
Bericht über den Wahlkampf von Ulrich Siegmund in Merseburg, die Bemühungen der 'Koalition der Willigen' zur Unterstützung der Ukraine sowie die Spannungen zwischen Deutschland und Italien bezüglich der Umsetzung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas).
AI-generated summary
Das Gemeinsame Europäische Asylsystem (Geas) trat im Juni in Kraft. Es zielt auf eine härtere Migrationspolitik und eine faire Verteilung von Asylsuchenden ab.
Diese Siegesgewissheit war mir auch am Tag zuvor aufgefallen, als ich das »Familienfest« in Merseburg besuchte, eine Wahlkampfveranstaltung mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Die Menschenschlangen für Gratisbratwurst, Freibier und blaue Zuckerwatte für die Kleinen waren lang. Noch länger war aber jene Schlange, die zu einem Stand führte, an dem Siegmund ausdauernd Selfies machte und Autogramme gab.
Aus Sicht vieler Menschen hat Siegmund offenbar Kultstatus. Der Marketingfachmann trifft einen Nerv. Aber welchen?
Siegmund hielt in Merseburg eine kurze Rede. Besonders kräftig fiel der Applaus aus, als er behauptete, dass Deutschland nicht mehr wiederzuerkennen sei und dass sich die Leute mit ihm als Wahlgewinner ihr Land zurückholen würden. Dies sind migrationsfeindliche Triggerworte, die wirken. Was außerdem gut ankam: das Versprechen, dass die Menschen mit ihrer Stimme für Siegmund Geschichte schreiben würden, dass sie eine »Wende« herbeiführen könnten. Ältere Männer johlten, junge Frauen klatschten. Das Gefühl, man selbst könnte einen Unterschied machen, auch das wirkt.
Warken sah Kürzungen bei Rentenbeiträgen vor, die Pflegekassen für pflegende Angehörige zahlen. Linnemann möchte hier eine »Korrektur« vornehmen. Wie er das gegenfinanzieren will, ließ er offen. Wenn selbst Spitzenpolitiker wie Landeschefs und Bundesminister am schwarz-roten Reformprojekt mosern, dürfte es der Regierung schwerfallen, die Bevölkerung für ihr »Gesamtkunstwerk« (Friedrich Merz, Bärbel Bas) zu gewinnen.
Merz kommt heute in Berlin mit der Führung der CDU zusammen, am Dienstag trifft er sein Kabinett zur Klausur in Neuhardenberg. Der Kanzler könnte auf etwas mehr Commitment, etwas mehr Loyalität in den eigenen Reihen hinwirken.
Die »Koalition der Willigen« schaltet sich heute zusammen. Unter der Leitung des britischen Premiers Andy Burnham, des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und von Kanzler Friedrich Merz wollen die Freunde der Ukraine über weitere Hilfen für das Land beraten. Was es vor allem braucht, sind Waffen, um russische Raketen und Marschflugkörper abzuwehren. Damit tötete die russische Armee zuletzt besonders viele Zivilisten.
Am Sonntag machte sich Außenminister Johann Wadephul (CDU) in der Frontstadt Charkiw ein Bild vom russischen Raketenterror gegen die Zivilbevölkerung. Mein Kollege Paul-Anton Krüger war dabei; in seinem Text beschreibt Paul, wie die Zerstörung, aber auch der Widerstandsgeist der Ukrainerinnen und Ukrainer Eindruck beim Minister hinterließen. Wadephul wandte sich direkt an die »Koalition der Willigen« und ermahnte die teils zögerlichen Partner: »Ihr müsst euch alle fragen, wo ihr in dieser Situation steht.«
Auch Merz möchte in der Schalte heute darum bitten, mehr für die ukrainische Luftverteidigung zu tun. Wie es aus Regierungskreisen hieß, will der Kanzler zudem mehr Hilfe im Energiebereich anmahnen, damit die Ukraine durch den nächsten Winter kommt. Auch die Frage, wie sich der Sanktionsdruck gegenüber Russland steigern ließe, soll Thema sein.
Verlierer des Tages ist die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems, kurz: Geas. Erst im Juni trat das neue Regelwerk in Kraft. Es sieht mehr Härte gegen Migranten vor, um sie von einer Einreise in die EU abzuschrecken. Jene, die dennoch kommen und eine Bleibeperspektive haben, sollen innerhalb der EU fairer verteilt werden. Doch dieser Teil der Reform wankt: Italien weigert sich, Asylsuchende zurückzunehmen, für die es als Ersteinreiseland zuständig wäre. Und es teilt hart gegen Berlin aus.
Vizeregierungschef Matteo Salvini erklärte: »Deutschland hat kein Recht, uns auch nur einen einzigen illegalen Einwanderer zurückzuschicken, solange deutsche NGO-Schiffe im Mittelmeer unterwegs sind, um Tausende illegaler Einwanderer in Italien und Europa an Land zu bringen.« Auf diese Weise gelangten nach italienischen Angaben seit Jahresbeginn 2200 Migranten an Land.
Zwar hat die Bundesregierung die finanzielle Unterstützung für zivile Seenotrettungsmissionen im Mittelmeer eingestellt. Allerdings kann sie private Initiativen nicht einfach so verbieten. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) plant ein baldiges Treffen mit seinem italienischen Amtskollegen Matteo Piantedosi. Der CSU-Politiker dürfte darum bemüht sein, Rom zu besänftigen, um Geas zu retten. Schließlich ist die »Migrationswende« Dobrindts Priorität.
AI outlook — possibilities, not facts
Treffen zwischen Alexander Dobrindt und Matteo Piantedosi zur Rettung der Geas-Reform.
Likely · Within weeks

Kanada bereitet gezielte Vergeltungszölle auf US-Importe vor, nachdem Zollverhandlungen über Autozölle überraschend scheiterten. US-Präsident Trump reagierte mit persönlichen Angriffen und kündigte weitere Zollverschärfungen an.

Die Bundesnetzagentur gestaltet die Energiewende zunehmend eigenständig. Präsident Klaus Müller berichtet von einer massiven Klagewelle durch Netzbetreiber gegen neue Regulierungen und verteidigt die Verschiebung der Entscheidung zum Kohleausstieg in NRW.

In bayerischen Kommunen wie Dunsdorf führen Sparmaßnahmen zur massiven Reduzierung des ÖPNV-Angebots. Während Behörden auf Haushaltsdefizite verweisen, beklagen Betroffene den Verlust ihrer Mobilität und fordern eine verlässliche Anbindung.

Sahra Wagenknecht, Gründerin des BSW, fordert eine Abkehr von der sogenannten Brandmauer gegenüber der AfD. Sie argumentiert, dass die aktuelle Ausgrenzungspolitik das Vertrauen vieler Wähler gefährde und distanziert sich von der Rolle als Steigbügelhalterin.

Die USA kündigen im Rahmen der Operation „Wirtschaftlicher Verstoßener“ neue Sanktionen gegen den Iran an, um das Land von der Weltwirtschaft zu isolieren. Teheran droht mit Vergeltung, während die Spannungen in der Straße von Hormus und im Roten Meer eskalieren.

Die USA planen neue Sanktionen gegen über 60 Akteure, um den Iran wirtschaftlich zu isolieren. Finanzminister Bessent droht Institutionen, die den iranischen Ölschmuggel unterstützen, mit dem Ausschluss vom US-Dollar-System, während der Konflikt um die Straße von Hormus andauert.