Mao Zedongs Erbe: 50 Jahre nach seinem Tod in Shaoshan
Ein Blick auf die tägliche Theateraufführung in Maos Geburtsort, die den Gründungsmythos der Volksrepublik China zelebriert.
Quick Look
- 50 Jahre nach dem Tod von Mao Zedong bleibt sein Geburtsort Shaoshan ein Zentrum des 'Roten Tourismus'.
- Eine tägliche Theateraufführung inszeniert dort die Geschichte der Kommunistischen Partei und Maos Aufstieg zur Ikone.
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Why It Matters
Mao Zedong wurde 1893 in Shaoshan geboren und verstarb vor 50 Jahren. Shaoshan dient heute als zentraler Ort für den sogenannten 'Roten Tourismus'.
Als es dunkel wird in Shaoshan, füllt sich die Zuschauertribüne. Gut 100 Menschen trotzen dem Spätsommerregen, überwiegend chinesische Familien in Ausflugsstimmung. Unter freiem Himmel nehmen sie Platz, um eine Aufführung zu verfolgen, die hier seit mehr als zehn Jahren zweimal täglich gegeben wird: »China hat einen Mao Zedong hervorgebracht!«, so heißt das Stück. Es porträtiert jenen Mann, dessen Tod am heutigen Mittwoch genau 50 Jahre zurückliegt – und der 1893 in Shaoshan zur Welt kam. Heute ist der kleine Ort Chinas berühmteste Wallfahrtsstätte des sogenannten »Roten Tourismus«.
Von den Stufen des Amphitheaters blicken die Zuschauer hinab auf eine Bühne mit den Umrissen der Volksrepublik China – inklusive eines kleinen Zipfels am rechten Rand, der die Insel Taiwan darstellt. Die gehört nach eigenem Verständnis zwar nicht zur Volksrepublik, wird von der Staatsführung in Peking aber als Teil des eigenen Staatsgebietes angesehen. Keine Kartendarstellung des Landes ist aus chinesischer Sicht komplett ohne diesen Zipfel, und sei es eine Theaterbühne.
Auf der Bühne verspricht Mao den Chinesen gute Tage
Dann erklingt die Nationalhymne. Das Licht geht aus. Und Chinas Geschichte beginnt. »Wenn wir es nicht wagen«, ruft ein jugendlicher Mao von einer Dampflok herab, »wer wagt es dann?« Auf der Bühne ist es 1921, der junge Revolutionär macht gerade die ersten Schritte in der kommunistischen Bewegung. Die sieht sich im beginnenden 20. Jahrhundert vor der Herausforderung, das politisch zerfaserte und kolonial gedemütigte chinesische Reich in die Moderne zu führen. Den Arbeitern eines Kohlewerks verspricht Mao: Eines Tages würden sie »gute Tage verleben« – ein chinesischer Ausdruck für die Sehnsucht nach einem einfachen, erfüllten Leben. »Dann«, ruft Mao, »wird unser Land einen anderen Namen haben: das Neue China!« Auf der Bühne bleiben ihm 90 Minuten, um sein Versprechen einzulösen.
Das Stück klappert die Stationen ab, die chinesische Schüler aus ihren Geschichtsbüchern kennen. Mao inspiziert die Bauernbewegung in der Provinz Hunan, es fällt der berühmte Satz: »Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen.« Mao verabschiedet sich von seiner Familie, um sich auf den »Langen Marsch« zu begeben, bei dem seine kommunistischen Truppen vor den anrückenden Nationalisten zurückweichen. Von anfänglich 80.000 Bauern und Soldaten erreicht am Ende nur rund ein Zehntel den Zielort Yan’an. Aber der legendäre Marsch hilft Mao, sich zur Ikone der Kommunistischen Partei zu stilisieren.
Besonders aufwendig wird die Schlacht um die Luding-Brücke inszeniert, ein zentraler Gründungsmythos der Partei. Der Legende nach kämpften sich 26 Kommandos im Mai 1935 über den reißenden Fluss Dadu. Von der Brücke waren nur die Stahlketten geblieben. Wasser- und Feuerfontänen schießen über die Bühne, letztere stellen den Beschuss durch die Nationalisten dar. Vier Kommandos stürzen in den Tod, der Rest robbt über die Brücke und rettet sich nach Yan’an. Wie die Schlacht wirklich ablief, ob es sie in dieser Form überhaupt gab, ist umstritten. Selbst Maos Nachfolger Deng Xiaoping bezeichnete die Querung des Dadu später als »einfache militärische Operation«.
Open Questions
- Wie wird die historische Darstellung in Shaoshan von der jüngeren Generation wahrgenommen?
