Mit zwei Milliarden ins Risiko: Texanischer Öl-Händler kauft sich eigene Tankerflotte
Angesichts hoher Treibstoffpreise und Spannungen in der Straße von Hormus kauft PIF Energy gebrauchte Tanker für den Öltransport.
Quick Look
Der texanische Ölhändler PIF Energy plant den Kauf von Supertankern im Wert von zwei Milliarden Dollar, um trotz der Blockade der Straße von Hormus den Ölfluss aus dem Nahen Osten nach Indien und China sicherzustellen.
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Why It Matters
Seit über sechs Monaten herrscht Krieg zwischen dem Iran und den USA, was zu einer Blockade der Straße von Hormus geführt hat.
Kämpfe im Nahen Osten treiben die US-Treibstoffpreise auf Rekordhöhen. Ein Ölhändler aus Texas nimmt die Lage nun selbst in die Hand und geht ein 2-Milliarden-Dollar-Risiko beim Kauf gebrauchter Supertanker ein.
In den USA sorgen die massiv gestiegenen Treibstoffpreise seit Monaten für Unmut. Zuletzt hat sich der Durchschnittspreis für eine Gallone Diesel (also 3,785 Liter) zwar leicht nach unten bewegt. Er verharrt aber nach wie vor nahe an Rekordwerten. Während die Trump-Regierung auf eine Belebung des Öltransports durch die Straße von Hormus hofft, nimmt ein Öl-Händler aus dem US-Bundesstaat Texas die Sache derweil selbst in die Hand.
Einem Bericht der „Financial Times“ (FT) zufolge will der Geschäftsführer des in Dallas ansässigen Unternehmens PIF Energy, Ben Morrow, Supertanker im Wert von zwei Milliarden US-Dollar kaufen. "Alles ist kapitalistisch getrieben, man muss Geld verdienen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten", erklärt Morrow seinen ungewöhnlichen Schritt der "FT". Er wolle der Welt wirklich helfen: "Lasst uns dafür sorgen, dass das Öl fließt." In der Vergangenheit haben Händler Schiffe eher von Reedern gechartert, als sie selbst zu besitzen.
Sein Plan ist es, Öl von der staatlichen irakischen Ölagentur und von Saudi Aramco zu Raffinerien in Indien und China zu transportieren. Dafür will er eine Flotte älterer Schiffe zusammenstellen, die jeweils bis zu zwei Millionen Barrel Öl befördern können. Sie sollen im Hafen Basra verladen und durch die Straße von Hormus ins Arabische Meer und darüber hinaus transportiert werden. Morrow plant, insgesamt 15 Schiffe zu kaufen, noch hat er nicht alle beisammen.
Sein ungewöhnlicher Schritt, gebrauchte Tanker zu kaufen, unterstreicht die Verzweiflung mancher Händler, knappe Transportkapazitäten zu sichern und den Ölfluss aufrechtzuerhalten. Denn die Preise haben zuletzt deutlich angezogen. Aufgrund des Bedarfs an Schiffen, die sofort einsatzbereit sind, übertreffen derzeit die Preise für Gebrauchtschiffe ungewöhnlicherweise die Preise für Neubauten, berichtet die "FT". Grund dafür sind die rekordhohen Frachtraten für Ladungen aus dem Nahen Osten, die für einen Supertanker bis zu 1,3 Millionen US-Dollar pro Tag erreichen.
Der Durchschnittspreis für einen 15 Jahre alten Supertanker, also eine der größten Tankerklassen, liegt laut dem Schiffsmakler Clarksons bei etwa 160 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 44 Prozent in den letzten drei Monaten, verglichen mit 131 Millionen US-Dollar für einen Neubau. Viele Käufer am Markt sind Ölgesellschaften aus dem Nahen Osten, die eigene Flotten aufbauen wollen, statt sich auf Reeder zu verlassen, denen die Durchfahrt durch die Meerenge möglicherweise zu riskant ist.
Die Rekordpreise haben ungeachtet dessen auch finanzstarke Neueinsteiger wie das Handelsunternehmen PIF auf den Markt gelockt. Der "FT" sagte eine mit der Sache vertraute Person, die Schiffe von PIF würden von einem "erstklassigen Sicherheitsteam" begleitet. Es sei von der US-Regierung zugelassen, um trotz Krieg die Sicherheit auf dem Weg durch die Meerenge zu gewährleisten.
Im seit mehr als sechs Monaten andauernden Iran-Krieg ist die Straße von Hormus Schauplatz zahlreicher Gefechte. Teheran hat die für den Welthandel wichtige Meerenge weitgehend blockiert, im Gegenzug verhängten die USA eine Seeblockade iranischer Häfen.
Teheran verlangt von Schiffen eine Genehmigung für die Durchfahrt. Eine Rückkehr zu einer freien Durchfahrt wie vor Beginn des Krieges Ende Februar lehnt die iranische Führung ab. Zudem will der Iran Gebühren für die Schiffsdurchfahrt erheben. Die USA und die Länder der Region lehnen dies ab.
Zuletzt hat Analysen der Branchenexperten Kpler und Marisks zufolge das Volumen der Öltransporte durch die Straße von Hormus wieder deutlich zugenommen. Der Sieben-Tage-Schnitt bei Ölexporten der Golfstaaten habe am 30. September bei 18,3 Millionen Barrel pro Tag gelegen. An 14 Tagen im September habe der Wert das Vorkriegsniveau überstiegen, so Kpler.
Den Anstieg führen die Experten unter anderem auf einen Ausbau einer sogenannten "Shuttle-Flotte" zurück. Der Begriff bezeichnet Tanker, die von der US-Marine geschützt in der Meerenge hin- und herfahren und so Öl von Verladestationen im Persischen Golf an wartende Tanker außerhalb bringen.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
PIF Energy wird versuchen, die Flotte auf 15 Schiffe zu erweitern.
Likely · Within months
Open Questions
- Wie viele Schiffe hat PIF Energy bereits erworben?
- Wie reagiert der Iran auf die bewaffneten PIF-Tanker?




