
Die 28-jährige Munay Zamorano hat einst als Werkstudentin ein Unternehmen übernommen. Heute wirbt sie dafür, nicht nur zu gründen, sondern bestehende Firmen fortzuführen.
AI-generated summary
Tausenden mittelständischen Unternehmen in Deutschland droht altersbedingt das Aus, weil keine Nachfolger gefunden werden.
Munay Zamorano hat als Werkstudentin ein Unternehmen übernommen. Und setzt sich nun dafür ein, dass nicht alle immer nur ans Gründen denken. Die Zahlen geben ihr recht.
Berlin. Munay Zamorano könnte es wie die anderen machen. Sie könnte durch die Halle schlendern oder in der langen Schlange für Kaffee anstehen. Macht sie aber nicht. Plötzlich ist sie da, eilt zu einer Gruppe von Frauen, bleibt kurz stehen, sagt Hallo, entfernt sich wieder mit schnellen Schritten, das Smartphone am Ohr. Sie trägt einen schwarzen Blazer, schwarze Stoffhose, Turnschuhe. Keine Sneaker.
Ein Donnerstagmorgen im Oktober, eine Mehrzweckhalle in Berlin, der Deutsche Gründer- und Unternehmertag, kurz deGUT. Gleich wird Zamorano ihren ersten von zwei Vorträgen halten, wieder einmal ihre Geschichte erzählen.
Das Tempo, mit dem Munay Zamorano, 28, sich bewegt, passt zu dem, das sie in den vergangenen Jahren vorgelegt hat. Als Werkstudentin hat sie ein Unternehmen übernommen und wieder verkauft. Jetzt wirbt sie als selbst ernannte Nachfolge-Aktivistin dafür, dass junge Menschen nicht nur ans Gründen neuer Unternehmen denken, sondern auch an die Übernahme von bestehenden.
Sie sagt: „Nachfolge ist wie Gründen, nur einfacher.“ Sie sagt aber auch: „Man sollte es nicht so machen wie ich.“
Sondern?
Und warum ist ihr das Thema so wichtig?
Sie redet so schnell, wie sie geht
Als sie einige Minuten später auf einer der Bühnen steht, erzählt sie in der Geschwindigkeit, in der sie durch die Halle gegangen ist, ihre Geschichte, die meiste Zeit mit einem Grinsen im Gesicht. Sie hat sie schon auf anderen Bühnen erzählt, in Podcasts, auf ihren Accounts bei LinkedIn und Instagram.
Einerseits deutete wenig darauf hin, dass sie einmal Unternehmerin werden sollte. Sie kommt aus einer Familie, in der alle in irgendeiner Form an Universitäten arbeiten, der Opa war Professor für Naturwissenschaften, die Mutter organisiert Forschungsreisen, Tante und Onkel arbeiten an der Technischen Universität Berlin. „Meine Familie hat keine Berührungspunkte zur Realwirtschaft“, sagt sie.
Andererseits wollte sie selbst schon mit 13 arbeiten, machte einen Babysitter-Kurs, passte danach auf die Tochter der Kursleiterin auf. Mit 16 fing sie an zu kellnern, kümmerte sich morgens ab 4 Uhr um den Frühstücksservice im Hilton, danach um die Schule. Mit einiger Mühe einschließlich diverser Schulwechsel kämpfte sie sich bis zum Abitur durch. „Starre Strukturen und Anweisungen befolgen, ohne sie zu verstehen, war nicht meine Stärke.“ Man könnte also sagen: Unternehmer-Mindset.
Zamorano sagte: „Kauf' ich!“
Sie wollte Modedesignerin werden, aber weil ihr das finanzielle Verständnis fürs Business fehlte, schrieb sie sich in BWL ein. Doch statt Praxis gab es viel Theorie. Mit 23 fing sie deshalb als Werkstudentin bei einem Start-up an, einem Vertrieb für Naturkosmetik. Ihre Aufgabe war es, Ware an Geschäftskunden zu verkaufen.
Eines Tages verkündete ihre Chefin, dass sie das Unternehmen verkaufen möchte, um sich nach einem Deal mit „Höhle der Löwen“ ganz ihrer Eigenmarke zu widmen. Noch im Meeting sagte Zamorano, sie wolle es kaufen. Reines Bauchgefühl, sagt sie im Nachhinein. „Das war wirklich einfach dieses Gefühl von ‚Ich arbeite hier eh, es macht mir Spaß‘.“
Zunächst nahm die Chefin sie nicht ernst. Das änderte sich erst, als Zamorano ihr Anliegen in den kommenden Monaten wieder und wieder vortrug. Die Chefin empfahl ihren Finanzberater. Dem zahlte Zamorano nach eigener Aussage 2000 Euro, was so ungefähr ihre gesamten Ersparnisse waren, damit er sie beriet. Als sie ihren seit der Schulzeit besparten Fonds aufgelöst hatte, verfügte sie immerhin über 30.000 Euro Eigenkapital.
Diverse Treffen waren nötig, bis eine Bank ihr einen Kredit gab, um das Unternehmen zu kaufen. Eine Vertreterin der Bank erzählte ihr danach, den Kredit habe sie nur wegen ihrer Unternehmerinnenpersönlichkeit bekommen. Viel mehr hatte sie auch nicht vorzuweisen. Keine Erfahrung als Unternehmerin, das BWL-Studium, so hatte sie angekündigt, würde sie abbrechen, um sich um das Unternehmen zu kümmern.
Erster richtiger Job, gleich Chefin
Sichtbar schwanger war sie zu dem Zeitpunkt auch noch. Die Bank verlangte von ihr deshalb, in den Business-Plan zu schreiben, wer das Kind betreute. „Das war objektiv diskriminierend. Das nehme ich der Bank bis heute übel“, sagt sie. Der Vater des Kindes übernahm den Großteil der Care-Arbeit. „Ich habe das 50er-Jahre-Modell reverse gelebt.“ Dann endlich war sie geschäftsführende Gesellschafterin eines Unternehmens, das später bis zu fünf Mitarbeiter haben sollte. Ihr erster richtiger Job, und gleich Chefin.
Vieles brachte Zamorano sich übers Selbststudium bei, Youtube-Videos, netzwerkte viel, machte selbstverständlich viele Fehler. Gab zu spät Arbeit ab, setzte gelegentlich auf Zahlen, wo sie auf ihre Intuition hätte setzen müssen. Sie hatte kein vorgefertigtes Bild, wie man ein Unternehmen führt. „Das war wahnsinnig wertvoll.“ Das Unternehmen machte nach ihren Angaben Umsätze von 300.000 bis 350.000 Euro im Jahr.
Aber nach einem guten Start änderte sich die Situation.
„I had a great time, and then I had a hard time“, sagt sie mal in einem englischsprachigen Podcast.
Zum einen entwickelte sie eine Abneigung gegen die Branche. Auch die Naturkosmetik warb eben mit Vorher-nachher-Bildern: „Kauf unser Produkt, dann siehst du besser aus!“
Zum anderen kündigte ein Großkunde, der 40 Prozent des Umsatzes ausmachte. Zu viel für das kleine Unternehmen. Zamorano setzte noch einen eigenen Online-Shop für Endkunden auf, um sich auf der Suche nach einem Käufer Zeit zu verschaffen. An den verkaufte sie mit plus/minus null, den laufenden Kredit übernahm er gleich mit.
Sie will das heute nicht schönreden, sagt aber auch: „Was ich da mitgenommen habe: Lebenserfahrung, Weisheit, unternehmerisches Denken und Handeln – das kannst du in Gold nicht aufwiegen.“ Sie habe vorher nicht mal genau gewusst, was ein Kredit ist.
Nachfolge steckt in einer Krise
Seitdem macht sie Pause vom Unternehmerin-Sein, berät dafür junge Unternehmerinnen und Unternehmer, aber will eben auch Menschen für die Nachfolge begeistern. Sie sagt, die kennen junge Menschen kaum. „Den Begriff Nachfolge habe ich überhaupt erst zwei Jahre nach meiner Übernahme kennengelernt“, sagt sie.
Sie will das Gründen nicht schlechtreden, aber Nachfolge stärker ins Zentrum rücken mit all ihren Vorteilen. Meist ein funktionierendes Geschäftsmodell, von Anfang an ein eigenes Gehalt. In den USA gibt es einen eigenen Begriff: Entrepreneurship Through Acquisition (ETA). In Deutschland gebe es vor allem viel Berichterstattung zu Start-ups. „Aber wer trägt unsere Wirtschaft wirklich? Das Bruttoinlandsprodukt schafft der Mittelstand. Unsere Wirtschaftskrise ist eine Nachfolgekrise. Die wird von ein paar Tech-Start-ups nicht gelöst.“
Die Zahlen geben ihr recht: Nachfolge steckt, auch bedingt durch die demografische Entwicklung, in einer Krise, die jedes Jahr schlimmer wird.
Laut Nachfolgereport 2025 der DIHK standen in der Beratung 9636 Senior-Unternehmern lediglich 4016-Übernahme-Interessierte gegenüber. Auf eine an der Übernahme interessierte Person kamen also 2,4 Unternehmen. Eine Lücke, die immer größer wird. In Branchen wie Gastgewerbe, Handel, Logistik ist das Missverhältnis noch dramatischer.
Nachfolgeberaterin: „Viele sehen ihr Unternehmen als Teil ihrer selbst“
DIHK-Mittelstandsexperte Marc Evers sagt, bei der Unternehmensnachfolge entscheide sich, wie viel Unternehmertum, wie viel Ideenreichtum Deutschland morgen noch habe. „Tausenden Mittelständlern droht das Aus. Nach den Erfahrungen und den Zahlen der IHK-Beratung könnten fast 60 Prozent ohne Übernehmer dastehen.“ Die meisten, sagt er, müssten aus Altersgründen aufhören, 72 Prozent, also nicht aus wirtschaftlichen Gründen. 27 Prozent der beratenen Unternehmen erwägen eine Schließung, auch weil sie keinen Nachfolger finden.
Das mittlere Alter der Übergebenden ist auf 64 Jahre gestiegen, besagt der aktuelle Nachfolgemonitor, ein gemeinsames Forschungsprojekt vom Verband Deutscher Bürgschaftsbanken, Creditreform Rating und dem Kompetenz-Centrum für Entrepreneurship & Mittelstand. Die Daten beziehen sich auf die durch Bürgschaftsbanken begleiteten Übernahmen.
Crashkurs „Nachfolge“
Zamorano trägt ihre Botschaft an diesem Oktobertag in Berlin noch weiter. Am Mittag wirbt sie auch in ihrem Workshop für die Übernahme, hält im gewohnten Tempo eine Powerpoint-Präsentation, ein Crashkurs „Nachfolge“.
Da ist die Rede von fachlichen, persönlichen, unternehmerischen Qualifikationen. Es geht darum, wie man überhaupt ein Unternehmen findet, das man übernehmen kann, es geht um Finanzierung und Übergabe. Wenn der alte Besitzer durch den Verkauf eigentlich nur eine Jacht finanzieren möchte, finanziert man eben seine Jacht. Und sie mahnt: Unbedingt das private Umfeld darauf einstellen, wie viel man als Unternehmer zu tun haben wird.
Sie hat solche Crashkurse auch schon ausführlicher abgehalten, zuletzt einen Tag lang für Schüler und Studenten der Stiftung der deutschen Wirtschaft.
Viele der Qualifikationen, die sie aufführt, hat sie selbst nicht mitgebracht, wagte es aber trotzdem.
Sie hält es aber durchaus für schlau, es nicht so zu machen wie sie. Also besser schon mal Arbeitserfahrung in einer Branche gesammelt haben, am besten auch Führungserfahrung. Und gerne auch: mit mehreren übernehmen. „Ein Hebel, den wir viel zu wenig nutzen“, sagt sie. Rund 80 Prozent der Unternehmen werden laut Nachfolgemonitor allein übernommen. Wenn zum Beispiel eigene Mitarbeiter das Unternehmen kaufen wollen, aber sehen, wie viel der Chef arbeitet, hilft es zu wissen, dass man nicht allein ist. Auch der Kaufpreis ist mit mehreren einfacher zu stemmen.
Zamorano wünscht sich flächendeckend Nachfolgekurse in Deutschland. Auch, damit Frauen häufiger eine Übernahme wagen. Der Anteil ging laut Nachfolgemonitor 2025 auf 18,9 Prozent zurück. „Viele Frauen haben das Gefühl, sie brauchen einen Kurs, um zum ersten Mal zu investieren, um ein Unternehmen zu übernehmen“, sagt sie.
Nachfolge als Gründung
Immerhin, es tut sich was. Die DIHK verweist auf die Seminare, Workshops und Webinare für Übernahme-Interessierte, die die 79 regionalen Industrie- und Handelskammern anbieten, dazu kommen 300 IHK-Experten im gesamten Bundesgebiet. In Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gibt es Nachfolgezentralen. Weil Nachfolge immer mehr als eine Form der Gründung betrachtet wird, sind Gründungsförderungen möglich. Zamorano wünscht sich ein deutschlandweites Programm. Da sei der Föderalismus nicht so förderlich.
AI outlook — possibilities, not facts
Rückgang von Unternehmen durch fehlende Nachfolge im Mittelstand
Likely · Within months

After the election defeat of the Republicans and the Democratic majority in the US Congress, economists do not expect an all-clear on customs policy. Burdens on transatlantic trade, falling oil prices and tougher conditions for tech and crypto companies are emerging.

Inflation rises sharply in October due to high energy prices caused by the Iran war. In view of the worsening inflation outlook, the ECB is considering a further interest rate hike in December.

The Netherlands is proposing former central bank chief Klaas Knot as the successor to ECB chief Christine Lagarde. Lagarde announced her early resignation in February. The euro countries have until Friday to nominate candidates.

The EU Deforestation Regulation (EUDR), which comes into force on December 30th, requires companies to provide proof of origin against deforestation. Small coffee companies in particular face major bureaucratic and financial hurdles.

Inflation in the euro zone reached four percent in October for the first time in three years. According to Eurostat, goods and services rose in price by 4.0 percent. The ECB is expected to raise interest rates.

The Democrats win the US midterm elections, making US President Trump the “lame duck”. This provides relief and positive price reactions on the markets; the DAX rises almost one percent.