Krieg in der Ukraine: Aktuelle Entwicklungen und internationale Reaktionen
Wadephul fordert von Putin Verhandlungsbereitschaft, Tusk warnt vor Dauerangriffen an der Grenze und Russland plant Rekord-Militärausgaben.
Quick Look
- Außenminister Wadephul fordert von Putin Zeichen der Verhandlungsbereitschaft.
- Polens Premier Tusk warnt vor ständigen Drohnenangriffen an der Grenze.
- Zudem plant Russland höhere Militärausgaben, während Estland Moskau für Sabotage verantwortlich macht.
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Why It Matters
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert bereits seit mehr als viereinhalb Jahren an.
Außenminister Johann Wadephul fordert vom russischen Präsidenten Wladimir Putin nach dessen Einladung zum G20-Gipfel in den USA Zeichen der Verhandlungsbereitschaft. Putin müsse „beweisen, ob es eine Friedensbereitschaft, eine Verhandlungsbereitschaft auf russischer Seite gibt“, sagte der CDU-Politiker bei einem Treffen mit seinem slowakischen Kollegen Juraj Blanar in der Hauptstadt Bratislava. „Das unterstreicht man natürlich am besten dadurch, dass man von vornherein Schritte in diese Richtung macht.“
Die Einladung an Putin zum G20-Gipfel sei ein Lackmustest für Russland, betonte Wadephul. Verhandlungsbereitschaft könne Moskau am besten dadurch unterstreichen, „dass man von vornherein Schritte in diese Richtung macht“ – etwa durch einen Waffenstillstand für das Schwarze Meer, „der die dringend benötigten Getreideexporte ermöglichte“.
Dies sei eine große Frage für die Getreideproduzenten Ukraine und Russland, aber eine noch viel größere Frage für viele Länder des globalen Südens, warnte Wadephul. „Dort drohen Hungersnöte, dort drohen weitere humanitäre Katastrophen und dort droht eine weitere Destabilisierung von Staaten.“ Dies könne zu Fluchtbewegungen, Vertreibung und neuen kriegerischen Konflikten führen. Daher appelliere er dringend an Russland, hier ein Einsehen zu haben.
Polens Regierungschef Donald Tusk hält russische Angriffe in der ukrainischen Grenzregion zu seinem Land mittlerweile für einen Dauerzustand. Jede Nacht würden Kampfjets der polnischen Luftwaffe aufsteigen, da die Attacken Russlands in dieser Region einen „permanenten Charakter“ angenommen hätten, sagte Tusk in Warschau vor einer Kabinettssitzung. Seinem Land stehen schwierige Wochen und Monate bevor.
Am Montag hatte es polnischen Regierungsangaben zufolge auf ukrainischem Gebiet erneut eine Drohnenattacke unweit von dem Grenzübergang Dorohusk-Jahodyn gegeben. Bei dem Angriff beschädigte die Drohne mit ihrer Druckwelle nach ukrainischen Informationen ein Gebäude der Grenzkontrollstelle.
In den vergangenen zwei Wochen hatten in der Nähe des gleichen Grenzübergangs mehrfach russische Drohnen Ziele auf dem Gebiet der Ukraine attackiert. Außerdem wurde dort ein Passagierzug von Kiew nach Warschau angegriffen. Polens Regierung wirft Russland eine Verschärfung des Ukraine-Kriegs vor.
Die Nato wird sich nach Angaben ihres Generalsekretärs Mark Rutte von Russland nicht davon abbringen lassen, die Ukraine weiter zu unterstützen. „Russland setzt seine rücksichtslose Kampagne feindseliger Handlungen gegen die Nato fort“, sagt Rutte vor Journalisten in Brüssel.
Es versucht, unsere Entschlossenheit zu schwächen und unsere Unterstützung für die Ukraine zu stoppen. Aber das wird nicht gelingen ... Unsere Botschaft an Moskau ist klar: Wir werden noch mehr für die Ukraine tun, nicht weniger.
Ein Brandanschlag auf ein estnisches Rüstungsunternehmen im August ist nach Erkenntnissen der Regierung in Tallinn von russischen Geheimdiensten in Auftrag gegeben worden. Dies teilte der estnische Ministerpräsident Kristen Michal unter Berufung auf Informationen des Inlandsgeheimdienstes KAPO mit. Das betroffene Unternehmen Milrem Robotics liefert unbemannte Fahrzeuge an die Ukraine.
Beweise für den Verdacht legte Estland unter Verweis auf die Geheimhaltungspflicht der Sicherheitsdienste nicht vor. Die Regierung erklärte jedoch, der Vorfall passe ins Bild anderer Sabotageakte, die im Auftrag Russlands in Europa verübt worden seien. Eine russische Stellungnahme lag zunächst nicht vor. Die Regierung in Moskau hat Vorwürfe westlicher Staaten von Sabotage und anderer hybrider Angriffe in Europa wiederholt zurückgewiesen.
Der ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara sagt seinen für heute geplanten Antrittsbesuch bei seinem deutschen Amtskollegen Boris Pistorius in Berlin kurzfristig ab. Grund sei die aktuelle Lageentwicklung in der Ukraine, teilt das Verteidigungsministerium mit. Beide Seiten bemühen sich demnach um einen baldigen Ersatztermin. Bei dem Treffen sollte es um die weitere militärische Unterstützung des Landes gehen, das sich für einen weiteren Kriegswinter mit russischen Angriffen auf die Energie-Infrastruktur rüstet.
Nordkorea bereitet nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj die Entsendung von weiteren 10.000 Soldaten nach Russland vor. Auf russischem Territorium befänden sich zudem bereits mehr als 8000 Soldaten aus Nordkorea, schreibt Selenskyj auf der Plattform X. Eine russische oder nordkoreanische Stellungnahme liegt zunächst nicht vor.
Papst Leo XIV. hat neue internationale Anstrengungen für Gespräche über ein Ende des Kriegs zwischen Russland und der Ukraine gefordert. „Wir müssen die Staats- und Regierungschefs Russlands, die Ukraine und andere Länder auffordern, sich zu treffen, sich an einen Tisch zu setzen, miteinander zu sprechen“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Heimflug von seiner Frankreichreise.
Als Ziel nannte er es, „Lösungen für diese Probleme zu finden – anstatt auf Kriege zu bestehen, die keinen Sinn mehr haben“. Der russische Angriffskrieg gegen das Nachbarland dauert bereits seit mehr als viereinhalb Jahren an. Auch Vermittlungsbemühungen des Vatikans brachten bislang keine Fortschritte. Der Papst äußerte sich vor Journalisten in der Maschine, die ihn nach vier Tagen in Frankreich nach Rom zurückbrachte.
Der russische Präsident Wladimir Putin stockt die Armee seines Landes einem Dekret zufolge auf 1,55 Millionen Soldaten auf. Die Zahl der aktiven Soldaten steigt damit um 15.500. Die Maßnahme folgt auf eine ähnliche Anhebung im August.
Russland will seine Militärausgaben im Jahr 2027 auf einen neuen Höchststand seit Beginn des Krieges in der Ukraine anheben. Geplant seien Ausgaben von 17,1 Billionen Rubel (rund 178 Milliarden Euro), wie aus Regierungsdokumenten hervorgeht, die der Nachrichtenagentur Reuters am Montag vorlagen. Dies entspricht einer Steigerung von rund 27 Prozent gegenüber dem ursprünglich veranschlagten Budget von 13,5 Billionen Rubel.
Insgesamt sollen sich die Rüstungsausgaben in den kommenden drei Jahren auf 50 Billionen Rubel belaufen. Für das Jahr 2026 waren ursprünglich 12,1 Billionen Rubel für die Verteidigung vorgesehen, die tatsächliche Summe ist jedoch als geheim eingestuft. Zudem können Teile der Militärausgaben in anderen Bereichen des Haushalts verbucht werden.
Russland hat nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bereits mit einer zusätzlichen Mobilmachung begonnen. „Sie (die Russen) planen auch, verstärkt Ausländer einzubeziehen“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache und berief sich auf Erkenntnisse der ukrainischen Geheimdienste. Seit Monaten wird über eine neue Mobilmachung in Russland spekuliert, um die zuletzt starken Verlusten an den Frontlinien in der Ukraine auszugleichen. Kremlchef Wladimir Putin hat solche Befürchtungen bisher kategorisch zurückgewiesen.
Zudem gebe es neue Informationen zur Präsenz nordkoreanischer Soldaten in Russland. „Derzeit befinden sich mehr als 8.000 nordkoreanische Soldaten auf russischem Territorium“, sagte Selenskyj. „Darüber hinaus wird die Entsendung eines Kontingents von weiteren 10.000 Soldaten vorbereitet – diese werden ausgewählt, um eine Ausbildung zu absolvieren und anschließend nach Russland verlegt zu werden.“
In der ukrainischen Grenzregion zu Polen hat es nach Angaben der Regierung in Warschau erneut eine Drohnenattacke unweit von einem Grenzübergang gegeben. „Ein weiterer Angriff Russlands auf die Westukraine. Eine düsengetriebene Drohne ist auf ukrainischer Seite etwa zwei Kilometer vom Grenzübergang zu Polen in Dorohusk eingeschlagen“, schrieb Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz auf der Plattform X. Der Luftraum über Polen wurde demnach nicht verletzt.
Außenminister Johann Wadephul hält weitere Treffen mit Russland nach dem Gespräch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow nur unter Bedingungen für sinnvoll. „Folgetreffen machen nur dann Sinn, wenn Russland ernsthaft zu Verhandlungen bereit ist“, sagte der CDU-Politiker bei einem Treffen mit seinem niederländischen Kollegen Tom Berendsen in Den Haag auf die Frage, ob es weitere Gespräche, etwa von Kanzler Friedrich Merz (CDU) mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, geben solle.
Die Reaktion, die ich jetzt öffentlich von Herrn Lawrow gehört habe, zeigt ja zum jetzigen Zeitpunkt keine ernsthafte Gesprächsbereitschaft.
Alle, die immer wieder gefordert hätten, man müsse endlich mit Russland direkte Gespräche führen, sähen nun, „dass auch direkte Gespräche dann nichts bringen, wenn der Gesprächspartner auf einer fundamentalen Position der weiteren Kriegsführung beharrt“. Er fügte hinzu: „Solange das der Fall ist, glaube ich, brauchen wir das Gespräch nicht fortsetzen.“ Der Bundesaußenminister betonte aber auch: „Wenn Russland zu vernünftigen Gesprächen bereit ist, dann müssen die geführt werden.“ Klar sei, dass dann Europa dabei sein müsse.
Polen hat die Bewohner der östlichen Region Lublin kurzfristig aufgefordert, sichere Orte aufzusuchen. Angesichts der russischen Angriffe auf die benachbarte Ukraine bestehe auch für diese Region Polens die Gefahr eines Luftangriffs, teilt das polnische Regierungszentrum für Sicherheit mit. Zuvor hatte es bekanntgegeben, dass polnische Kampfflugzeuge aufgrund der russischen Angriffe auf die Ukraine im polnischen Luftraum im Einsatz seien. Kurz darauf hob es die Warnung wieder auf.
Ein Gericht in Estland hat einen kremlfreundlichen Aktivisten wegen gewaltloser Handlungen eines Ausländers gegen die Unabhängigkeit, Souveränität und territoriale Integrität des an Russland grenzenden EU- und Nato-Landes zu einer Haftstrafe verurteilt. Der Mann wurde zudem wiederholten Verstößen gegen internationale Sanktionen für schuldig befunden und muss insgesamt für sieben Jahre ins Gefängnis.
Das Urteil der Richter in Tallinn kam der Mitteilung zufolge nach einer sogenannten Verständigung zwischen dem Gericht und dem im November 2025 festgenommen Angeklagten zustande. Es ist noch nicht rechtskräftig.
Der Anklage zufolge soll sich der 52 Jahre alte Mann seit Mai 2022 an Desinformationskampagnen gegen Estland beteiligt haben, die zum Nutzen und im Interesse Russlands durchgeführt worden seien. Dazu habe er in Kontakt mit verschiedenen russischen Institutionen und Personen gestanden, die an Einflussaktivitäten beteiligt waren. Dies umfasste die Erstellung und Verbreitung von Narrativen, die Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine rechtfertigten, Falschbehauptungen und Angstmacherei – besonders über einen YouTube-Kanal.
Bei einer Serie russischer Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ist nach offiziellen Angaben auch eine Klinik getroffen worden. „Derzeit versuchen die Rettungskräfte, den Brand schnellstmöglich zu löschen“, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Telegram. Zu möglichen Opfern dieses Angriffs wurden keine Angaben gemacht.
Die private Klinikkette Dobrobut bestätigte der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine zunächst einen Einschlag in einer Einrichtung. Später konkretisierte das Unternehmen die Niederlassung. Vor dem Einzug der Klinik beherbergte das Gebäude eine Filiale des Telekommunikationsunternehmens Ukrtelecom.
Die ersten direkten Gespräche zwischen Deutschland und Russland seit Beginn des Angriffs auf die Ukraine vor viereinhalb Jahren haben nach Ansicht der Bundesregierung und der EU gezeigt, dass Russland kein Interesse an Friedensverhandlungen hat.
Die Positionen seien „meilenweit“ voneinander entfernt gewesen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin am Montag. Das Treffen habe die Einschätzung der Bundesregierung bestätigt, dass Moskau weiterhin nicht zu ernsthaften Verhandlungen über einen Waffenstillstand oder ein Ende des Krieges bereit sei.
Die Reaktion des russischen Außenministers Sergej Lawrow auf sein Gespräch mit Bundesaußenminister Johann Wadephul zeigt nach Einschätzung der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas, dass Russland nicht an Frieden interessiert ist. Lawrow und Wadephul waren am Samstag am Rande der Vollversammlung der Vereinten Nationen zusammengekommen. Der russische Außenminister äußerte sich im Anschluss abweisend über die Begegnung. Er sagte auf einer Pressekonferenz, er habe nichts Neues erfahren, und Wadephul hätte ihn ebenso gut anrufen können.
Im Streit wegen der Überstellung zweier nordkoreanischer Kriegsgefangener hat das südkoreanische Außenministerium den Geschäftsträger der ukrainischen Botschaft in Seoul einbestellt. Südkorea wirft der Ukraine vor, eine Vereinbarung über die vertrauliche Behandlung der Überstellung gebrochen zu haben.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am vergangenen Mittwoch in seiner Rede bei der UN-Generaldebatte in New York erstmals öffentlich mitgeteilt, dass die Ukraine zwei nordkoreanische Kriegsgefangene nach Südkorea überstellt habe.
Das ukrainische Militär hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj seine Angriffe auf russisches Gebiet fortgesetzt. Ziel seien Ölanlagen in der Region Krasnodar gewesen sowie zwei Rüstungsfabriken in den Regionen Tula und Woronesch. Der geschäftsführende Gouverneur von Brjansk teilt zudem mit, dass in der russischen Grenzregion Bahninfrastruktur mit ukrainischen Drohnen angegriffen worden sei. Dabei sei eine Bahnbrücke teilweise eingestürzt. Fast 30 Waggons seien entgleist. Verletzt worden sei niemand.
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Russland plant Erhöhung der Militärausgaben für 2027.
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Open Questions
- Wird es weitere direkte Gespräche zwischen Russland und westlichen Staaten geben?
- Wie reagiert die internationale Gemeinschaft auf die Truppenaufstockungen?



