Präsidentschaftswahl in Brasilien: Lula gegen Flávio Bolsonaro
Der Kampf um das größte Land Südamerikas zwischen dem Alt-Linken Lula und dem Sohn des inhaftierten Ex-Präsidenten.
Quick Look
- Bei der brasilianischen Präsidentschaftswahl tritt der 80-jährige Luiz Inácio Lula da Silva gegen Flávio Bolsonaro an, der als Stellvertreter für seinen inhaftierten Vater Jair Bolsonaro kandidiert.
- Umfragen sehen den Linken Lula derzeit knapp in Führung.
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Why It Matters
Jair Bolsonaro wurde wegen eines Putschversuchs zu 27 Jahren Haft verurteilt. Lula da Silva war bereits von 2002 an Präsident und saß zwischen 2018 und 2019 wegen Korruptionsvorwürfen in Haft.
Der Sohn vom verurteilten rechten Ex-Präsi oder eine vierte Amtszeit vom Alt-Linken:
Darum geht's bei der Wahl im größten Land Südamerikas.
Der eine, Lula, prägt die brasilianische Politik seit mehr als 30 Jahren. Er wurde schon 2002 das erste Mal Präsident. Er saß sogar 2018 bis 2019 schon wegen Korruptionsvorwürfen in Haft, das Urteil wurde aber später wieder aufgehoben.. Heute ist er 80 Jahre alt und irgendwie alternativlos, meint zumindest unser Korrespondent, der seit mehr als 30 Jahren aus Südamerika berichtet.
Jens Glüsing, SPIEGEL:
»Lula selbst, heißt es, wollte eigentlich gar nicht mehr antreten. Er wurde von der Arbeiterpartei PT dazu genötigt. Mehr oder weniger, weil es keinen anderen Kandidaten gibt, der in der Lage ist, einen Bolsonaro zu besiegen. So sieht das jedenfalls die Linke.«
Sein Herausforderer, Flávio Bolsonaro, wird seinerseits mit Korruptionsskandalen und Kontakten die Unterwelt in Verbindung gebracht. Er kandidiert quasi als Stellvertreter für seinen Vater, Jair Bolsonaro, der wegen eines Putschversuchs zu 27 Jahren Haft verurteilt wurde.
Flávio Bolsonaro, Präsidentschaftskandidat:
»Denn ich bin vielleicht ruhiger, gelassener und besonnener. Aber hier fließt Bolsonaro-Blut durch meine Adern.«
Jens Glüsing, SPIEGEL:
»Sein einziges Motto. Das, was er immer wieder wiederholt, ist »Freiheit für Bolsonaro« – Freiheit für seinen Vater. Das ist auch das, worum es den meisten Wählern von Flávio Bolsonaro geht. Sie müssen sich mit dem Sohn begnügen, und Sie werden auch den Sohn wählen. Nur große Euphorie löst dieser Sohn nicht aus.«
Und bei der Wahl geht es noch um einiges mehr: Nach Argentinien, Bolivien, Chile und Kolumbien wäre Brasilien bei einem Bolsonaro-Sieg Teil des allgemeinen Rechtsrucks in Lateinamerika.
Das würde wohl auch den USA gefallen:
Jens Glüsing, SPIEGEL:
»Es gibt immer wieder Vorwürfe, dass die Amerikaner sich aktiv in den Wahlkampf einmischen. Da ist was dran. Wobei es nicht so offen läuft wie in anderen Ländern. Aber die Amerikaner haben klar durchblicken lassen, dass sie Flávio bevorzugen.«
Und gerade die USA-Kontakte seines Gegners nutzt Lula für seinem Wahlkampf:
Luiz Inácio Lula da Silva, Präsident Brasilien:
»In diesem Land ist kein Platz für Politiker, die tagsüber die Nationalflagge hissen und sich nachts vor den Vereinigten Staaten verneigen.«
In Umfragen führt der Linke Lula knapp vor Flávio Bolsonaro. Schafft keiner der beiden am Sonntag fünfzig Prozent, kommt es zur Stichwahl Ende Oktober.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Stichwahl Ende Oktober bei Nichterreichen der 50-Prozent-Hürde.
Likely · Within weeks
Open Questions
- Erreicht einer der Kandidaten im ersten Wahlgang 50 Prozent?
- Wie stark ist der Einfluss der USA auf den Ausgang der Wahl?




