OECD hebt Wachstumsprognose für deutsche Wirtschaft deutlich an
Bruttoinlandsprodukt soll 2026 um 1,1 Prozent wachsen – KI-Boom stützt Exporte und Konjunktur.
Quick Look
- Die OECD hat ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft für das Jahr 2026 auf 1,1 Prozent angehoben.
- Gestützt wird der Aufschwung laut der Organisation vor allem durch starke Exporte infolge des KI-Booms sowie öffentliche Investitionen.
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Why It Matters
Die OECD bewertet regelmäßig die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Mitgliedsländer und veröffentlicht Konjunkturprognosen.
Für die Weltwirtschaft rechnet die OECD für 2026 und 2027 mit einem Wachstum von 2,9 und 3,0 Prozent. Exporte wachsen laut Experten auch durch den KI-Boom überraschend kräftig.
Berlin. Die OECD hat ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr deutlich heraufgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt werde um 1,1 Prozent wachsen, sagte die in Paris ansässige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Mittwoch voraus. Im Juni war lediglich ein Plus von 0,7 Prozent erwartet worden. Für 2027 wurde die Vorhersage bei ebenfalls 1,1 Prozent belassen.
„Im ersten Halbjahr 2026 sind die Exporte überraschend stark gestiegen, was unter anderem an der steigenden Nachfrage nach elektronischen Produkten und Ausrüstungen im Zuge des KI-Booms liegt", sagte OECD-Experte Robert Grundke der Nachrichtenagentur Reuters zu dem optimistischeren Ausblick. Diese dürfte weiterhin hoch bleiben.
„Auch die steigenden öffentlichen Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur haben zur konjunkturellen Erholung beigetragen", fügte Grundke hinzu. Die OECD verwies zudem auf Reformen im Bereich der öffentlichen Vergabe und der Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte. Damit stünden die Chancen für einen schnelleren Ausbau der öffentlichen Infrastruktur und eine stärkere Unterstützung des Wachstums gut.
„Reformen voranbringen"
Die OECD rät dazu, nicht nachzulassen. „Auch wenn sich die Konjunkturaussichten verbessert haben, ist es wichtig, die notwendigen Strukturreformen voranzubringen, um das langfristige Wachstumspotential der deutschen Volkswirtschaft zu verbessern", betonte Grundke. So sollten Wettbewerbsschranken abgebaut und der hohe Verwaltungsaufwand weiter reduziert werden, um den Markteintritt von neuen Unternehmen und Investitionen zu erleichtern.
Bestehende Regulierungen und Verwaltungsverfahren müssten überprüft, vereinfacht und harmonisiert werden. Beschränkungen wie die Meisterpflicht in vielen Handwerksberufen sollten abgebaut, die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung beschleunigt werden.
Auch rät die OECD, Anreize im Steuer- und Transfersystem zu verbessern. Dazu gehörten eine Reform des Ehegattensplittings, eine Beschränkung der Minijobs auf Studenten und Schüler sowie die Umsetzung der geplanten Sozialstaatsreform.
„Eine Senkung der Steuer- und Abgabenbelastung für Arbeitseinkommen wäre aus Sicht der OECD eine weitere wichtige Maßnahme, um das Arbeitsangebot zu erhöhen und den Fachkräftemangel zu lindern", betonte Grundke. Dies könne über eine Streichung von Steuervergünstigungen und -ausnahmen finanziert werden.
Sorgen über den Konflikt im Nahen Osten
OECD-Expertin Isabell Koske warnt zugleich vor Risiken für den Aufschwung. „Eine längere Dauer oder eine weitere Eskalation des Konflikts im Nahen Osten würde zu höheren Energiepreisen und einem stärkeren Preisauftrieb sowie Vertrauensverlusten führen, was den privaten Konsum und Investitionen belasten würde", betonte sie.
„Dies gilt umso mehr, als die Gasspeicherstände in Deutschland und Europa unter dem Durchschnitt der letzten beiden Jahre liegen." Sinkende Gewinnerwartungen in der KI-Branche könnten zu fallenden Aktienkursen, schwächerem Konsumenten- und Investorenvertrauen sowie geringerer Exportnachfrage führen, sagte Koske.
Für die Weltwirtschaft rechnet die OECD für 2026 und 2027 mit einem Wachstum von 2,9 und 3,0 Prozent. Während höhere Zinsen und eine schwächere Kaufkraft bremsen, sollen Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) die Konjunktur stützen. Für die USA wird ein Wachstum von 2,2 und 2,1 Prozent erwartet, für die Euro-Zone von jeweils 1,0 Prozent. In China dürfte sich das Wachstum auf 4,5 und 4,2 Prozent abschwächen.
Open Questions
- Wie stark werden Strukturreformen in Deutschland tatsächlich umgesetzt?
- Eskaliert der Konflikt im Nahen Osten weiter?






