
Spenden über Grenzen hinweg sind teuer, langsam und undurchsichtig. Ein europäischer Binnenmarkt könnte helfen – doch die Politik erschwert das globale Geben.
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Nonprofit-Organisationen nutzen oft komplexe Doppelstrukturen oder Mittlerstiftungen, um Spenden über nationale Grenzen hinweg abzuwickeln.
Hera hat ein Problem. Die amerikanische Hilfsorganisation kümmert sich um die Auswirkungen extremer Hitze auf Frauen im globalen Süden. Sie hat zwar genug Förderer von ihrer Arbeit überzeugt. Deren Geld muss aber die Grenze in die USA überschreiten. Mit der dortigen Spendenquittung können Spender aus Europa nichts anfangen. Und sie sind abgeschreckt von Drohungen der Trump-Regierung, Spenden an Organisationen einzufrieren, die sie für „woke“ hält. Deshalb hat die Organisation einen Ableger in den Niederlanden gegründet. Eine ineffiziente Doppelstruktur, um Geld anzunehmen.
Fast jede größere Nonprofit-Organisation macht das. Überall, wo sie Spenden annehmen will. Schon seit Jahrzehnten. Wie viele solcher Duplikate es gibt, kann man kaum schätzen. Allein die amerikanische Tochter der belgischen König-Baudouin-Stiftung verwaltet in Gegenrichtung mehr als 500 Freundeskreise europäischer Organisationen, damit nicht jede selbst gründen muss. Wer sich die Gründung sparen will, nimmt den Umweg über Mittlerstiftungen, die die Spende im Inland quittieren und sie dann an einen Partner im Zielland weiterreichen. Netzwerke dieser Art behalten dafür um die fünf Prozent ein.
Das verbreitete Vorurteil lautet, Nonprofit-Organisationen seien ineffizient. Die Wahrheit ist: Der Weg des Geldes zu ihnen ist es. Eine Branche, die ihr Geld so bewegt, braucht keine Feinde. Sie liefert ihren Kritikern das Material frei Haus: teuer, langsam, undurchsichtig.
Vor allem aber ist die Kleinstaaterei des Gebens eine massive Einschränkung des freien Kapitalverkehrs. 2025 hat das größte Mittlernetzwerk für Spenden genau 12.749 davon abgewickelt. Das spiegelt nicht die Nachfrage eines Kontinents mit 450 Millionen Einwohnern wider. Die ehemalige Programmchefin der Ikea Stiftung, Liz McKeon, hat im Podcast „Das Neue Geben“ mit mir einen schlagenden Vergleich gefunden: Würde ein Geldwechsler fünf Prozent verlangen, würde an seinem Schalter auch niemand anstehen.
Erstens der fehlende Wettbewerb: Der Sektor war lange von großen Stiftungen und Entwicklungsagenturen geprägt, die mit eigenem Personal und wenig Kostendruck Geld über Grenzen brachten, und von großen Hilfsorganisationen, die in jedem reichen Land einen eigenen Spendenableger unterhalten und kein Interesse daran haben, kleineren Wettbewerbern den Zugang zu erleichtern.
Zweitens die Intransparenz: Anders als im Finanzsektor muss niemand seine Geldflüsse offenlegen, und so bleibt jeder Fall ein Einzelfall, den Anwälte und Steuerberater einzeln prüfen und abrechnen, am liebsten mit einer neuen Hülle als Ergebnis.
Drittens, und das ist neu, die Politik: Nicht nur die zweite Trump-Regierung, auch Russland, Indien und bis vor Kurzem Ungarn beschränken Geld aus dem Ausland, weil es eine kritische Zivilgesellschaft finanzieren könnte. Die Begründung lautet stets Schutz vor fremdem Einfluss.
Mit der Demontage von USAID, der größten Entwicklungsagentur der Welt, ist im vergangenen Jahr die staatliche Entwicklungshilfe der Industrieländer um 23 Prozent gefallen, der tiefste Einschnitt seit Beginn der Statistik. Privates Geld könnte einspringen. Es gibt genug davon, und das Interesse am Geben war nie größer.
Was fehlt, ist der Weg. Manche Vermögende fürchten, dass ihr Engagement politisch gedeutet wird. Andere wissen nicht, wie viel von ihrem Geld ankommt. Die wenigsten wollen dafür eine Organisation gründen. Bei 100 Euro spielt das keine Rolle. Niemand aber gibt 100.000 Euro oder eine Million, wenn vorher einige Tausend Euro Beratung und danach mehrere Prozent Gebühr anfallen. Es ist ein unsichtbares Marktversagen, und seine Folgen tragen die, die gegen Armut, Krankheit und Hitze arbeiten.
Es gibt Grund zur Hoffnung. Die nächste Generation von Vermögenseigentümern denkt in Problemen, nicht in Ländern, und Europa könnte den Anfang machen. Ein europäischer Binnenmarkt für Philanthropie ließe sich mit gegenseitiger Anerkennung der Gemeinnützigkeit in einem Satz regeln. Ich habe ihn als Vorsitzender des europäischen Stiftungsdachverbands vor neun Jahren erstmals gefordert. Acht Jahre hat es gedauert, bis die Kommission den Gesetzesvorschlag dazu im vergangenen Jahr zurückgezogen hat.
Was die Philanthropie dafür am dringendsten braucht, ist politische Akzeptanz als eigenständige Kraft. Vor den amerikanischen Kongresswahlen am 3. November lauten die Schlagzeilen anders. Elon Musk, der mit seiner Behörde DOGE die Abrissbirne an die globale Entwicklungsfinanzierung gelegt hat, ist mit 366 Millionen Dollar der größte Geber dieses Wahlkampfs und will dafür sorgen, dass Donald Trumps Republikaner den Senat behalten. Es wäre eine tragikomische Pointe, wenn ausgerechnet er mit einer Spende das Geben als legitime Kraft diskreditierte, zu einer Zeit, in der es als von Regierungen unabhängige Kraft dringender gebraucht wird als je zuvor.
Das globale Geben steht an einer Gabelung. Es erkämpft sich seine rechtlichen Freiräume zurück und überwindet nationale Grenzen mit Investitionen in zeitgemäße Infrastruktur. Oder es bleibt in ihnen gefangen.
AI outlook — possibilities, not facts
Kongresswahlen in den USA am 3. November bestimmen den weiteren Kurs der US-Entwicklungsfinanzierung
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