Lebensversicherungen im Bilanzcheck: Allianz und Hannoversche vorne, Zurich bildet Schlusslicht
Professor Hermann Weinmann hat 14 große deutsche Lebensversicherer verglichen. Während Spitzenreiter glänzen, kämpfen andere mit hohen Kosten und stillen Lasten.
Quick Look
- Ein neuer Bilanzcheck von Professor Hermann Weinmann vergleicht 14 große deutsche Lebensversicherer für 2025.
- Allianz Leben und Hannoversche Leben belegen die Spitzenplätze, während Zurich Deutscher Herold das Schlusslicht bildet.
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Why It Matters
Professor Hermann Weinmann erstellt jährlich einen Bilanzcheck zu deutschen Lebensversicherern.
Frankfurt. Die Lebensversicherung verliert immer weiter an Vertrauen – auch wegen schwer vergleichbarer Angebote und wenig transparenter Kosten. Professor Hermann Weinmann vom Institut für Finanzwirtschaft in Ludwigshafen fordert deshalb seit Langem einheitliche Vorgaben, besonders für staatlich geförderte Produkte.
Die Reform der Riesterrente mit einem Standarddepot ist für ihn ein Schritt in die richtige Richtung. Zugleich dürfte sie den Wettbewerb für die Lebensversicherer verschärfen: Viele Kunden könnten künftig ein Wertpapier-Depot statt einer Versicherung wählen. „Es wird deutliche Verschiebungen im Markt geben“, erwartet Weinmann.
Voraussetzung für stabile Rentenzahlungen ist, dass die Versicherer gut mit dem Geld ihrer Kundinnen und Kunden wirtschaften. Wie unterschiedlich ihnen das gelingt, zeigt Weinmanns jährlicher Bilanzcheck, der in der „Zeitschrift für Versicherungswesen“ erscheint und dem Handelsblatt vorab vorliegt.
Dieses Mal vergleicht Weinmann die Zahlenwerke von 14 großen deutschen Lebensversicherern für das Jahr 2025. Aus verschiedenen Kennziffern zur Ertragssituation, zu den Betriebskosten, den Storno-Einbußen und den Bewertungsreserven ergibt sich zunächst ein betriebswirtschaftliches Urteil. Dieses bildet die Grundlage für die Verbrauchernote, in der Weinmann zusätzlich berücksichtigt, inwiefern die Versicherer ihre Kunden am erzielten Rohüberschuss beteiligen.
Die Spanne der Ergebnisse ist groß: Auf den vordersten Rängen liegen Allianz Leben und Hannoversche Leben, jeweils mit 900 von 1000 erzielbaren Punkten und der Verbrauchernote „sehr gut“. Dahinter folgt der Versicherer Axa Leben, der sich von 500 Punkten im Vorjahr auf 700 Punkte steigerte und nun die Verbrauchernote „gut“ erhält. Ebenfalls die Note „gut“ bekommen Alte Leipziger Leben, WWK Leben und mit leichtem Abstand auch R+V Leben.
Eine deutliche Verbesserung sieht Weinmann zudem bei Generali Deutschland Leben mit der Verbrauchernote „befriedigend+“. Die Tochter des italienischen Versicherungsriesen befindet sich damit auf einer Stufe mit der Bayern-Versicherung. Knapp dahinter folgen Nürnberger Leben, Volkswohl Bund Leben und Debeka Leben.
Seit dem Vorjahr verschlechtert hat sich indes Provinzial Leben mit der Verbrauchernote „ausreichend“. Mit kleinem Abstand reiht sich dahinter die Württembergische Leben ein. Das Schlusslicht bildet wie im Vorjahr Zurich Deutscher Herold mit der Verbrauchernote „mangelhaft“ – ein Ergebnis, das der Versicherer auf Handelsblatt-Anfrage nicht kommentieren wollte.
Die Allianz überzeugt unter anderem mit der niedrigsten Betriebskostenquote im Vergleich. Sie gibt an, welcher Teil der Kundenbeiträge auf Vertragsabschluss, Verwaltung der Verträge und sonstige betriebliche Aktivitäten entfällt. Beim Marktführer beträgt sie nur 6,3 Prozent, während Weinmann für die WWK mit 19,3 Prozent den höchsten Wert errechnet.
Bei mehreren Anbietern beobachtet the Wissenschaftler auf Fünfjahressicht aber einen Rückgang der Betriebskosten. Die Finanzaufsicht Bafin beobachtet zudem, dass die Effektivkosten von fondsgebundenen und hybriden Lebensversicherungen, einer Mischform zwischen klassischen und fondsgebundenen Policen, seit 2021 gesunken seien. Im teuersten Viertel des Marktes seien sie aber weiterhin zu hoch, moniert die Behörde.
Teuer wird es für Versicherungskunden vor allem, wenn sie ihren Vertrag vorzeitig kündigen. Der Rückkaufswert fällt oft niedrig aus, weil die Abschlusskosten üblicherweise mit den Beiträgen der ersten Vertragsjahre verrechnet werden.
Eine Kennzahl, die Weinmann deshalb ebenfalls wichtig ist, ist die sogenannte Storno-Einbuße. Hier wird die Zahl der stornierten Verträge zur Zahl der Neuverträge ins Verhältnis gesetzt. Wenn viele Kunden ihre Verträge vorzeitig auflösen, ist das ein Signal, dass sie unzufrieden sind.
Auffällig sind hier vor allem Zurich Deutscher Herold, Nürnberger Leben und Debeka Leben. Rechne man bei Debeka Leben auch noch die regulären Abläufe mit ein, gleiche das Neugeschäft den Bestandsrückgang nicht aus, kritisiert Weinmann.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wider. 2025 hatten die deutschen Lebensversicherer rund 79 Millionen Verträge im Bestand, darunter 66 Millionen Policen, die Sparen und Risikoschutz verbinden. Vor 20 Jahren waren es insgesamt noch über 94 Millionen Verträge gewesen.
Die Hannoversche Leben und Allianz Leben hatten die geringsten Storno-Einbußen in Weinmanns Vergleich. Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr sieht er zudem bei WWK Leben sowie bei Axa, Generali und der Alte Leipziger Leben.
Hannoversche und WWK punkten zudem damit, dass sie die beiden einzigen Versicherer in der Analyse mit positiven Bewertungsreserven in den Kapitalanlagen sind. Bei allen anderen Anbietern sind die stillen Lasten im vergangenen Jahr weiter gestiegen – sowohl in absoluten Zahlen als auch relativ zum Buchwert in der Bilanz.
Stille Lasten entstehen, wenn das Zinsniveau steigt und der Marktwert der im Bestand gehaltenen Staats- und Unternehmensanleihen unter den Buchwert sinkt. Zwar können die Versicherer Verluste vermeiden, wenn sie die Papiere bis zur Endfälligkeit halten – verbunden allerdings mit einer geringen Rendite. Wer dagegen Verluste realisiert, kann das frei werdende Geld zu besseren Konditionen wieder anlegen.
Laut einer aktuellen Studie von Metzler Ratings summierten sich die stillen Lasten bei den 30 größten Lebensversicherern im Jahr 2025 auf 92 Milliarden Euro, nach rund 65 Milliarden Euro ein Jahr zuvor – rund zehn Prozent des verwalteten Kapitalanlagebestands. Aufgrund des weiteren Zinsanstiegs seien sie im laufenden Jahr weiter gestiegen, auf geschätzt 127 Milliarden Euro.
Unter den von Weinmann untersuchten Versicherern machen die stillen Lasten bei sechs Gesellschaften mehr als zehn Prozent des Kapitalanlagebestands aus, und zwar bei Volkswohl Bund Leben, Generali Deutschland Leben, Debeka Leben, Alte Leipziger Leben, Württembergische Leben und Zurich Deutscher Herold. Eine finanzielle Instabilität lasse sich daraus nicht automatisch ableiten, sagt Weinmann. Doch das Ertragspotenzial sei bei vielen Lebensversicherern begrenzt.
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AI outlook — possibilities, not facts
Deutliche Verschiebungen im Markt durch Reform der Riesterrente
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Open Questions
- Wie reagiert Zurich auf das mangelhafte Abschneiden?
- Wie stark verändern sich die Marktanteile durch neue Riester-Regeln?





