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Kritische Infrastruktur in Deutschland nach Sabotageakten in der Kritik
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Tagesschau Inland40 minutes agoPolitics2 min readGermany

Kritische Infrastruktur in Deutschland nach Sabotageakten in der Kritik

Nach Anschlägen auf Energieanlagen wächst die Sorge um die Sicherheit. Politiker und Verbände fordern schärfere Maßnahmen und neue Befugnisse.

Quick Look

  • Nach Sabotageakten an Energieanlagen in Brandenburg und NRW sieht das Bundesinnenministerium die kritische Infrastruktur stark gefährdet.
  • Politiker fordern bessere Schutzkonzepte, während Verbände mehr Rechte für Betreiber verlangen.

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Why It Matters

Nach Angriffen auf Energieanlagen in Brandenburg und NRW wird über die Sicherheitslage und Gesetze zur kritischen Infrastruktur diskutiert.

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Nach den Sabotageakten an Energieanlagen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen sieht das Bundesinnenministerium kritische Infrastruktur in Deutschland grundsätzlich stark gefährdet. Aufgrund ihrer "Bedeutung für die Gesellschaft" unterliege sie "einer hohen abstrakten Gefährdung", sagte ein Sprecher des Ministeriums dem Handelsblatt.

"Grundsätzlich sind jedoch die Betreiber für den Schutz ihrer jeweiligen Einrichtungen verantwortlich", hieß es weiter. Die Sicherheitsbehörden unterstützten die Unternehmen dabei. Das Bundesamt für Verfassungsschutz informiere mögliche Betroffene unter anderem mit Sicherheitshinweisen. Hinzu kämen regelmäßige Sicherheitsbriefings und Gespräche mit einzelnen Branchen. Dabei stellten die Behörden auch die aktuelle Gefährdung durch Sabotage dar.

Das im März 2026 in Kraft getretene Kritis-Dachgesetz legt erstmals bundesweit und branchenübergreifend Mindestanforderungen für den physischen Schutz kritischer Infrastruktur fest. Die dafür notwendigen Rechtsverordnungen hat die Bundesregierung aber bislang nicht vorgelegt. Einen Zeitplan nannte das Innenministerium auf Nachfrage nicht.

Grüne fordern besseren Schutz

Das kritisiert Irene Mihalic, Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion. Durch die fehlende Verordnung sei nicht klar, "welche Unternehmen und Einrichtungen welche konkreten Maßnahmen treffen müssen", sagte sie dem Handelsblatt.

Mihalic wirft Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) grundsätzlich schwere Versäumnisse beim Schutz kritischer Infrastruktur vor. "Unser Land ist auf Angriffe auf kritische Infrastrukturen nur sehr unzureichend vorbereitet."

Es fehle eine klare Linie, wie Dobrindt der Bedrohung begegnen wolle. "Wir erwarten, dass der Bundesinnenminister noch im Rahmen der aktuellen Haushaltsverhandlungen ein Gesamtkonzept für die Sicherheit in unserem Land vorstellt", sagte Mihalic.

AfD will Bundeswehr und Grenzkontrollen stärken

AfD-Außenpolitiker Markus Frohnmaier sagte im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF, die Sicherung der kritischen Infrastruktur dürfe nicht eindimensional geschehen. "Sie müssen auf der einen Seite die Bundeswehr stärken, auch zur Amtshilfe befähigen."

Auf der anderen Seite müssten die Grenzkontrollen verstärkt werden. "Offenbar können sich ja Personen nach Deutschland Zutritt verschaffen, denen dann eine mutmaßliche Agententätigkeit nachgewiesen wird", so Frohnmaier.

Bezogen auf Sabotage-Versuche durch Russland, wie laut Bundesregierung der Drohnen-Vorfall am Leipziger Flughafen, forderte er mehr Diplomatie mit Moskau. Deutschland habe sich durch seine Unterstützung der Ukraine zur Zielscheibe gemacht.

Debatte um Rechte von Betreibern

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) forderte nach den Angriffen eine Debatte über die Rechte der Betreiber kritischer Infrastruktur. "Dürfen die Videoanlagen betreiben? Dürfen die in Zukunft eine eigene Drohnenabwehr haben, zum Beispiel? Das sind Fragen, die wird man jetzt mal beantworten müssen", sagte der CDU-Politiker im ZDF-heute journal.

Nicht jedes Umspannwerk könne von Polizisten bewacht werden - stattdessen müssten diejenigen, die die Anlagen betreiben, ertüchtigt und in die Lage versetzt werden, diese besser zu schützen, betonte Reul. Das könne man "relativ schnell regeln".

Ähnlich äußerte sich die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG). Der Schutz kritischer Infrastrukturen sei nicht die originäre Aufgabe der Polizei. Es fehle nicht an technischen Möglichkeiten, sondern an konsequenten Investitionen, bemängelte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, Heiko Teggatz.

Verband fordert "Backup-System" für Notfälle

Auch die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, Kerstin Andreae, forderte ein Umdenken mit Blick auf den Datenschutz. Bestimmungen müssten so angepasst werden, "dass auch angrenzende öffentliche Bereiche rechtssicher per Kamera überwacht werden können", sagte sie der Rheinischen Post.

Der Bundesverband der Erneuerbaren Energien (BEE) sprach sich für ein "Backup-System für Notfälle" im Stromnetz aus. Bioenergie und Wasserkraft seien beispielsweise schwarzstartfähig, sagte BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser der Rheinischen Post. Das heißt, sie könnten etwa nach einem Stromausfall ohne externe Stromversorgung schnell wieder hochgefahren werden.

Ermittlungen in NRW und Brandenburg laufen

Innerhalb kurzer Zeit hatte es in dieser Woche sowohl einen Angriff auf die Stromversorgung des Umspannwerks Turnow-Preilack in Südbrandenburg als auch eine Störung an einem Umspannwerk in Bergheim gegeben. In der Nähe beider Orte wurden nach Angaben der Behörden Abschussvorrichtungen gefunden.

Die Ermittlungen liefen weiter in alle Richtungen, hieß es von Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU). In den beiden Fällen liegt bislang kein Bekennerschreiben vor. NRW-Innenminister Reul sagte, geprüft würden "zwei Richtungen: fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus."

Die Ermittler gehen davon aus, dass beide Vorfälle auf verfassungsfeindliche Sabotage zurückzuführen sind.

Open Questions

  • Wann legt die Bundesregierung die Rechtsverordnungen für das Kritis-Dachgesetz vor?
  • Wer steckt hinter den Anschlägen in Brandenburg und NRW?

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This article was originally published by Tagesschau Inland.

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