News des Tages: Spionagefall August Hanning, Homeoffice bei der Bahn, Zwist in der Koalition
Koalitionskrise, Spionageverdacht gegen Ex-BND-Chef und Homeoffice-Regelungen bei der Bahn
Quick Look
- In Berlin tagt der Koalitionsausschuss unter Spannungen, während SPD, Grüne und Linke Vorgespräche führen.
- Parallel sorgt die U-Haft des ehemaligen BND-Chefs August Hanning wegen Spionageverdachts für Aufsehen.
- Zudem plant die Bahn eine Präsenzpflicht.
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Why It Matters
August Hanning wird vorgeworfen, BND-Daten für Beratertätigkeiten und für einen fremden Geheimdienst genutzt zu haben. Die Berliner Koalition steht aufgrund von Wahlergebnissen unter Druck.
Schneller Blick nach Berlin, wo politisch gerade alles mit allem zusammenhängt. Am Abend tagt der schwarz-rote Koalitionsausschuss. Nach den Wahlergebnissen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stellt sich den Partnern von CDU, CSU und SPD die Frage: »Gibt es noch eine Geschäftsgrundlage, um gemeinsam zu regieren?«, wie es mein Kollege Paul-Anton Krüger formuliert. Finden Merz, Söder und Klingbeil einen Weg, den Laden zusammenzuhalten?
Ob es ihnen gelingt, könnte indirekt mit einem anderen Treffen zu tun haben, das es heute in Berlin gab: Linke, Grüne und SPD sind zu einem dritten sogenannten Vorgespräch zusammengekommen, um darüber zu beraten, ob sie Sondierungsgespräche aufnehmen, um danach in Verhandlungen einzutreten, um im Anschluss daran eine Koalition im Berliner Abgeordnetenhaus hinzubekommen. Gespräche zur Vorbereitung von Gesprächen, die Gespräche vorbereiten könnten.
Vor einer solchen Koalition in Berlin wiederum hat der Bundeskanzler die SPD, seine Koalitionspartnerin im Bund, heute eindringlich gewarnt. Und die SPD ist sauer, weil in Sachsen-Anhalt möglicherweise CDU-Leute gestern gemeinsam mit der AfD gestimmt haben. Es regiert, so viel steht fest, das Misstrauen in der Koalition. Aber wer regiert Deutschland?
Der ehemalige Chef des Auslandsgeheimdienstes muss in U-Haft, weil er für eine andere Macht spioniert haben soll. Egal, ob Sie heute Abend die Tagesschau gucken, das heute-journal oder RTL aktuell, Sie könnten den Eindruck bekommen, versehentlich bei »Slow Horses« gelandet zu sein, der Apple-TV-Serie über eine Trümmertruppe gescheiterter Agenten. So abgedreht ist der Fall des ehemaligen BND-Chefs August Hanning, 80, der heute dem Ermittlungsrichter vorgeführt wurde.
Gestern hatten Ermittler den einstigen Spitzenbeamten und seinen früheren Büroleiter festgenommen. Seitdem werden immer neue Details bekannt. Die Ermittler werfen Hanning vor, BND-Erkenntnisse bei seinem Ex-Mitarbeiter abgeschöpft und für seine Beratertätigkeit genutzt zu haben. In einem Fall soll er geheime Informationen genutzt haben, um für den Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparates eine Analyse zu erstellen – Aserbaidschan. Hannings Anwalt äußerte sich heute so: »Mein Mandant wird zu Unrecht verfolgt.« Der Ex-BND-Chef habe zwar vertrauliche Unterlagen besessen. »Unzutreffend ist allerdings der Vorwurf, er habe darin enthaltene Informationen zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland – geschweige denn gegen Bezahlung – weitergegeben.«
Einen besonderen Twist bekommt die Sache durch Hannings Rolle im Entführungsfall Block. Für Christina Block war er über Monate als »Sicherheitsexperte« tätig, so nannte es einst die »Bild«. Im September 2025 durchsuchten Polizisten Büroräume, sie arbeiteten sich auch durch Hannings Privathaus im Münsterland. »Es gehört zu den verrücktesten Details dieser an verrückten Details nicht armen Geschichte, dass sie dabei Unterlagen fanden, die den neuen Verdacht aufkommen ließen«, berichtet mein Kollege Christopher Piltz. Beifang werden solche Funde im Jargon der Dienste genannt. »So harmlos, wie das klingt, war es nicht«, sagt Christopher. »Bei dieser Razzia stießen die Fahnder auf jene brisanten BND-Daten, die Hanning zum Verhängnis werden könnten, darunter zahlreiche Verschlusssachen.« Spannender als die Realität kann die neue Folge von »Slow Horses« kaum sein.
Die Bahn will nicht nur Pendler befördern, sondern auch das Pendeln an sich: Sie schränkt die Möglichkeiten für das Arbeiten aus dem Homeoffice deutlich ein, wie mein Kollege David Böcking berichtet: »Es soll wieder eine Präsenzpflicht von drei Tagen pro Woche gelten.«
Doch die Widerstände sind laut David groß. In einer internen Umfrage bewerten 87 Prozent der befragten Mitarbeiter die Präsenzpflicht als negativ. Ob sie mit dem Zug, dem Auto oder dem Rad zur Arbeit müssen, ist nicht bekannt.
Wie denken Sie über das Homeoffice? Arbeiten Sie lieber zu Hause oder im Büro? Debattieren Sie hier bei SPIEGEL Debatte.
Open Questions
- Wie wird sich die Koalition in Berlin weiterentwickeln?
- Welche weiteren Beweise liegen gegen Hanning vor?


