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Nach schlechten Ergebnissen der CDU bei Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sowie der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus Ende September 2024 wuchs der interne und externe Druck auf Friedrich Merz als Kanzlerkandidat.
Düsseldorf. Nach dem schlechten Abschneiden der CDU bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sowie bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus mehrten sich Ende September die Berichte und Stimmen über ein mögliches Aus von Friedrich Merz als Bundeskanzler. Auch auf der Prognosemarktplattform Polymarket bekam die entsprechende Wette, ob Merz bis zum Jahresende als Kanzler ausscheidet, einen starken Zulauf – das zeigt eine Auswertung des Handelsblatts.
Eine Rekonstruktion auf Grundlage der stündlichen Kursdaten der Ja-Kontrakte im Monatsverlauf zeigt, wie stark ein mögliches Rücktrittsszenario von Merz als Kanzler im Raum stand. Fünf Tage vor den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin erreichten die Wetten gegen den Kanzler am 15. September kurz nach 21 Uhr ihren Höchststand.
Am Vorabend hatte Table-Media über Pläne des Kanzlers berichtet, am Wahlsonntag dem CDU-Präsidium abends eine indirekte Vertrauensfrage zu stellen. Daraufhin stiegen die Quoten gegen Merz vom leicht erhöhten Niveau von 17,5 Prozent nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Laufe des Abends des 14. September bereits auf mehr als 24 Prozent.
Zwar dementierte die Parteizentrale am folgenden Tag die Gerüchte, doch die Spekulationen hielten an – auch auf Polymarket. Als der Kanzler wenige Stunden später überraschend seine Reise zur UN-Generaldebatte nach New York absagte mit der Begründung, seine Präsenz sei in Berlin erforderlich, erreichten die Wetten gegen Merz ihr Allzeithoch.
Auch die Plattform reagierte auf das gestiegene Interesse und eröffnete am selben Abend zwei weitere Märkte, die jeweils auf ein Ende des Kanzlers bis Ende September beziehungsweise bis Ende Oktober wetteten. Während sich mit mehr als zwei Millionen Dollar Handelsvolumen ein Großteil der Wetten auf dem Markt zum Jahresende konzentrierte, war der September-Markt mit einem Volumen von fast 400.000 Dollar trotz seiner Kurzlebigkeit von wenigen Wochen vergleichsweise groß.
Im September kam es insgesamt zu mehr als 2800 Transaktionen auf dem Hauptmarkt, viele neue Konten stiegen ein, und das monatliche Handelsvolumen wuchs auf mehr als eine halbe Million Dollar – eine Verfünfzehnfachung gegenüber den Vormonaten Mai bis Juli. Im Hauptmarkt wurden Ende September bisher 2,2 Millionen Dollar gehandelt. Abgewickelt werden die Wetten vollautomatisch über eine an den US-Dollar gekoppelte Kryptowährung.
Mittlerweile scheinen immer weniger Menschen an einen Rücktritt des Kanzlers zu glauben. Neben einer Erklärung der acht CDU‑Regierungschefs, die infolge der Spekulationen am 16. September dem Kanzler kollektiv ihre Unterstützung zusagten, dürfte auch ein zweiter Umstand zum Rückgang der Quoten beigetragen haben: Nach keiner der verpatzten Landtagswahlen positionierten sich mögliche Anwärter wie Hendrik Wüst oder Markus Söder als ernsthafte Alternativen zum Kanzler.
Jedenfalls liegen die Quoten für ein frühes Kanzler-Aus zum Ende des Jahres derzeit – wie zuletzt im Juli – bei etwa zwölf Prozent. Die Wahrscheinlichkeit ergibt sich aus den Marktpreisen für die Ja- und Nein-Kontrakte auf das Ereignis. So kosten Wetten auf ein Ende von Friedrich Merz als Kanzler in diesem Jahr derzeit etwa zwölf Cent, während Wetten dagegen 90 Cent kosten. Der Markt für diese Fragen würde aufgelöst, sobald Merz sein Ausscheiden ankündigt, aus dem Amt scheidet oder das Ablaufdatum der Wette erreicht ist. Auf jede richtig platzierte Wette würde jeweils ein Dollar pro Wettanteil ausgezahlt.
AI outlook — possibilities, not facts
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