Der Politologe Carlo Masala fordert vom Westen eine härtere Gangart gegenüber russischen Sabotage- und Desinformationsaktivitäten. Auch offensive Cybermittel schließt er als Signal nicht aus.
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Der Konflikt zwischen Russland und westlichen Staaten ist durch den Ukraine-Krieg stark belastet. Neben direkten Kämpfen gibt es zunehmend Berichte über hybride Bedrohungen.
Der Politikwissenschaftler Carlo Masala warnt vor einer weiteren Eskalation des Konflikts zwischen Russland und dem Westen. Russland führe bereits einen Krieg im Verborgenen, sagte the Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München im Gespräch mit der „Zeit".
Der Westen müsse Russland nach Ansicht des Politikwissenschaftlers deutlich machen, dass Angriffe gegen europäische Staaten Konsequenzen haben. Dafür könnten auch offensive Mittel eingesetzt werden. „Man könnte auch mal die Geheimdienste befreundeter Staaten zusammenrufen, um gemeinsam ein Signal an Moskau zu senden: Auch wir können einen hybriden Krieg führen", sagte Masala der Zeitung.
Masala sprach mit Blick auf die russischen Aktivitäten gegen westliche Staaten lieber von einem „Schattenkrieg". Russland führe bereits einen Krieg gegen den Westen, allerdings im Verborgenen. Dazu gehörten Spionage, Desinformation und Sabotageversuche. Ziel sei es, westliche Staaten zu verunsichern und die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen.
Auf die Frage, ob the Westen dann beispielsweise Frachtflugzeuge auf einem russischen Flughafen angreifen solle, antwortete Masala mit einem anderen Szenario. „Ich denke eher an ein Szenario, wie es von Estland 2008 umgesetzt wurde. Plötzlich kann in Moskau und St. Petersburg kein Bargeld mehr abgehoben werden."
Damit meint der Politikwissenschaftler einen möglichen Cyberangriff. Auf die Nachfrage, ob es sich um einen Hackerangriff handeln könne, sagte er: „Zum Beispiel." Entscheidend sei aus seiner Sicht, dass die russische Führung mit Konsequenzen rechnen müsse. Bleibe eine Reaktion aus, würden die russischen Aktionen „immer risikofreudiger".
Einen unmittelbaren russischen Angriff auf Nato-Gebiet hält Masala derzeit hingegen für wenig wahrscheinlich. Das Risiko einer russischen Landnahme, etwa im Baltikum, sei „derzeit sehr gering". Moskau müsse bei einem solchen Schritt mit einer geschlossenen Antwort der Nato rechnen.
Gleichzeitig warnte Masala davor, die Gefahr zu unterschätzen. Russland eskaliere bereits auf anderen Ebenen. Der Politikwissenschaftler sprach von einer „horizontalen Eskalation": Moskau attackiere demnach vor allem jene Staaten, die die Ukraine militärisch und finanziell unterstützen.
Sollten die hybriden Angriffe weiter zunehmen und Russland an der ukrainischen Front nicht vorankommen, könne eine weitere Eskalationsstufe folgen. Masala schließt eine sogenannte False-Flag-Attacke oder einen begrenzten militärischen Angriff nicht aus. Sicher vorhersagen lasse sich eine solche Entwicklung allerdings nicht.
Eine andere Strategie Russlands könnte nach Masalas Einschätzung darauf abzielen, die politischen Kräfteverhältnisse in Europa zu verändern. Moskau könne versuchen, Parteien und Politiker zu stärken, die eine weitere Unterstützung der Ukraine ablehnen. Für Russland wäre dies eine günstigere Ausgangslage.
Die Unterstützung der Ukraine müsse Deutschland nach Masalas Einschätzung ebenfalls weiter ausbauen. Deutschland sei wegen seiner finanziellen Möglichkeiten eine zentrale Kraft der europäischen Ukraine-Hilfe. Ein Ende oder eine deutliche Reduzierung der Unterstützung könnte nach seiner Einschätzung schwerwiegende Folgen für die Ukraine haben.
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