Märkte Insight: Was die Ölhandelsstrategie einer Airline über Ticketpreise verrät
Die Strategien der Airlines gegen schwankende Kerosinpreise stehen in der Kritik: Klassisches Hedging kann für Unternehmen und Aktionäre zum Bumerang werden.
Quick Look
- Analysen zeigen, dass klassische Hedging-Strategien bei Fluggesellschaften oft ineffektiv sind.
- Statt auf komplexe Finanzinstrumente zu setzen, erweisen sich Kerosinzuschläge als wirksameres Mittel, um Preisrisiken auf Passagiere abzuwälzen.
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Why It Matters
Fluggesellschaften kämpfen mit volatilen Kerosinpreisen, die oft außerhalb ihrer Kontrolle liegen. Klassische Absicherungsgeschäfte können bei Rezessionen zu hohen Verlusten führen.
Eine Fluggesellschaft so zu betreiben, dass auch Aktionäre daran Freude haben, ist ein notorisch schwieriges Unterfangen. Auf Sicht von fünf Jahren liegt etwa die Aktie der Lufthansa rund 20 Prozent im Plus – keine besonders beeindruckende Performance. Der Dax hat zum Beispiel seit Herbst 2021 rund 60 Prozent an Wert gewonnen.
Ein Grund für das schwache Abschneiden vieler Airlines liegt im Geschäftsmodell. Ein wichtiger Kostenfaktor war in den vergangenen Jahren sehr volatil und liegt außerhalb der Kontrolle des Managements: der Preis für Treibstoff, Kerosin.
Die Strategien, mit denen sich Fluggesellschaften gegen schwankende Rohstoffpreise absichern, gehören daher zu den am besten gehüteten Geheimnissen der Branche. Bis jetzt.
Kang war von 2011 bis 2013 Leiter der Finanzabteilung bei Katar Airways. Ein Blick auf den Ölpreis-Chart verrät, dass die Zeit durchaus vergleichbar ist mit dem heutigen Marktumfeld. Der Ölpreis notierte damals über einen längeren Zeitraum bei mehr als 100 Dollar. Kang fand eine Situation vor, in der Katar Airways mit klassischen Hedging-Strategien Millionen verbrannte, wie er auch kürzlich im Bloomberg-Podcast „Odd Lots“ beschrieb.
Solche klassischen Hedging-Strategien sahen vor, dass Fluggesellschaften Derivate oder andere Finanzinstrumente kaufen, deren Wert steigt, wenn die Ölpreise steigen. Die Idee: Durch Gewinne mit den Derivaten lassen sich Kosten durch gestiegene Einkaufspreise für Kerosin kompensieren.
Diese simple Hedging-Strategie lässt jedoch die Korrelation des Ölpreises mit der Nachfrage nach Flugtickets außer Acht. Beides hängt vom Konjunkturzyklus ab. Kang fasst es so zusammen: „Wenn Öl teuer ist, ist die Weltwirtschaft in der Regel stark – und die Passagiere fliegen.“ Airlines könnten zwar mit cleverem Hedging Geld verdienen. Doch: „Die Absicherung greift genau in dem Fall, in dem die Fluggesellschaft die Hilfe am wenigsten benötigt.“
Anders sieht es aus, wenn infolge einer Rezession die Ölpreise einbrechen: Dann drohen einer Fluggesellschaft, die sich gegen hohe Preise absichert, hohe Verluste im Hedging-Geschäft. Gleichzeitig brechen in diesem Umfeld auch Buchungen und Umsätze ein. „Zwar sorgen günstigere Kraftstoffpreise für eine Entlastung bei den Kosten, doch diese wird durch das doppelte Defizit aus rückläufigen Buchungszahlen und realisierten Absicherungsverlusten mehr als aufgewogen“, erläutert Kang.
Die überraschende Erkenntnis: Rückgänge beim Kerosinpreis können eine Airline mitunter härter treffen als hohe Kerosinpreise. Da in Zeiten hoher Ölpreise oftmals die Nachfrage nach Flugtickets robust ist, lassen sich die Mehrkosten an die Passagiere weitergeben.
Katar Airways führte daher 2011 einen Kerosinzuschlag auf Tickets ein. Auch die Lufthansa nutzt solche Gebühren. Kangs Analyse zeigt: Mit einem Kerosinpreiszuschlag kann sich eine Fluggesellschaft weitgehend gegen steigende Preise absichern. Es reicht aus, nur sehr hohe und sehr niedrige Preise mit komplexen Finanzinstrumenten zu hedgen.
Kang fuhr mit dieser Strategie bei Katar Airways nach eigenen Angaben innerhalb von nur fünf Monaten 130 Millionen US-Dollar Gewinn ein. Für Airline-Aktionäre sind das gute Nachrichten – für Kunden weniger. Wenn ein Airline-CEO sagt, das Unternehmen sei gegen hohe Preise abgesichert, meint er damit eigentlich, dass die Passagiere die Mehrkosten tragen.
Open Questions
- Wie reagieren Regulierungsbehörden auf Kerosinzuschläge?






