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BackMersen-Chef Salvador Lamas: „Sicherlich kann ich mir eine engere Kooperation mit SGL Carbon vorstellen“
Mersen-Chef Salvador Lamas: „Sicherlich kann ich mir eine engere Kooperation mit SGL Carbon vorstellen“
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Handelsblatt2 hours agoBusiness4 min readGermanyView translation

Mersen-Chef Salvador Lamas: „Sicherlich kann ich mir eine engere Kooperation mit SGL Carbon vorstellen“

Der französische Grafit-Konzern Mersen will bis 2029 stark wachsen und peilt dabei auch den deutschen Markt sowie mögliche Partnerschaften an.

Quick Look

  • Der französische Grafit-Konzern Mersen strebt bis 2029 einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro an und will in Deutschland und Europa wachsen.
  • CEO Salvador Lamas schließt dabei eine engere Kooperation mit dem deutschen Konkurrenten SGL Carbon nicht aus.

AI-generated summary

Why It Matters

Der französische Grafit-Konzern Mersen plant bis 2029 eine Umsatzsteigerung auf 1,7 Milliarden Euro und baut seine Präsenz in Deutschland aus.

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München. Salvador Lamas hat einen Plan, der sich in einer Zahl zusammenfassen lässt: 1,7 Milliarden Euro. So viel Umsatz will der französische Grafit-Konzern Mersen bis 2029 erlösen – rund 400 Millionen Euro mehr als in diesem Jahr. Einen Teil des Wachstums will Lamas ausgerechnet in Deutschland holen, mithilfe eines Werkstoffs, dem viele eine große Zukunft zutrauen: Grafit.

Das Material ist robust, leitfähig, hitzebeständig – und damit unverzichtbar für Rüstung, Raumfahrt und Energiewende. Mersen zählt zu den größten Anbietern der Welt. Der deutsche Markt, bisher nur acht Prozent des Konzernumsatzes, soll bald zweistellig wachsen. Und dabei gerät ausgerechnet ein deutscher Konkurrent ins Blickfeld.

„Wir haben einen klaren Weg vor uns und wissen, besser als andere für Herausforderungen positioniert zu sein“, erklärt Salvador Lamas, 53, seit Mai als CEO fungierend, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der eigene „Footprint“ sei einzigartig, man habe viel investiert: „Unser Geschäft ist derzeit am oberen Ende der Erwartungen für 2026.“

Im Juli hatte the globale Experte für hochwertige Materialien („advanced materials“) sowie für elektrische Spezialitäten rund um die Energiewende den Ausblick fürs Jahr nach oben korrigiert. Bei der Rendite hieß das: von 8,5 auf bis zu 9,5 Prozent.

Ein ganzes Jahr lang hatte sich der in Mexiko aufgewachsene Sohn eines Mexikaners und einer Spanierin auf die Chefrolle bei Mersen vorbereitet. Dessen 7250 Mitarbeiter sind in 32 Ländern und 54 Industriewerken aktiv.

Dabei spielt Deutschland eine besondere Rolle. Schließlich war an der 1889 entstandenen Firma sehr früh der deutsche Fabrikant Willy Blumenthal maßgeblich beteiligt, ein jüdischer Philanthrop. In der Nazizeit wurden die Geschäfte des Herstellers von Kohlebürsten für Elektromotoren ganz auf die Frankfurter Dependance umgeleitet. Im Geschäft mit Kohlebürsten ist man noch immer führend, jetzt mit Blick auf große Industrieanwendungen. Die Sparte für Autos und Haushaltsgeräte wurde 2009 verkauft.

Großes Potenzial gebe es im deutschen Markt, sagt Lamas: „Wir werden dort besser werden. Ich liebe Deutschland mehr und mehr.“ Der deutsche Anteil am Mersen-Gesamtumsatz soll bald zweistellig werden. Schließlich habe man die passenden Produkte für die Energiewende, etwa für Solar- und Windkraft. Deutschland ist neben Frankreich, den USA, Kanada und China ein Kernmarkt von Mersen.

Betrachte man die geopolitische Position, die Marktanwendungen und den gelieferten Grafit-Typ, dann befinde sich Mersen unter den Top drei des Gesamtmarkts, urteilt Giovanni Selvetti, Analyst bei der Berenberg Bank. Hauptrivalen seien Toyo Tanso und Tokai Carbon aus Japan sowie SGL Carbon und Schunk aus Deutschland.

Tatsächlich ist die Firma SGL Carbon ins Blickfeld der Franzosen geraten. Sie erlöste zuletzt nur noch 850 Millionen Euro (minus 17 Prozent). Der Hauptsitz der Firma, bei der BMW-Teilhaberin Susanne Klatten Großaktionärin ist, wechselt Anfang 2027 von Wiesbaden zum Produktionsstandort Meitingen bei Augsburg. Salvador Lamas: „Sicherlich kann ich mir eine engere Kooperation mit SGL Carbon vorstellen. Das könnte Sinn ergeben, aber es muss für beide vorteilhaft sein.”

Mögliche Kooperationsgespräche mit Mersen seien „in unserem Hause nicht bekannt“, kommentiert eine Sprecherin von SGL Carbon. Es handele sich um zwei selbstständige, börsennotierte Unternehmen, deren Geschäftsmodell sich nur teilweise überschneide.

Trotz der Distanzierung verfolgen beide Firmen eine ähnliche Strategie: mit hochreinen Grafitfilzelektroden von den boomenden Märkten Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung zu profitieren. Grafit ist hier ein strategischer Rohstoff, der etwa in Raketentechnologien, Drohnen, Radarsystemen und Hilfstriebwerken eingesetzt wird. Die US Defense Logistics Agency wählte Mersen als Lieferanten aus.

Grafit habe eine „glänzende Zukunft“, subsumiert Konzernchef Lamas, nur wenige Materialien seien für so schwierige Umweltbedingungen wie etwa in der Raumfahrt geeignet. Die indischen Forscher von Mordor Intelligence gehen von einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 9,91 Prozent im Grafit-Markt aus.

Der Stoff sorge, so Lamas, für Effizienz in der Welt der Konsumenten – für die er jedoch eine unsichtbare Ware bleibt. Wenn Freunde oder die Familie ihn fragen, was genau er denn so im Beruf mache, nennt Lamas schnell Produkte wie das Glas von Handys oder kabellose Kopfhörer, die alle ohne den Einsatz von Grafit undenkbar wären: „Also kann man sagen: Mersen ist überall!“

Eisenbahnen nennt der Konzernchef als weitere Wachstumszone. Vermehrt kommen Aufträge auch von US-Rechenzentren, denen man Sicherungen liefert. Für die dort eingesetzten Halbleiter wiederum ist hochreines Silizium nötig, für dessen Herstellung ebenfalls Grafit gebraucht wird. Mit CATL, dem chinesischen Weltmarktführer für E-Auto-Batterien, arbeitet der französische Zulieferer in Schanghai eng zusammen.

Die eigenen Wachstumsziele schließen 100 Millionen Euro Neu-Umsatz durch Zukäufe bis 2029 ein. Konzernchef Lamas spricht von „einer Pipeline an Möglichkeiten, der wir womöglich folgen, besonders in Europa, in Nordamerika und – warum nicht – in Indien“. Mit 43 Prozent fallen aktuell die meisten Umsätze in Nordamerika an, gefolgt von Europa (33 Prozent) und Asien-Pazifik (21 Prozent). Schon in der Vergangenheit akquirierte Mersen immer wieder Firmen, 2019 etwa das deutsche Familienunternehmen GAB Neumann, einen Spezialisten für Wärmetauscher.

Europa müsse agiler werden, weil China so schnell sei, warnt Lamas: „Wenn man zu spät ist, kommt man manchmal nicht mehr rechtzeitig zum Büfett – und es gibt nichts mehr zu essen.“

Zur Finanzierung der Expansion hat Mersen 2024 und 2025 mit dem Verkauf von Schuldscheinen über „Private Placements“ mehr als 200 Millionen Euro eingenommen. Die Liste der institutionellen Investoren, die Anteile an Mersen halten, reicht vom norwegischen Staatsfonds bis zu Vermögensverwaltern wie Vanguard. Federführend ist mit mehr als zehn Prozent des Kapitals die staatliche Investitionsbank Bpifrance.

Investiert wird nicht nur in Zukäufe: In 24 Forschungs- und Entwicklungszentren setzt Mersen zunehmend auf Künstliche Intelligenz. Die neue Einheit „Mersen International“ soll Erkenntnisse aus den einzelnen Ländergesellschaften konzernweit nutzbar machen – eine Art interne Ideenbörse. Zudem sucht Lamas den engen Austausch mit Industriekunden.

Erfülle Mersen den Wachstumsplan Jahr für Jahr, seien das gute Nachrichten für Aktionäre, Investoren und Marktbeobachter, sagt Lamas. In normalen Zeiten wäre das ausreichend – doch seit Covid habe man es mit einer „verrückten Welt“ zu tun. Deshalb brauche es ein engagiertes Team. Von aktionistischen „Hundert-Tage-Plänen“ hält Lamas dagegen nichts: „Eine meiner Hauptaufgaben ist es, die Firma für die nächsten 140 Jahre vorzubereiten.“

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Mersen wird bis 2029 einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro anstreben.

    Likely · Within months

Open Questions

  • Wird es tatsächlich zu Gesprächen zwischen Mersen und SGL Carbon kommen?
  • Wie schnell kann Mersen den deutschen Marktanteil im zweistelligen Bereich etablieren?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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