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BackPrivatbanken: Quirin startet größtes IT-Projekt der Firmengeschichte und greift Neobroker an
Privatbanken: Quirin startet größtes IT-Projekt der Firmengeschichte und greift Neobroker an
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Handelsblatt1 hour agoBusiness4 min readGermanyView translation

Privatbanken: Quirin startet größtes IT-Projekt der Firmengeschichte und greift Neobroker an

Die Privatbank setzt auf die Technologie des Fintechs Upvest, um ihr Angebot, insbesondere beim neuen Altersvorsorgedepot, wettbewerbsfähig zu gestalten.

Quick Look

  • Die Privatbank Quirin investiert bis zu 20 Millionen Euro in eine neue IT-Infrastruktur, um gegen Neobroker zu bestehen.
  • Das Projekt umfasst die Migration von 118.000 Kunden auf die Plattform des Fintechs Upvest und startet mit dem neuen Altersvorsorgedepot.

AI-generated summary

Why It Matters

Quirin betreibt derzeit IT-Systeme, die teilweise aus den 1980er-Jahren stammen. Das Altersvorsorgedepot soll ab 2026 schrittweise die Riester-Rente ablösen.

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Frankfurt. Die Privatbank Quirin und ihre digitale Vermögensverwaltungstochter Quirion rüsten sich für den Angriff auf die Neobroker. Die Bank will im Brokergeschäft in Zukunft die gleiche Infrastruktur nutzen wie ihre digitalen Wettbewerber Revolut oder N26 und dafür bis zu 20 Millionen Euro in die Hand nehmen, wie das Handelsblatt vorab erfahren hat.

Damit will die Bank beim neuen Altersvorsorgedepot punkten. Um sich Marktanteile zu sichern, will Quirion Kunden beim Standarddepot alle Kosten erstatten – auch die versteckten, die nicht Teil der ausgewiesenen Gesamtkostenquote sind.

Die kostenlose Depotführung und Sparplanführung hat sich unter den Anbietern inzwischen weitgehend durchgesetzt. Dies handhabt auch Quirion für das Standarddepot so. Manche Anbieter wie Scalable oder Trade Republic wollen Kunden zudem dauerhaft oder bis auf Weiteres die Produktkosten für börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) erlassen.

Das Altersvorsorgedepot ist Teil der geplanten Rentenreform und soll ab nächstem Jahr schrittweise die bisherige Riester-Rente ablösen. Dahinter verbirgt sich ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot mit einer vordefinierten Standardvariante und einer freien Variante.

„Die Produktkosten für die beiden ETFs und auch die darüber hinausgehenden Transaktionskosten erstatten wir“, sagt ein Quirion-Sprecher. Gerade Letztere würden in der Diskussion selten erwähnt. Sie entstünden durch den Wertpapierhandel im ETF, seien aber nicht in der Gesamtkostenquote enthalten und würden bis zu zehn Basispunkte (0,1 Prozentpunkte) ausmachen.

Es ist das größte IT-Projekt in der Firmengeschichte von Quirin. Das Investment dürfte grob einem kompletten Jahresgewinn der Privatbank entsprechen. 2025 verdiente Quirin vor Steuern 18,3 Millionen Euro.

Der Preiskampf um die 44 Millionen Förderberechtigten – und damit potenziellen Neukunden – wird somit intensiver und dürfte sich für die Anbieter nur dann finanziell lohnen, wenn es ihnen gelingt, eine kritische Masse an Kunden zu gewinnen, die anschließend weitere Produkte kaufen.

Neben dem kostenlosen Standarddepot bietet Quirion dem Sprecher zufolge auch eine individuelle Variante an.

Damit der Vorstoß beim Altersvorsorgedepot überhaupt möglich ist, setzt Quirin auf den technologischen Unterbau des Fintechs Upvest, das bereits die digitale Infrastruktur von Revolut, N26, Raisin und seit gut einem Jahr auch von der DKB bereitstellt. „Wir starten im Januar mit dem Altersvorsorgedepot, das erst mal auf dem neuen System laufen wird“, sagte Quirin-CEO Karl Matthäus Schmidt dem Handelsblatt.

Im zweiten Quartal sollen dann alle Neukunden des Brokers auf dem neuen System laufen. „Im dritten Quartal werden wir Quirions Bestandskunden migrieren und Mitte 2028 dann den kompletten Kundenbestand der Privatbank“, sagt Schmidt. Insgesamt betrifft das Projekt rund 118.000 Kunden mit mehr als elf Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen.

„Wir haben mit solchen IT-Migrationen inzwischen Erfahrung“, sagt Upvest-Gründer und CEO Martin Kassing. Vergleichbare Projekte habe man bereits mit der Zins- und Sparplattform Raisin und der Santander-Tochter Openbank umgesetzt. Vergangenes Jahr kam die BayernLB-Tochter DKB dazu.

Mittlerweile zähle das Fintech mehr als 40 Kunden, davon zehn etablierte Finanzinstitute. „Über die Jahre haben wir eine Art Playbook für die Migration von Endkunden und Assets entwickelt und sind selbstsicher, Quirin und Quirion ebenfalls zeitnah auf unsere Plattform zu migrieren und weiteres profitables Wachstum zu ermöglichen“, sagt Kassing.

Derzeit arbeitet Quirin laut Schmidt noch auf IT-Systemen, die teilweise auf die 1980er-Jahre zurückgehen. Die Entscheidung, das System zu wechseln, sei bereits vor einem Jahr gefallen. Mit diesem Gedanken beschäftigt habe sich die Bank aber schon deutlich länger.

Das IT-Projekt hat für die Bank eine hohe strategische Bedeutung. „Uns geht es darum, gegenüber Neobrokern wie Revolut oder Trade Republic wettbewerbsfähig zu sein“, sagt Schmidt. Dafür brauche es eine moderne IT-Infrastruktur, die mehr Flexibilität biete. „Das neue Altersvorsorgedepot könnten wir mit unserer derzeitigen IT-Infrastruktur beispielsweise nicht anbieten.“

Aus Anbietersicht liegt die Herausforderung laut Upvest-Chef Kassing beim Altersvorsorgedepot weniger in der Handelsabwicklung der Wertpapiere. „Aber im Hintergrund laufen komplexe Prozesse, die abgewickelt werden müssen. Da spielen Steuern oder die richtige Verrechnung von staatlichen Zulagen eine große Rolle“, sagt Kassing.

Quirin investiert aber nicht nur ins Altersvorsorgedepot. Mit der neuen IT-Infrastruktur könnten die Bank und ihr Broker Daten in Echtzeit verarbeiten. „Die automatische Anpassung von Sparplänen geht deutlich einfacher und schneller, und auch die User-Erfahrung in der App wird deutlich besser werden, beispielsweise durch bessere Performance-Berichte“, sagt Schmidt.

„Das ist das größte IT-Projekt in der Geschichte von Quirin und wir investieren dafür bis zu 20 Millionen Euro“, sagt Schmidt. Mittelfristig erhoffe er sich von der neuen IT-Plattform natürlich auch niedrigere Kosten. Die Kosten stünden bei diesem Projekt aber nicht im Vordergrund.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Start des Altersvorsorgedepots auf neuem System im Januar.

    Very likely · Within months

Open Questions

  • Wie hoch sind die tatsächlichen langfristigen Kosteneinsparungen?
  • Wie reagieren Bestandskunden auf die Migration?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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