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Die gesetzliche Pflegeversicherung in Deutschland finanziert sich über Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Seit 2025 beträgt der allgemeine Beitragssatz 3,6 Prozent des Arbeitsentgelts, wobei kinderlose Mitglieder einen höheren Satz zahlen. Die Zahl der Leistungsempfänger ist seit 2017 von drei auf sechs Millionen gestiegen, teilweise aufgrund erweiterter Zugangsvoraussetzungen.
Der GKV-Spitzenverband spricht für die soziale Pflegeversicherung, also die gesetzlichen Kassen mit knapp 75 Millionen Versicherten. Rund sechs Millionen Menschen bezogen 2025 Leistungen von ihr. Die Finanznot der Pflegekassen wird mittelfristig wahrscheinlich für fast alle im Land spürbar – sei es als Beitrags- oder Steuerzahler oder als Pflegebedürftige.
Die Folgen für die Pflegebedürftigen
»Im Oktober werden die Einnahmen nicht mehr reichen, um die Pflegeleistungen voll zu finanzieren«, sagte Blatt. Zugleich beruhigte er: »Die Pflege kann nicht pleitegehen.« Es werde Mechanismen geben, den Fehlbetrag zu decken. »Zur Not wird uns dann der Bund sicherlich eine schnelle Liquidität geben«, sagte Blatt. »Da muss man sich als Pflegebedürftiger keine Sorgen machen.« Die Pflegeleistungen würden bezahlt. Aber die soziale Pflegeversicherung pfeife »aus dem letzten Loch«.
So lief in der ersten Jahreshälfte laut Statistik des Spitzenverbands ein Defizit von 770 Millionen Euro auf, bis zum Jahresende würden es 1,2 Milliarden Euro. Dabei hat der Bund den Pflegekassen dieses Jahr schon mit einem Darlehen von über 3,2 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen. Ein »ehrliches Ergebnis« läge also bei minus 4,4 Milliarden Euro, rechnet der Spitzenverband vor.
Wo liegen die Kostentreiber
Haupttreiber sei die steigende Zahl von Menschen, die Leistungen in Anspruch nähmen. 2025 waren es rund 370.000 mehr als ein Jahr zuvor. Seit 2017 habe sich die Zahl von drei auf sechs Millionen in etwa verdoppelt. Das liege nicht nur an der Alterung der Gesellschaft, sondern daran, dass die Politik den »Zugang zur Pflege großzügiger gestaltet« habe als von der Wissenschaft empfohlen. Im Klartext: Die Kriterien für eine Pflegebedürftigkeit wurden weiter gefasst und mehr Menschen als früher können Leistungen aus der Versicherung beziehen. Zu Buche schlagen den Angaben zufolge auch steigende Milliardenzuschläge der Pflegekassen, die Heimbewohnerinnen und Heimbewohner bei fälligen Eigenanteilen für die reine Pflege entlasten sollen.
Was die Pflegekassen kurzfristig fordern
»Die Finanzen der Pflegeversicherung müssen jetzt sehr kurzfristig stabilisiert werden, und mittel- bis langfristig benötigen wir eine strukturelle Reform«, sagte Blatt. So soll der Bund aus Sicht der Kassen rasch 5,2 Milliarden Euro »Schulden aus der Coronazeit« bei der Pflegeversicherung zurückzahlen. Zudem soll der Bund die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige übernehmen, die bisher von der Pflegeversicherung bezahlt werden. Das wären 5,3 Milliarden Euro. Die erwartete Finanzlücke von zehn Milliarden Euro 2027 wäre damit aus Sicht der Pflegekassen gestopft – allerdings zulasten des Bundeshaushalts, der ebenfalls auf Kante genäht ist.
Die dritte Forderung der Kassen richtet sich an die Länder: Sie sollten ihrer Verpflichtung zur Übernahme von Investitionskosten bei Pflegeheimen nachkommen, sagte Blatt. Damit könnte sich der Eigenanteil von Pflegebedürftigen in Heimen von zuletzt 3000 Euro »sofort« um monatlich rund 500 Euro verringern.
Wie sähe eine Reform im Sinne der Kassen aus?
Mittelfristig geht es aus Sicht der Kassen um »unbequeme Entscheidungen«: Der Zugang zur Pflege solle überprüft werden. Damit würden womöglich wieder weniger Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung bekommen. Auch könne man die »Einnahmeseite« in den Blick nehmen, obwohl es niemanden begeisterte, wenn an der Beitragsschraube gedreht würde, meinte Blatt.
Beitragserhöhungen wiederum träfen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Seit 2025 liegt der Beitragssatz bei 3,6 Prozent des Arbeitsentgelts oder der Rente. Kassenmitglieder ohne Kinder zahlen 4,2 Prozent. Für Mitglieder mit zwei oder mehr Kindern wird ein geringerer Beitrag fällig.
Was die Politik plant
Eine Pflegereform ist bereits in Vorbereitung und soll noch im September im Kabinett vorgelegt werden, wie ein Sprecher von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) sagte. Details sind aber offen. Zu den neuen Zahlen des GKV-Spitzenverbands und der Forderung nach einer Finanzspitze äußerte sich der Sprecher nicht.
Linnemann hat einen Entwurf seiner Vorgängerin Nina Warken (CDU) auf dem Tisch. Dieser sieht Ausgabenbremsen und Mehreinnahmen vor. Schwarz-Rot will allgemeine Beitragserhöhungen im kommenden Jahr vermeiden. Doch wird erwogen, den Pflegebeitrag für Kinderlose leicht auf 4,3 Prozent anzuheben. Bei der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern sollen Einschränkungen kommen. Voraussetzungen für Einstufungen in Pflegegrade könnten verschärft werden. Warken hatte eine Kürzung der Renten-Beitragszahlungen für pflegende Angehörige angepeilt. Darauf will Linnemann aber möglichst verzichten.
AI outlook — possibilities, not facts
Die Bundesregierung wird im September einen Pflegereform-Entwurf im Kabinett vorlegen.
Very likely · Within weeks
Der Beitragssatz für kinderlose Mitglieder der Pflegeversicherung wird voraussichtlich angehoben.
Likely · Within months
Wegen möglicher Listerien-Verunreinigung ruft die Firma Fleischwaren Wulff drei Sorten Streichmettwurst zurück. Betroffen sind Produkte mit dem Produktionsdatum 31. Juli, die in sechs Bundesländern verkauft wurden. Kunden erhalten den Kaufpreis erstattet.

Die gesetzliche Pflegeversicherung verzeichnete im ersten Halbjahr ein Defizit von 770 Millionen Euro. Verbandschef Oliver Blatt warnt vor einer drohenden Zahlungsunfähigkeit ab Oktober und fordert strukturelle Reformen sowie eine Finanzspritze von zehn Milliarden Euro für 2027.
Der gesetzlichen Pflegeversicherung fehlen laut GKV-Spitzenverband bis Jahresende rund 500 Millionen Euro. Die Ausgaben steigen demnach fast dreimal stärker als die Einnahmen, für 2025 wird ein Finanzbedarf von zehn Milliarden Euro erwartet.

Die deutschen Pflegekassen verzeichnen im ersten Halbjahr ein Defizit von 770 Millionen Euro. Verbandschef Oliver Blatt warnt vor der Alarmstufe Rot und fordert schnelles Handeln von der Politik, während eine Pflegereform im Herbst vorbereitet wird.
Wissenschaftler des Albert Einstein College of Medicine in New York fanden heraus, dass Kinder von Hundertjährigen ein um 42 Prozent geringeres Sterberisiko sowie seltener altersbedingte Erkrankungen aufweisen.
Ab 1. September sollen GLP-1-Abnehmtabletten mit Wirkstoff Semaglutid (Handelsname Wegovy) in Deutschland in Apotheken erhältlich sein. Novo Nordisk bestätigt ausreichende Lagerbestände. Die Tabletten erfordern ein Rezept und werden von Patienten selbst bezahlt, da sie als Lifestyle-Arzneimittel gelten. Experten betonen, dass die Wirkung vergleichbar mit der Abnehmspritze ist, jedoch eine höhere Dosierung nötig ist aufgrund geringerer Aufnahme im Magen-Darm-Trakt. Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Verstopfung sind möglich, aber meist mild bis moderat. Ärzte und Apotheker warnen vor dubiosen Online-Angeboten und betonen die Notwendigkeit ärztlicher Begleitung sowie Ernährungs- und Bewegungstherapie für langfristigen Erfolg.