Morning Briefing: Die unbequeme Wahrheit hinter Trumps Niederlage – auch für Deutschland
Midterms: Mega-Thema Bezahlbarkeit / Bundesregierung: Kapitalrente wird verschoben
Quick Look
- Die Republikaner von US-Präsident Donald Trump verloren bei den Kongress-Zwischenwahlen ihre Mehrheiten in beiden Häusern.
- Der entscheidende Grund war die Unterschätzung der durch den Irankrieg verursachten Preissteigerungen, die die Kernwählerschaft revoltieren ließ.
- Auch in Europa schwappt das Thema Bezahlbarkeit an, während Kanzler Friedrich Merz vor ähnlichen Herausforderungen steht.
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Why It Matters
Die Republikaner von US-Präsident Donald Trump verloren bei den Kongress-Zwischenwahlen ihre Mehrheiten in beiden Häusern. Der entscheidende Grund war die Unterschätzung der durch den Irankrieg verursachten Preissteigerungen. In Deutschland wurde der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger tot in einem Berliner Hotelzimmer gefunden. Die Kapitalrente der Bundesregierung wurde verschoben.
Trump gestern in Washington: Der Grund für die Niederlage. Foto: Imago
Podcast
Midterms: Mega-Thema Bezahlbarkeit / Bundesregierung: Kapitalrente wird verschoben
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
es gibt viele gute Gründe für die deutliche Niederlage der Republikaner von US-Präsident Donald Trump bei den Zwischenwahlen zum Kongress – aber einen entscheidenden: Trump hat die Wirkung der, vor allem durch seinen Irankrieg verursachten, Preissteigerungen unterschätzt.
Korruption, Attacken auf demokratische Institutionen – das alles konnte Trump über Monate nichts anhaben. Aber seitdem die Benzinpreise steigen, revoltiert seine Kernwählerschaft. Das heißt nicht, dass die hohen Preise das einzige Motiv dafür sind, dass die Republikaner am Dienstag in beiden Häusern des Kongresses ihre bisherigen Mehrheiten verloren. Aber offenbar das Motiv, das am Ende die entscheidenden Wechselwähler motiviert hat.
Diese Erkenntnis ist auch über die USA hinaus relevant – beinhaltet sie doch zwei unangenehme Botschaften: Rechtspopulisten sind nicht durch moralische Appelle zur Rettung der Demokratie angreifbar, sondern wenn sie nicht liefern. Und das Thema Bezahlbarkeit schwappt auch nach Europa. Der britische Premier Andy Burnham sagte gestern: „Nun habe die Welt die Gelegenheit, sich geeint um das Problem zu kümmern, das uns alle betrifft.“ Nur: Für Regierungen ist da wenig zu gewinnen.
Die Spritpreise würden schon sinken, wenn der Irankrieg endet. Aber die gestiegenen Wohnkosten, die klimabedingten Preissteigerungen bei Lebensmitteln oder die überall im Westen steigenden Gesundheitskosten sind nicht so leicht zu senken.
Das Thema wird auch Kanzler Friedrich Merz noch einholen – und gerade für eine ordnungspolitisch sauber aufgestellte Regierungspartei nur schwer zu lösen sein. Denn sinnvoller als eine „Bezahlbarkeitsdebatte“ wäre eine „Verfügbarkeitsdebatte“, also die Frage, warum einzelne Produkte und Leistungen so knapp sind, dass die Preise steigen. Doch die verspricht kaum schnelle Lösungen.
Wie explosiv das Thema ist, zeigt ein bemerkenswerter Vorgang von gestern Abend: Da entzündete sich die bisher deutlichste öffentliche Differenz zwischen Trump und seinem Vize JD Vance. Letzterer argumentierte, die Republikaner hätten wegen des Irankriegs und der deswegen steigenden Preise in den USA die Wahl verloren. Er habe schon immer Bedenken gehabt. Trump dagegen verkündete:
„Der Irankrieg war es wert.“
Die demokratische Gouverneurin Gina Hinojosa und Senator James Talarico aus Texas: Die Demokraten könnten den KI-Ausbau in dem Bundesstaat bremsen. Foto: Getty Images via AFP
US-Wahl II: KI gewinnt, KI verliert
Auf den ersten Blick passt es nicht zusammen: Die Demokraten haben im Wahlkampf gegen Rechenzentren mobilgemacht – und ausgerechnet die Konzerne, die sie betreiben, legten gestern an der Börse zu. Amazon und Microsoft gewannen jeweils über sechs Prozent. Der Neocloud-Anbieter CoreWeave dagegen verlor knapp zehn Prozent, Nvidia mehr als drei.
Die Erklärung liefern meine Kollegen Philipp Alvares de Souza Soares und Antonia Mannweiler: Für CoreWeave und Co. ist der Bau von Rechenzentren das Geschäftsmodell, finanziert auf Kredit. Für die Hyperscaler ist er ein Kostenblock. Die US-Bank Goldman Sachs prognostizierte, dass im nächsten Jahr 1,2 Billionen Dollar in den KI-Ausbau fließen könnten. Bremsen die Demokraten den Ausbau, bleibt mehr im Cashflow – für Aktionäre, die seit Wochen über die Kostenlawine klagen, eher Entlastung als Drohung.
Hubert Aiwanger: Bayerns Wirtschaftsminister wurde gestern Abend tot gefunden. Foto: Peter Kneffel/dpa
Bayern: Wirtschaftsminister Aiwanger tot in Berlin gefunden
Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, auch Vorsitzender der Freien Wähler, ist gestern Abend tot in einem Berliner Hotelzimmer gefunden worden. Aiwanger war in der Stadt, um ein neues Bundesbüro seiner Partei einzuweihen. Für den Termin hatte er sich kurzfristig gesundheitsbedingt abgemeldet. Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte am Abend Aiwangers Tod, machte aber keine weiteren Angaben dazu.
Aiwanger wurde 55 Jahre alt. Der Niederbayer hatte zwei Kinder und lebte mit der Freie-Wähler-Landrätin Tanja Schweiger zusammen. Mit Aiwanger verlieren die Freien Wähler ihren markantesten und sicher auch streitbarsten Kopf.
Kanzler Merz (l.), Arbeitsminister Schweitzer:Team mit Lieferschwierigkeiten. Foto: Thomas Frey/dpa
Kapitalrente: Sie kommt, sie kommt nicht, sie kommt…
Irgendwo im Berliner Regierungsviertel muss jemand größere Mengen Treibsand ausgelegt haben – jedenfalls versinken in wachsender Zahl Reformvorhaben. Um die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren wird noch gerungen, nun trifft es das Kernstück der Rentenreform: Für die kapitalgedeckte Säule der gesetzlichen Rente sollen bis Weihnachten nur „Eckpunkte“ stehen, das Gesetz soll erst 2027 folgen.
Noch vor vier Wochen hatte Merz beim Deutschland-Gipfel des Handelsblatts versprochen: „Ich bin mir sicher, dass wir sie bis Weihnachten durchs Kabinett haben.“ Warum die Kapitalrente nun ausgegliedert wird, erklärte er nicht. Ob das Vorhaben im nächsten Jahr wieder auftaucht? Treibsand ist tückisch – was einmal versunken ist, gerät immer tiefer.
Kanzler Merz, Telekom-Chef Höttges (r.): Zwei Männer, zwei Ziele. Foto: Bloomberg
Telekom: Höttges und der Großaktionär
Es wäre eine der größten Fusionen zweier börsennotierter Unternehmen aller Zeiten: Telekom-Chef Timotheus Höttges treibt den Zusammenschluss mit der US-Tochter T-Mobile US weiter voran. Dabei hat er, erfuhren meine Kollegen Leila Al-Serori und Stephan Scheuer, zwei Probleme: Elon Musk drängt mit Starlink immer stärker in den klassischen Mobilfunkmarkt. Und Höttges muss den Kanzler überzeugen.
Denn der Bund hat rund 28,6 Prozent an der Telekom und damit eine Sperrminorität. Was er nicht hat: ein eindeutiges Motiv, den Plänen von Höttges zuzustimmen. Sein Anteil würde verwässert, und ein fusionierter Konzern säße wohl nicht mehr in Deutschland – diskutiert werden Irland und die Schweiz. Darauf, dass Höttges schnell klein beigibt, sollte sich Merz nicht verlassen. Ein langjähriger Weggefährte sagte meinen Kollegen:
„Höttges will die Fusion auf jeden Fall, sie soll der Höhepunkt seiner Zeit als Konzernchef werden.“
Peek & Cloppenburg-Geschäftsführerin Freienstein: Auf Immobiliensuche. Foto: Peek & Cloppenburg Düsseldorf
Handel: Peek & Cloppenburg wirft Peek & Cloppenburg raus
Wenn die eigene Familie den Mietvertrag kündigt: Peek & Cloppenburg muss nach Informationen meiner Kollegen Florian Kolf und Anja Müller sein Stammhaus in Düsseldorf bis Oktober 2027 räumen. Neuer Mieter wird Konkurrent Inditex. Laut Branchenkreisen soll er auch die Weltstadthäuser am Berliner Kurfürstendamm und an der Frankfurter Zeil übernehmen. Pikant: Die Immobilien verwaltet Midstad, das wie der Händler zur Familie um Patrick Cloppenburg gehört.
Westeuropa-Chefin Constanze Freienstein hatte die Logik schon Mitte Oktober im Handelsblatt-Interview beschrieben, mit Blick auf Cloppenburg: „Er als Vermieter und wir als Mieter müssen uns jeweils fragen: Was ist das Beste für uns?“ Die Antwort scheint gefunden.
Janosch im Selbstbild: Zum Abschied ein Gruß. Foto: dpa
Oh, wie traurig ist Panama
„Aber die Bücher dürfen wir doch behalten?“, fragte unser Sohn gestern, als er die Nachricht vom Tod des Kinderbuchautors Janosch mitbekam. Schließlich hätte sonst eine größere Lücke im Bücherregal geklafft. Traurig ist die Nachricht dennoch: Der Künstler und Schriftsteller, im bürgerlichen Leben Horst Eckert, ist 95-jährig gestorben.
Er begeisterte seit den 70er-Jahren mit Büchern wie „Oh, wie schön ist Panama“ Kinder in aller Welt. Was bleibt, sind seine Figuren Tiger, Bär und Tigerente – und eine Tusche-Aquarell-Zeichnung, die sein Tübinger Verleger Bernhard Feil gestern veröffentlichte. Darauf ein Mann in blauer Jacke und Hose, darunter ein Abschiedsgruß: „Ich war der Herr Janosch.“
Ich hoffe, Sie entdecken Ihr Panama am heutigen Donnerstag.
Ihr
Sven Prange
Lead Editor
PS: Wie sicher sind wir eigentlich? Cyberangriffe, hybride Bedrohungen, verschobene Bündnisse. Was heißt das konkret für die Bundeswehr, für die Unternehmen und für die Gesellschaft? Genau diesen Fragen geht der neue Podcast von Handelsblatt und Tagesspiegel Background nach. Neue Folgen von „Wie sicher sind wir?“ erscheinen immer mittwochs, die erste finden Sie hier bei Spotify und bei Apple.
Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Kapitalrente wird erst 2027 als Gesetz verabschiedet.
Likely · Within months
Die Fusion zwischen der Telekom und T-Mobile US wird politisch schwierig.
Possible · Within months
Open Questions
- Welche genauen Umstände führten zum Tod von Hubert Aiwanger?
- Wann wird das Gesetz zur Kapitalrente endgültig verabschiedet?
- Wird die Fusion zwischen der Telekom und T-Mobile US zustande kommen?
- Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung zum Thema Bezahlbarkeit?






