
Große europäische Lachszuchtunternehmen setzen bei der Fütterung auf Geflügelbasis, um Kosten zu senken und ein langjähriges Tabu zu brechen.
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Bis 2013 war die Fütterung von Zuchtfischen mit tierischem Protein verboten. Die EU-Kommission hat ihre Haltung geändert, sofern kein Kannibalismus vorliegt.
Zwei der größten Lachszuchtunternehmen Europas setzen künftig Futter auf Geflügelbasis. Das berichtet die »Financial TImes«. Demnach wird beim norwegischen Fischproduzenten Lerøy bereits solches Futter in allen Offshore-Farmen eingesetzt, das Unternehmen Mowi plant den Einsatz offenbar. Auch das Unternehmen Grieg hat laut der »Financial Times« bereits Futter aus Geflügel für ihre Zuchtlachse eingeführt, die Firma Grieg testet es.
Damit fällt offenbar ein langjähriges Tabu in der Lachszucht. In der EU und Großbritannien war Futter auf Geflügelbasis für Fische verboten aus Furcht vor Krankheiten. Norwegen ist zwar kein EU-Mitglied, norwegische Unternehmen betreiben jedoch etwa Aquafarmen vor der Küste Schottlands. Die EU-Kommission änderte ihren Standpunkt, solange kein Kannibalismus im Spiel sei, gebe es keine Gesundheitsrisiken. Wohl aus Furcht vor den Konsumentinnen und Konsumenten zögerten die Fischproduzenten jedoch, ihre Zuchtlachse mit tierischen Produkten zu füttern, die nicht von anderen Fischen stammen. Nun hoffen die Hersteller offenbar, dass Lachs gezüchtet mit Huhn den Menschen nicht den Appetit verdirbt.
Die Entscheidung soll insbesondere die Kosten der Zuchtbetriebe senken: Lachse ernähren sich von Fisch. Der Preis für das Futter der Lachse auf Fischbasis habe sich in den vergangenen zwei Jahren jedoch verdoppelt laut der »Financial Times«. Futter auf Geflügelbasis sei etwa halb so teuer. Zudem steige die Nachfrage aus China.
Die Zustände in der Lachszucht sorgen seit vielen Jahren für Empörung. Degenerierte Tiere brechen aus Netzen im Meer aus, vermischen sich mit wilden Lachsen und gefährden diese. Der SPIEGEL berichtete im April 2024 etwa über die Missstände bei der Lachszucht auf Island.
»Wie mir die Lust auf Poke Bowls und Sushi verging«: Lachs essen ist gesund und harmlos, so der Mythos. Dabei zerstören Aquakulturen den Lebensraum wilder Fische. Wie ein Jahr Recherche den Blick von SPIEGEL-Redakteur Jan Petter auf die Industrie verändert hat – und wie nachhaltiger Konsum trotzdem gelingen könnte, lesen Sie hier.
AI outlook — possibilities, not facts
Weitere Lachszuchtunternehmen könnten auf Geflügelfutter umstellen.
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