Nikkei, Kospi und Topix: Ausverkauf bei Chipaktien erfasst Japan und Südkorea
Nikkei und Kospi verlieren deutlich, Trump macht Demokraten für Kursrutsch verantwortlich
Quick Look
- Der Ausverkauf bei Chipaktien an der Wall Street setzt sich an den Börsen in Japan und Südkorea fort.
- Der Nikkei-225-Index fiel zeitweise um 6,7 Prozent, der südkoreanische Kospi um mehr als acht Prozent.
- US-Präsident Donald Trump macht die Demokraten für den Kursrutsch verantwortlich.
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Why It Matters
Der Ausverkauf bei Chipaktien begann bereits vor den US-Zwischenwahlen aufgrund von Zweifeln am KI-Rechenzentrums-Boom und exorbitanten Unternehmensbewertungen. Mehrere asiatische Chiphersteller erzielen weiterhin Rekordgewinne, ihre Aktienkurse liegen jedoch weit unter den Höchstständen. Softbank ist einer der größten Anteilseigner von OpenAI und plant die Übernahme von ABB Robotics für 5,4 Milliarden Dollar.
Der Ausverkauf bei Chipaktien an der Wall Street hat sich am Freitag an den Börsen in Japan und Südkorea fortgesetzt. Der japanische Nikkei-225-Index brach zeitweise um 6,7 Prozent ein und notierte damit auf dem Niveau vom April. Südkoreas Leitindex Kospi, der von den weltweit führenden Speicherchip-Herstellern Samsung Electronics und SK Hynix dominiert wird, stürzte zu Handelsbeginn sogar um mehr als acht Prozent ab.
Im Laufe des Vormittags machten die Börsen einen Teil der Verluste wieder wett.
Zur Mittagspause lag der Nikkei 225 mit 57.585 Punkten 5,3 Prozent unter dem Vortagesschluss.
Der breiter gefasste Topix verlor bis dahin 5,4 Prozent auf 3.726 Punkte.
Südkoreas Kospi fiel um 4,5 Prozent auf 5.139 Punkte.
In Taiwan, der Heimat des weltgrößten Chipauftragsfertigers TSMC, gab der Leitindex Taiex bis 10.48 Uhr um 3,6 Prozent nach.
Selbst sonst robustere Märkte der Region wurden mit nach unten gezogen. Der Straits-Times-Index in Singapur fiel um 2,1 Prozent.
Der Hang-Seng-Index in Hongkong fiel um 0,5 Prozent und der Shanghai Composite um ein Prozent.
Panik an der Wall Street verschärft den Ausverkauf
Begonnen hatte die Talfahrt bereits am Donnerstagnachmittag in Asien, an der Wall Street gewann sie dann an Wucht. Der Dow Jones sackte am Donnerstag um 3,4 Prozent ab, der technologielastige Nasdaq um 5,5 Prozent und der Philadelphia-Halbleiterindex sogar um 12,2 Prozent. Der Ausverkauf an der Wall Street folgte auf den deutlichen Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen. Die Partei gewann die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses.
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Naka Matsuzawa von der japanischen Investmentbank Nomura nennt zwei Gründe: „Die Sorgen über strengere Vorschriften im Bereich der Künstlichen Intelligenz und den übermäßigen Wettbewerb mit China halten weiterhin an.“ Viele Demokraten unterstützen lokale Initiativen, die den Bau von KI-Rechenzentren strenger regulieren wollen.
Zudem wachsen die Zweifel, wie KI-Firmen und Rechenzentrumsbetreiber ihre milliardenschweren Investitionen wieder hereinholen wollen. Für US-Präsident Donald Trump steht der Schuldige trotzdem fest: Er nutzte den erneuten Kurssturz, um den Demokraten als Wahlsiegern die Verantwortung zuzuschieben.
„Es ist so traurig, das mit anzusehen!“, schrieb der Präsident am Donnerstagabend (Ortszeit) auf seiner Plattform Truth Social. „Wir haben so viel Arbeit investiert, um ein Niveau zu erreichen, das noch niemand zuvor gesehen hat, und dann das.“
Dann zielte er direkt auf die Altersvorsorge vieler Amerikaner, die meist in Aktien angelegten 401(k)-Betriebsrentenpläne: „Deshalb sind eure 401(k)-Rentenpläne im Wert gesunken. Es waren nicht die Republikaner, es waren die ‚Dumocrats‘.“ Mit dieser Wortschöpfung, einer Anspielung auf das englische „dumb“ (dumm), verunglimpft Trump die Demokraten regelmäßig.
Chipaktien weit unter ihren Rekordhochs
Der Kurssturz hatte allerdings schon lange vor den Wahlen begonnen. Zu groß waren die Zweifel am Boom der KI-Rechenzentren und an den exorbitanten Bewertungen der Unternehmen geworden, die davon profitieren. Offen ist, wie lange die Talfahrt anhält – gerade bei den ostasiatischen Zulieferern des KI-Booms.
Mehrere asiatische Chiphersteller erzielen weiterhin Rekordgewinne, doch ihre Aktienkurse liegen weit unter den Höchstständen. Zur Mittagszeit notierte die Kioxia-Aktie 77 Prozent unter ihrem Rekordhoch. Bei SK Hynix betrug der Abstand 61 Prozent, bei Samsung Electronics 47 Prozent und bei TSMC 18 Prozent.
Softbank wird doppelt getroffen
Außerhalb des Halbleitersektors ist die Lage stabiler. Vor allem japanische Unternehmen, die in dieser Woche starke Halbjahreszahlen vorgelegt hatten, wurden weit weniger abgestraft. Doppelt getroffen wurde dagegen der KI-Investor Softbank, einer der größten Anteilseigner des US-KI-Entwicklers OpenAI.
Denn zugleich wurde bekannt, dass Chinas Behörde für die Sicherheitsprüfung ausländischer Investitionen die Übernahme von ABB Robotics durch den japanischen Konzern bislang ablehnt. Im Oktober 2025 hatte Softbank angekündigt, die Robotersparte des Schweizer Industriekonzerns für 5,4 Milliarden Dollar zu kaufen.
Kazuo Hiyane vom Mitsubishi Research Institute sieht darin „einen schweren Schlag für die künftige Strategie im Bereich der physischen KI“, also für KI-gesteuerte Roboter und Maschinen. Damit drohe Softbank den Zugriff auf einen wichtigen Rohstoff für Roboter und KI in der Produktion zu verlieren: Daten aus chinesischen Fabriken. ABB Robotics beschäftigt in China derzeit etwa 12.700 Mitarbeiter.
Softbank und ABB stünden in engem Dialog, teilten die Unternehmen am Donnerstag mit: „Beide Parteien arbeiten konstruktiv an der Transaktion.“ Alle Entscheidungen zu meldepflichtigen Sachverhalten werde man umgehend bekannt geben.
Anleiherenditen sinken
Einen positiven Nebeneffekt der Vertrauenskrise rund um KI sieht Toshiyuki Oyama, Senior-Marktanalyst bei Matsui Securities: „Die einzige gute Nachricht ist, dass das Inflationsrisiko, das zuvor die Schlagzeilen beherrschte, schlagartig nachgelassen hat.“
So ist die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen in den USA binnen rund eines Monats von 5,305 auf 4,83 Prozent gesunken, in Japan von 3,105 auf 2,675 Prozent. Für Japan ist das der niedrigste Stand seit Ende Juni.
Der Yen legte leicht zu. Der Dollar gab um 0,2 Prozent auf knapp unter 158 Yen nach, der Euro um 0,5 Prozent auf 176,92 Yen.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die ostasiatischen Börsen werden kurzfristig weiter unter Druck stehen, solange die Unsicherheit über KI-Investitionen anhält.
Likely · Within days
Die Anleiherenditen könnten weiter sinken, falls das Inflationsrisiko nachlässt.
Possible · Within weeks
Open Questions
- Wie lange wird die Talfahrt an den ostasiatischen Börsen anhalten?
- Wird Chinas Behörde die Übernahme von ABB Robotics durch Softbank letztendlich ablehnen oder genehmigen?
- Welche konkreten KI-Regulierungsinitiativen planen die Demokraten auf lokaler Ebene?







