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KNDS schiebt Börsengang auf – Bewertung bleibt Hauptproblem
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Handelsblatt2 hours agoBusiness2 min readGermanyView translation

KNDS schiebt Börsengang auf – Bewertung bleibt Hauptproblem

Quick Look

  • KNDS-Chef Jean-Paul Alary bestätigt, dass der Börsengang des deutsch-französischen Rüstungskonzerns ausgesetzt, aber nicht abgesagt ist.
  • Die derzeit erzielbare Bewertung entspricht nicht den Erwartungen der Aktionäre, die eine Valuation von 12,5 bis 15 Milliarden Euro fordern.
  • Ein Börsengang 2026 bleibt möglich, hängt aber von den Marktbedingungen ab.

AI-generated summary

Why It Matters

KNDS entstand 2015 aus dem Zusammenschluss von Krauss-Maffei Wegmann und Nexter. Der Börsengang war ursprünglich für Sommer 2026 geplant, im Zuge einer Einigung über Staatseinstieg: Der Bund sollte 40 Prozent übernehmen, Frankreich seinen Anteil von 50 auf 40 Prozent reduzieren. Am 24. Juni wurde der Börsengang offiziell angekündigt, doch aufgrund von Kursverlusten bei Rüstungsaktien und Investorenkritik an der Bewertung wurde er verschoben.

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Seit Wochen wird über eine erneute Verschiebung des Börsendebüts von KNDS diskutiert. Konzernchef Alary stellt klar: Der Börsengang des Panzerbauers soll kommen. Eine Hürde: die Bewertung.

KNDS-Chef Jean-Paul Alary: „Ich habe nur einen einzigen Plan.“ Foto: REUTERS

Paris. Herr Alary, KNDS wollte noch in diesem Jahr an die Börse, doch seit Ende Juni liegt das Projekt auf Eis. Haben Sie den Plan aufgegeben?

Nein, keineswegs. Der Börsengang ist vorerst ausgesetzt, aber nicht abgesagt. Diese Entscheidung hat der Verwaltungsrat Ende Juni aufgrund der Marktbedingungen getroffen. Die derzeit erzielbare Bewertung entspricht bisher nicht den Erwartungen der Aktionäre. Das hindert uns natürlich nicht daran, mit Investoren zu sprechen. Der Verwaltungsrat hat darum gebeten, uns bereitzuhalten, dass es jederzeit losgehen kann.

Die Eigentümerfamilie will nur verkaufen, wenn das Unternehmen eine Bewertung von 12,5 bis 15 Milliarden Euro erreicht. Die Kurse von Rüstungswerten stehen unter Druck, so auch Rheinmetall, wonach sich die Bewertung richtet. Was könnte das Marktumfeld drehen?

Wir haben diese Zahl nie bestätigt. Rheinmetall ist ein naheliegender Vergleich, aber nicht der einzige. Märkte können sich schnell verändern. Wir haben erhebliche Schwankungen erlebt. Auch die Positionen und Erwartungen der Aktionäre können sich verschieben.

KNDS-Fertigung in München: Das Unternehmen sucht zwei neue Partner, um die Produktion auszuweiten. Foto: IMAGO/Sven Simon

Ist unter diesen Bedingungen ein Anlauf in diesem Jahr überhaupt noch realistisch?

Ja, ein Börsengang 2026 ist weiterhin möglich – sofern die Marktbedingungen den Erwartungen der Aktionäre entsprechen. Für KNDS wäre ein früher Start am besten: Dann könnten wir das Thema abschließen und unseren Börsengang als Hebel für die nächste Entwicklungsphase nutzen. Später als 2026 ist aber auch denkbar.

Falls sich der Börsengang bis 2027 verzögert: Macht der Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich einen Börsengang nicht unmöglich? Schließlich hält der französische Staat derzeit 50 Prozent an KNDS.

Eine Wahlperiode bringt Unsicherheit. Mitten im Wahlkampf wäre kein idealer Zeitpunkt für einen Börsengang. Aber so weit sind wir noch nicht.

IPO-Termin geplatzt

„Desaster für die Bundesregierung“ – Panzerbauer KNDS schiebt Börsengang auf

In langen Verhandlungen war vereinbart worden, dass 20 Prozent des Unternehmens an die Börse gehen – und jeweils 40 Prozent beim französischen und deutschen Staat liegen. Soll sich daran etwas ändern?

Nein, das ist weiterhin das Referenzmodell. Der Einstieg des Bundes wäre mit der Platzierung am Kapitalmarkt eng verbunden. Ein Streubesitz von 20 Prozent wäre auch eine deutliche Veränderung. Das bedeutet nicht, dass die heutige Governance ineffizient ist, sondern dass es ein zusätzlicher Hebel ist. Was sich nun ändert, ist, dass zusätzlich zu den institutionellen Investoren Privatanleger zeichnen können.

Aber das ändert ja wenig am Bewertungsproblem.

Nein. Die Privatanleger-Tranche würde die Bewertungsfrage nicht lösen und wäre kein „Gamechanger“. Sie soll den Anlegern, die Interesse signalisiert haben, die Teilnahme ermöglichen.

Warum brauchen Sie überhaupt den Kapitalmarkt, wenn KNDS nach Ihren Worten genug Geld hat?

Es geht nicht in erster Linie um die Finanzierung unserer Investitionen – die nötigen Mittel haben wir. Ein Börsengang kann uns helfen, schneller zu entscheiden und unsere Strategie in einer sich rasch wandelnden Branche effizienter umzusetzen. Institutionelle Investoren fordern Unternehmen regelmäßig heraus. Das stärkt aus meiner Erfahrung Tempo, finanzielle Disziplin und klare Prozesse. Außerdem wäre eine passende Kapitalstruktur hilfreich, wenn sich in Europa Möglichkeiten zur Konsolidierung ergeben.

Vita Jean-Paul Alary

Jean-Paul Alary leitet seit April 2025 den deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS. Der gelernte Ingenieur begann 1991 seine Karriere beim Luftfahrtzulieferer Snecma, der späteren Safran-Sparte für Flugzeugtriebwerke. Dort durchlief er in 33 Jahren mehrere Führungspositionen, zuletzt als Chef von Safran Aircraft Engines. Bei KNDS folgte er auf Frank Haun.

KNDS entstand 2015 aus dem Zusammenschluss des deutschen Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann mit dem französischen Staatskonzern Nexter. Bekannteste Produkte sind die Kampfpanzer Leopard 2 und Leclerc, der Schützenpanzer Puma und der Transportpanzer Boxer. Der Konzern beschäftigt fast 11.000 Menschen und will die Produktion angesichts eines Auftragsbuchs von etwa 33 Milliarden Euro deutlich ausbauen. Eigentümer sind zur Hälfte die deutschen Familien Bode und Braunbehrens, zur anderen Hälfte der französische Staat.

KNDS wollte ursprünglich im Sommer 2026 an die Börse. Vorausgegangen war die Einigung über einen Staatseinstieg: Der Bund sollte rund 40 Prozent übernehmen. Frankreich sollte im Gegenzug seinen Anteil von 50 auf 40 Prozent reduzieren. Am 24. Juni kündigte KNDS den Börsengang (IPO) offiziell an. Kurz darauf kippte jedoch die Stimmung an den Märkten: Nach deutlichen Kursverlusten bei Rüstungsaktien und Kritik von Investoren an der Bewertung verschob KNDS den Börsengang. Die Bundesregierung drängte danach weiter auf einen zeitnahen IPO. Im Herbst sollte ein neuer Anlauf starten, doch seit Wochen wird über eine weitere Verschiebung spekuliert. Ohne den Börsengang von KNDS stünde auch der Einstieg der Bundesregierung auf der Kippe.

Schließen Sie ein alternatives Szenario aus, wie beispielsweise die Öffnung des Kapitals für Private-Equity-Fonds?

Ich werde nicht über Alternativen spekulieren. Meine Botschaft ist klar: Ich habe nur einen einzigen Plan, der detailliert ausgearbeitet wurde und der sinnvoll ist, um die Ambitionen des Unternehmens im aktuellen Wettbewerbsumfeld zu unterstützen, nämlich den Börsengang. Es gibt derzeit keinerlei Diskussion über „Alternativen“. Sollte ein anderes Modell aufkommen, würde ich es danach beurteilen, was für KNDS und die Strategie am besten passt.

Leopard-2-Kampfpanzer auf dem Werksgelände in München: „In Deutschland müssen wir die Produktion in den kommenden zwei bis drei Jahren hochfahren.“ Foto: Sven Hoppe/dpa

Warum haben Sie das tschechische Unternehmen Czechoslovak Group (CSG), das Ihnen ein Angebot unterbreitet hat, abgelehnt? Ist das nicht eine Gelegenheit, einen europäischen Konzern zu bilden und Ihre Produktionskapazitäten zu steigern?

Diese Frage müssen Sie den Aktionären stellen. Ich persönlich habe kein Angebot erhalten. CSG ist ein hervorragender Partner, mit dem wir in verschiedenen Bereichen sehr positive industrielle Kooperationen pflegen.

Über Monate wurde der Börsengang vorbereitet und dann abrupt gestoppt. Hat das Ihr operatives Geschäft gebremst?

Die Vorbereitung hat Zeit der Teams in Anspruch genommen, aber ohne Auswirkungen auf das kommerzielle und operative Geschäft. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 37 Prozent, der Auftragseingang um 38 Prozent. Für das Gesamtjahr erwarten wir rund 30 Prozent Umsatzwachstum.

Wie wollen Sie die gestiegene Nachfrage bedienen?

Für 2026 und 2027 planen wir, rund 1,5 Milliarden Euro für den Ausbau der industriellen Kapazitäten zu investieren. Alle drei Bereiche, also Systeme in Frankreich, Systeme in Deutschland und Munition, wachsen. Besonders in Deutschland müssen wir die Produktion in den kommenden zwei bis drei Jahren hochfahren. In Frankreich wollen wir eine zweite Anlage zum Befüllen von 155-Millimeter-Artilleriegeschossen bauen. Damit sollen künftig fünfmal so viele Geschosse befüllt werden können wie 2022.

In Görlitz haben Sie bereits ein früheres Alstom-Werk übernommen.

Hier sind bereits etwa 40 bis 50 Prozent der vorgesehenen Industrieflächen für die Produktion erschlossen, eineinhalb Jahre nach der Übernahme. Wir qualifizieren dafür Beschäftigte aus dem Bahnsektor, etwa Schweißer, für die militärische Fertigung.

Radpanzer Boxer: KNDS hatte auf weit mehr als 3000 Bestellungen von der Bundeswehr gehofft. Foto: KNDS

Sie erweitern die Produktion nicht nur an eigenen Standorten. Mit Dräxlmaier haben Sie bereits einen Partner für Boxer-Komponenten gewonnen. Was folgt als Nächstes?

Wir brauchen zusätzliche Kapazitäten und setzen dafür auf eigene Standorte, Lieferanten und Industriepartner. In Deutschland brauchen wir zwei potenzielle Partner. Bei mindestens einem könnte noch vor Jahresende eine Ankündigung erfolgen.

Die Übernahme des Mercedes-Werks in Ludwigsfelde stockt. Haben Sie überhaupt noch Interesse?

Zu einzelnen Standorten und Partnern möchte ich nichts sagen. Wir sprechen mit möglichen Industriepartnern, um die Produktionskapazitäten aufzubauen, die wir 2028 und 2029 benötigen.

Rüstung

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Die Großbeschaffung von Boxer-Radpanzern, die Sie gemeinsam mit Rheinmetall fertigen, wurde ursprünglich für Anfang 2026 erwartet. Eine verbindliche Bestellung liegt noch nicht vor. Welche Auswirkungen hat das auf Sie?

Das Paket ist groß und komplex. Wir haben gemeinsam mit unserem Partner ein Angebot vorgelegt und sprechen mit der Regierung. Boxer-Aufträge für Deutschland wurden bereits erteilt, etwa für den Schakal.

Erschwert die fehlende Klarheit über Stückzahlen, Termine und Varianten Ihre Kapazitätsplanung?

Mehr Klarheit von der Bundesregierung würde helfen: Die Boxer-Familie umfasst mehr als zwölf Varianten, und ein Ambulanzfahrzeug ist etwas anderes als ein Artilleriesystem. So könnten wir den Produktionshochlauf genauer abstimmen. Unser Kapazitätsausbau folgt aber seinem Zeitplan und hängt nicht allein an dieser Bestellung.

Der Radschützenpanzer Schakal der Bundeswehr: Großauftrag verzögert sich. Foto: IMAGO/Björn Trotzki

Die Bundeswehr prüft, ob unbemannte Systeme einen Teil der Fahrzeuge ersetzen können. Werden Kampfpanzer damit überflüssig?

Nein. Ein Kampfpanzer erfüllt drei zentrale Aufgaben: Er schützt die Soldaten, bietet große Feuerkraft und sorgt für Mobilität. Drohnen machen das Gefechtsfeld transparenter und verändern, wie Streitkräfte Panzer einsetzen und modernisieren; sie nehmen diesen Systemen ihre Aufgaben aber nicht ab. Die Front in der Ukraine ist derzeit sehr statisch. Für offensive Operationen und Durchbrüche braucht es Fähigkeiten, die Drohnen allein nicht bieten.

Das heißt?

Ein Panzer kämpft niemals allein. Aufklärungsdrohnen können ihm ein umfassenderes Bild des Gefechtsfelds verschaffen und autonome Roboter zusätzliche Aufklärung oder Feuerkraft übernehmen. KNDS arbeitet zudem daran, Abfangdrohnen von seinen Fahrzeugen aus einzusetzen. Entscheidend ist, diese Systeme so zu vernetzen, dass sie gemeinsam wirksamer sind.

Beim deutsch-französischen Kampfpanzerprojekt MGCS ist die gemeinsame Fahrzeugentwicklung seitens der beiden Regierungen deutlich reduziert worden. Was bleibt von dem Programm?

Ich werde Ihnen nicht erklären, dass es MGCS gut geht, aber es gibt das Projekt noch. Mitte Juli haben die Staatschefs Frankreichs und Deutschlands die Ambitionen auf dessen übergeordnete Ebene, das vernetzte Gefecht, reduziert. Das ist bereits heute Realität. Auf dem Schlachtfeld sehen wir, wie unterschiedliche vernetzte Systeme gemeinsam operieren.

Warum halten Sie trotz der Schwierigkeiten an großen europäischen Rüstungsprogrammen fest?

Europas Verteidigungsausgaben steigen, sind aber stark fragmentiert. Dadurch werden die Ausgaben nicht unbedingt effizient eingesetzt. Gemeinsame Programme können die Zersplitterung verringern – im Interesse der Steuerzahler und einer glaubwürdigen europäischen Verteidigung.

Mehr: Schwieriges Marktumfeld: KNDS erwägt laut Insidern eine Verschiebung des Börsengangs

Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • KNDS wird den Börsengang 2026 nachholen, wenn die Marktbedingungen den Erwartungen der Aktionäre entsprechen.

    Possible · Within months

  • Der operative Ausbau der Produktionskapazitäten wird wie geplant fortgesetzt, unabhängig vom Börsengangstermin.

    Very likely · Within years

Open Questions

  • Welche konkreten Bewertungserwartungen haben die Aktionäre genau?
  • Wie wird sich das Marktumfeld für Rüstungsaktien in den nächsten Monaten entwickeln?
  • Welche alternativen Finanzierungsmodelle werden intern diskutiert, falls der Börsengang weiter verzögert wird?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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