Im Moment investieren Unternehmen viel in Transformation, in Energieunabhängigkeit beziehungsweise -sicherheit und Digitalisierung“, sagt Kensy. Das sei wichtig und gut. Langfristige Investitionen, etwa in neue Produktionskapazitäten, seien seltener.
„Die Unternehmen reagieren damit auf die aktuelle Unsicherheit, Investitionen in die Zukunft kommen oft noch zu kurz“, betont Kensy. Es gebe aber auch einzelne Branchen, die stärker wachsen. „Das gilt etwa für Verteidigung oder erneuerbare Energien.“
Die Deutsche Bank beobachtet im Mittelstand Kreditnachfrage bei neuen Unternehmen, „etwa bei Finanzierungen bei Scale-up-Unternehmen, also bei jungen, schnell wachsenden Firmen; oder auch selektiv, wenn es um die Finanzierung von Übernahmen geht“, sagt Finanzierungsexperte Jost.
„Bei großen Unternehmen gibt es ein stärkeres Wachstum, das vor allem durch die Energiebranche getrieben ist, die ihre Infrastruktur ausbaut. Das ist ein starker Investitionstreiber“, so der Deutsche-Bank-Manager.
Ein Faktor, der aus Sicht der KfW die Belebung des Kreditmarkts dämpfen könnte, ist die Entwicklung der Finanzierungskosten. „Die steigenden Zinsen könnten in den nächsten Monaten ein zunehmender Bremsfaktor für das Kreditgeschäft werden“, sagt KfW-Expertin Körner.
Seit Ausbruch des Irankriegs im Februar dieses Jahres haben sich die Finanzierungskosten für Unternehmen verteuert, schreibt der Finanzierungsspezialist FCF Fox Corporate Finance in seinem aktuellen Zins- & Kreditmonitor.
FCF-Schätzungen zufolge dürften die Finanzierungskosten seit Februar um etwa 1,4 Prozentpunkte auf zuletzt fünf Prozent gestiegen sein. Die KfW geht davon aus, dass einige Unternehmen im Frühjahr auch langfristige Kredite aufgenommen haben, um sich günstige Finanzmittel zu sichern.
Und während Unternehmen mit guter Bonität immer noch relativ leicht an Kredite kommen, ist die Suche für Firmen schwacher Bonität oder einer schwierigen Branche aus Sicht von FCF komplizierter.
Bereichsvorständin Kensy bestätigt, dass „belastbare Planungen, Bonität, Branche und ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell“ für Banken eine Rolle spielen. „Das sind wesentliche Faktoren, die eine Finanzierung ermöglichen“, sagt die Commerzbankerin.
„Aufgrund der wirtschaftlichen Situation und Unsicherheit haben die Anforderungen an Kunden auf diesem Gebiet zugenommen, wir unterstützen unsere Kunden dabei mit passgenauen Lösungen.“
Wegen der steigenden Zinskosten und der womöglich vorgezogenen Kreditaufnahme einiger Unternehmen geht die KfW davon aus, dass sich das Wachstum im Kreditneugeschäft im dritten und vierten Quartal wieder deutlich abschwächen wird. Die Förderbank erwartet mit einem Plus von 1,6 Prozent beziehungsweise 1,2 Prozent nur noch ein halb so hohes Wachstum.
Die Deutsche Bank blickt optimistischer auf die Entwicklung im Firmenkundengeschäft. Die Furcht vor steigenden Zinsen spielt aus Sicht von Firmenkunden-Manager Jost jedenfalls kaum noch eine Rolle. „Mittlerweile preisen die Märkte bestenfalls noch leicht steigende Zinskosten ein“, sagt er.
Eine Abschwächung im Kreditgeschäft beobachtet er bislang jedenfalls noch nicht. „Das moderate Wachstum, das im zweiten Quartal eingesetzt hat, hat sich im dritten Quartal weiter fortgesetzt“, sagt er. „Mit Blick auf das nach wie vor schwierige Umfeld ist das eine erfreuliche Entwicklung.“
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Wachstum im Kreditneugeschäft sinkt im dritten und vierten Quartal auf 1,6 bzw. 1,2 Prozent.
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